Konzert in der Schänke

Portugiesen in Haltern: Zwischen Fado und Heavy Metal

HALTERN - Sie trat schon bei einem Heavy-Metal-Festival vor Tausenden Zuschauern auf, am Freitag kam die Portugiesin Célia Ramos zum Konzert nach Haltern. Zuvor sprach sie im Interview über ihr Lebensgefühl und ihre Arbeit.

In der Nacht zu Donnerstag haben sie noch bis 2 Uhr in Lissabon gespielt, direkt danach wurde kurz geduscht und der Koffer gepackt. Nachmittags waren Célia Ramos, Carlos Pires und Allan Santos dann schon in Haltern, spielten abends ein Konzert in Gronau und traten am Freitag in der Schänke an der Lippstraße auf. Inzwischen sind die Musiker schon wieder in Portugal - Pires musste am Samstag seine Musikschule aufschließen.

Vor der Show in der Schänke sprach unser Redakteur Kevin Kindel mit der 37-jährigen Sängerin Célia Ramos auf Englisch über das Leben als Berufsmusiker, über Fado und Heavy Metal und darüber, warum die Band gar keinen Namen hat.

Bands aus dem Ausland kommen nicht so häufig nach Haltern. Wie kam der Kontakt zustande?

Den Halterner Frank Schürmann haben wir in Lissabon kennengelernt. Er kam mit einem Led-Zeppelin-Shirt zu einem unserer Auftritte und darüber kamen wir nach der Show ins Gespräch. Auch weil wir beide im Tierschutz engagiert sind, ist daraus eine echte Freundschaft entstanden. Dann hat Frank uns eingeladen und die beiden Auftritte in Haltern und in Gronau organisiert. Er arbeitet dort fürs "Rock?n?Popmuseum", da hat es sich angeboten, auch in Haltern zu spielen.

Bei dem strammen Programm als Berufsmusiker ist der Trip für euch also wirklich Arbeit.

Es ist Arbeit, aber es macht ja auch Spaß. Wir können Zeit mit Freunden und miteinander verbringen. Auf der Bühne machen wir gerne Quatsch, weil wir uns alle so mögen.

Ihr arbeitet alle auch einzeln in verschiedenen Konstellationen mit anderen Gruppen. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Das war lustig. Wir sind Teil eines großen Netzes an Musikern, mit denen wir arbeiten. In Lissabon gibt es eine Bar, die hat eine Band gesucht, die dort regelmäßig dreimal die Woche spielt. Durch gemeinsame Freunde wurden wir drei uns vorgestellt und treten jetzt dort auf.

Ich weiß noch, als wir uns vor zweieinhalb Jahren zum ersten Mal trafen: Da brachte ich Carlos eine Liste mit ungefähr 300 Songs und er war der einzige Musiker, der keine Angst vor dem Programm hatte. Wir hatten tatsächlich nur eine einzige Probe - und bis heute hat unsere Gruppe übrigens keinen Namen. Ich möchte mit meinem Namen da auch gar nicht im Mittelpunkt stehen. Diese Shows jetzt sind übrigens unsere ersten internationalen Auftritte als Trio. Auch wenn jeder von uns schon mit großen Bands gespielt hat.

Welche Musikrichtungen spielt ihr überhaupt?

Wir spielen alles, was die Leute hören möchten. Vor einem Auftritt können wir das nie sagen. Wenn wir ein Lied im Radio gehört haben und es halbwegs kennen, dann versuchen wir, das zu spielen. Wir haben auch eigene Stücke. Im Moment haben wir etwa 800 Songs der verschiedensten Richtungen in petto.

Könnt ihr euch auf eine Lieblingsband einigen?

Ach, wir mögen alles. Wir sind einfach Musikfans. Ich komme tatsächlich ursprünglich vom Heavy Metal. Pantera fand ich immer super. Mein größter Auftritt war als Background-Sängerin beim Hellfest-Festival in Frankreich. Da waren auf jeden Fall Tausende Leute, da wurde mir wirklich flau im Magen. Als Zuschauerin war ich auf so vielen tollen Konzerten, von Pink Floyd, Metallica oder von Prince. Aber kleine Shows finde ich oft viel schöner, wenn Musiker und Zuschauer miteinander reden können.

Viele Menschen verbinden portugiesische Musik mit dem melancholischen Fado.

Wir mögen es zwar fröhlicher, wir können aber auch etwas Fado spielen. In Portugal gibt es aber viel mehr; gute Bands mit Funk- oder Soulmusik, auch Rock'n'Roll. Fado ist aber auch wunderschön und in Lissabon gerade sehr beliebt. Wir sind aber mehr für die Partymusik zuständig und wollen die Leute zum Tanzen bringen.

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