Landgericht

Bewährungsstrafe für 25-jährigen Halterner nach Ausraster im Alkoholrausch

HALTERN/ESSEN - Die Tat passierte ohne Vorwarnung: Im April 2017 hat ein 25-jähriger Mann aus Haltern einen 80-jährigen Radfahrer auf die Straße geschubst. Jetzt bekam er vom Landgericht eine Bewährungsstrafe.

Das Amtsgericht Marl hatte den 25-Jährigen im März zu einer Geldstrafe von 4000 Euro verurteilt. Damit wollte sich die Staatsanwaltschaft jedoch nicht abfinden. Sie hatte Berufung eingelegt - und das mit Erfolg. In der zweiten Instanz wurde der Berufskraftfahrer aus Haltern am Donnerstag zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. "Sie waren in einer aggressiven Grundstimmung und sind einfach ausgerastet", sagte Richterin Luise Nünning bei der Urteilsverkündung.

Der Angeklagte hatte die ganze Nacht mit Freunden gefeiert. Er trank Bier und wohl auch ein paar "Kurze", wie er den Richtern erklärte. So genau wisse er das aber nicht mehr. Gegen sechs Uhr morgens hatte er sich schließlich auf dem Heimweg gemacht.

"Ich wollte Brötchen holen"

Der Radfahrer war ihm auf dem Nordwall entgegengekommen. "Ich wollte Brötchen holen", sagte der 80-Jährige den Richtern. Er war mit seinem E-Bike auf dem rot markierten Radweg unterwegs, der Angeklagte kaum ihm auf dem grau markierten Gehweg entgegen. "Er hatte die Kapuze ins Gesicht gezogen und lief gebückt", so der Radfahrer. Nach eigener Schätzung war er damals mit Tempo 20 oder 25 unterwegs, eine Gefahr witterte er nicht.

Doch dann passierte das Unfassbare. Kaum war er auf der Höhe des Fußgängers wurde er vom Rad gestoßen - direkt auf die Fahrbahn. Der 80-Jährige zog sich eine blutende Kopfplatzwunde zu, dazu Schürfwunden und eine Schulterprellung. Dass er nicht schwerer verletzt worden ist, war reines Glück, hieß es im Urteil.

"Ich kann mir das selbst nicht erklären"

Ein Autofahrer hatte damals sofort angehalten und dem Rentner geholfen. Der Täter hatte sich da schon aus dem Staub gemacht. Es war allerdings nicht der einzige Ausraster des 25-Jährigen in dieser Nacht. Später warf er auch noch einen Ziegelstein durch das Heckfester des Autos seines Nachbarn. Warum? "Ich kann mir das selbst nicht erklären", sagte der im Prozess. "Ich hatte einen Filmriss, ich kann mich nicht mal mehr erinnern, wie ich nach Hause gekommen bin."

Das Urteil lautet auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Körperverletzung und Sachbeschädigung. "Die Tat ist rechtlich genauso zu bewerten, wie ein Steinwurf auf eine Straße", so Richterin Nünning. Eigentlich hätten die Richter auch noch ein Fahrverbot verhängen können. Davon sahen sie jedoch ab. Um dem Angeklagten die Zukunft als Lkw-Fahrer nicht zu verbauen.

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