Mutmaßliche Komplizin von Bettengeschäft-Räuber vor Gericht

"Ich glaube, er wollte sich nur rächen"

HALTERN/ESSEN - Vor dem Essener Landgericht muss sich seit Freitag eine 42-jährige Mutter verantworten. Sie soll einen Bekannten bei sechs Raubüberfällen unterstützt haben. Es bestehen jedoch Zweifel an ihrer Mittäterschaft.

Eine fünffache Mutter steht unter Verdacht, die Komplizin eines Serienräubers gewesen zu sein. Sie selbst beteuerte zum Prozessauftakt jedoch ihre Unschuld.

Dass die 42-Jährige überhaupt auf der Anklagebank sitzt, hat sie ihrem Ex-Freund zu verdanken. Der war im Mai 2017 nach einer Serie von Raubüberfällen in Haltern, Dorsten und Marl zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Kurz vorher hatte er den Richtern allerdings noch seine mutmaßliche Mittäterin genannt. Die 42-jährige Frau aus Marl war daraufhin sofort festgenommen worden und saß rund sechs Wochen in Untersuchungshaft. Danach war der Haftbefehl aufgehoben worden - wegen mangelnden Tatverdachts.

"Fressnapf"-Räuber über Internet kennengelernt

Zum Prozess kam es nun aber trotzdem. Die Angeklagte hatte den sogenannten "Fressnapf-Räuber" über eine Partnerbörse im Internet kennengelernt. Eine echte Beziehung ist daraus aber wohl nie entstanden. Am Ende war man im Streit auseinandergegangen. "Ich glaube, er wollte sich nur rächen", sagte die 42-Jährige den Richtern am Essener Landgericht. "Deshalb hat er meinen Namen genannt."

Laut Anklage soll die Mutter aus Marl bei allen sechs Raubüberfällen dabei gewesen sein. Auch am 9. August 2016, bei einem Überfall auf ein Bettengeschäft an der Münsterstraße in Haltern. Dort waren laut Anklage rund 2000 Euro erbeutet worden.

Dass der Täter eine Komplizin hat, stand immer fest. Gleich mehrere Zeugen hatten von einer Frau berichtet, die entweder in der Nähe war oder den Fluchtwagen gefahren hat. Außerdem gibt es Aufzeichnungen von Überwachungskameras. Das Problem ist jedoch, dass viele der Beschreibungen und Fotos in Sachen Gewicht und Größe nicht zu der Angeklagten passen.

Außerdem ist ihre eigene Schwester stellvertretende Geschäftsleiterin in einem Marler Supermarkt, der ebenfalls überfallen worden ist. "Die hätte mich doch sofort erkannt", sagte die 42-Jährige im Prozess.

"Wenn man jemanden aus dem Hut zaubern muss, ist das möglich"

Dass ihr Bekannter sie zu Unrecht belastet hat, hält auch die 16. Strafkammer für nicht ausgeschlossen. "Wenn man jemanden aus dem Hut zaubern muss, um einen Strafrabatt zu bekommen, ist das möglich", so der Richter. Vor allem, wenn man in der Beziehung vorher "abserviert" worden sei.

Ob die 42-Jährige verurteilt wird, wird am Ende wohl von Zeugenaussage des verurteilten Täters abhängen. Dessen Vernehmung ist allerdings erst für einen späteren Zeitpunkt geplant.

Die Beute aus den sechs Überfällen soll sich auf rund 20.000 Euro belaufen haben.

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