Nach Kritik am NRW-Standard

Hinter den Kulissen der Halterner Schulmensa

HALTERN - Das Essen in den Schulmensen des Landes ist in die Kritik geraten. Ist es frisch und ausgewogen genug? Wie schwer es ist, allen Anforderungen gerecht zu werden, zeigt ein Besuch in der Halterner Schulkantine.

Wir haben uns am Mittwoch in Halterns Mensa am Schulzentrum umgesehen und auch Schüler gefragt, wie zufrieden sie mit dem Angebot sind. Unsere Gesprächspartner äußerten sich überwiegend positiv über die Einrichtung. "Ich finde es hier ganz lecker", sagt beispielsweise Melina (11). Ihre gleichaltrige Freundin Lara bemängelt lediglich, dass man manches Essen nicht mehr bekommt, wenn man es zu kurzfristig bestellt. Fynn (11) schließt sich Melina an, findet aber, dass "die Gerichte für 1,50 Euro" (der Mittagssnack) besser sein könnten.

Für Kay Esser, den Leiter der Mensa im Auftrag des Caritasverbandes Haltern, und sein Team ist es nicht leicht, für alle Schüler den richtigen Geschmack zu treffen. Das Essen soll nicht nur gesund und schmackhaft sein, optisch überzeugen und bei Kindern gut ankommen, es muss auch noch günstig auf den Tisch kommen. 3,50 Euro kostet das Mittagsmenü in der Halterner Schulkantine, Mineralwasser und Dessert inbegriffen. Nach allen Erfahrungen liegt der Betrag an der Schmerzgrenze, mit der das elterliche Portemonnaie täglich belastet werden kann. Ein höherer Betrag ließe sich nur schwer durchsetzen, auch wenn die Speisen dann hochwertiger ausfallen könnten.

Zwischen 200 und 275 Kinder nehmen jede Woche an der Mittagsmahlzeit in der Mensa teil, informiert Michael Ritterbach vom Jugendamt. Hinzu kommen 50 bis 70 Tagesmenüs pro Woche, die als kleiner Mittagsimbiss angeboten werden. Angesichts der über 2000 Schüler im Schulzentrum ist das nicht wirklich viel. Allerdings wird die Einrichtung immer nur wechselweise vom Gymnasium und der Realschule genutzt, montags und mittwochs von der Realschule, dienstags und donnerstags vom Gymnasium. Außerdem ist die Mensa für die jüngeren Jahrgänge fünf bis sieben bestimmt und freitags kommen nur sehr wenige Schüler zum Essen.

Ab der siebten Klasse steht die Mensa mit ihrem Angebot in Konkurrenz zu den Dönerbuden, Bäckereien und Pizzerien in der Stadt. Schülern dieser Jahrgangsstufe ist es nämlich erlaubt, das Schulgelände zu verlassen. Offiziell dürfen sie zwar nur nach Hause, um eine Mahlzeit einzunehmen. Aber wer will es kontrollieren, wenn sie "den Reizen des Fastfoods erliegen?", fragt Michael Ritterbach. 2017 gab die Mensa 12.500 Mittagsmenüs und mehrere tausend Tagesessen aus. Mit diesen Zahlen ist die Stadt erst einmal zufrieden.

Kay Esser liegt es sehr am Herzen, dass den Schülern das Essen schmeckt und sie sich darüber hinaus auch in der Mensa wohlfühlen. "Sie dürfen auch ihre Mahlzeit mitbringen. Wir erwärmen sie auf Wunsch und sind froh über jedes Kind, dass seine Pause bei uns verbringt", sagt der Einrichtungsleiter. Dieses Anliegen entspricht dem Konzept der Stadt, nach dem die Mensa auch Treffpunkt und Sozialraum für die Schüler sein soll. Die Anlieferung als tiefgekühlte Variante und anschließende Erwärmung wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als akzeptabel bewertet. Natürlich geht nichts über die frisch gekochte Mahlzeit vor Ort, aber ein solches Modell würde das Preisniveau natürlich in die Höhe schrauben.

Das Essen wird zu Hause am Computer bestellt und mit einer Chipkarte bezahlt. Nur der Tagessnack, für den sich die Kinder erst an der Theke entscheiden, wird bar beglichen. Bis August 2015 wurde die Einrichtung vom Unternehmen Menüsa in Greven beliefert. Die Speisen wurden warm angeliefert und hätten dann meistens auch entsprechend geschmeckt. Nach dem langen Weg habe "der Brokkoli dann schon mal ein sattes Grau" gehabt, schmunzelt Kay Esser. Das Essen konnte also auch optisch meistens nicht überzeugen.

Menüzahlen sanken

Die DGE lehnt diese Art der Speisenherstellung und -anlieferung ab. Beim Endverbraucher kämen vor allem zu wenig Nährstoffe an. Bei den Halterner Kindern fand dieses Essen ebenfalls keine Zustimmung. Unter Menüsa sanken die Ausgabezahlen in der Mensa auf wöchentlich 100 Mahlzeiten. Das war zu wenig für die neue Einrichtung und die Stadt zog die Reißleine. Seitdem haben sich die Zahlen wieder verbessert. Die Essgewohnheiten, die von den Kindern mit in die Schulkantine gebracht werden, lassen Kay Esser und seine Mitarbeiter übrigens manchmal tief in die Familien blicken. Zu den Zitaten dieser Woche gehörten "Ich esse nichts Grünes" und "Was ist eine Lasagne?".

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