Nahtoderfahrungen

Hullernerin begegnete einem Engel

Haltern - Sabine Kalbus war dem Tode sehr nah und begegnete dann einem Engel. Er blieb bei ihr. Was manch einer als Spinnerei abtut, findet bei Medizinern Gehör.

Mit 18 Jahren ereilte Sabine Kalbus die Diagnose "Hirntumor". Halbseitig gelähmt, angeschlossen an medizinische Apparate und mit furchtbaren Schmerzen lag sie im Krankenhaus. "Ich wusste, dass ich die in Kürze geplante Operation nicht überleben würde", erzählt die Hullernerin, heute 52 Jahre alt, im Rückblick. "Mir war ständig übel, ich sah alles verschwommen, ich hörte wie durch Watte."

Dann hatte sie eine eigentlich unglaubliche Erscheinung: Sabine Kalbus spürte plötzlich irgendetwas in ihrem Krankenzimmer. Da war "eine tiefe Ruhe und Wärme." Plötzlich habe sie alles klar erkennen können. "Ein Licht füllte den Raum, so schön, so warm, ein Engel stand vor meinem Bett." In dem Moment habe sie keine Schmerzen mehr gespürt, nur noch Liebe und einen absoluten Frieden. Die damals 18-Jährige wünschte sich, von dem Engel mitgenommen zu werden - "so sehr genoss ich das Gefühl, dass der himmlische Bote in mir auslöste". Doch diesen Wunsch konnte ihr der Engel noch nicht erfüllen. "Zu früh, meinte er", beschreibt Sabine Kalbus das Erlebnis. "Stattdessen versprach er mir, dass ich gesund und es keine Operation geben wird." Bei den abschließenden Untersuchungen vor der geplanten Operation war der fingergroße Tumor schließlich verschwunden. Sabine Kalbus war geheilt. "Seitdem habe ich einen himmlischen Begleiter, der mich beschützt."

Diese Erfahrung hat das Leben der Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann ein Unternehmen in Marl führt, nachhaltig verändert. Sabine Kalbus tritt zunächst einer Selbhilfegruppe bei, die sich mit Nahtoderfahrungen (NTE) auseinandersetzt. "Es war gut zu spüren, dass ich nicht allein solche Erlebnisse hatte." Sabine Kalbus weiß um die Zweifel, die die Menschen beim Thema Engel haben. "Dabei hat jedes Lebewesen einen Engel oder ein Lichtwesen", ist sie sich sicher.

Extreme VeränderungenDavon weiß auch Heidrun Seibüchler-Engec zu berichten. Die Ostbevernerin ist Notfallärztin, Intensiv- und Anästhesie-Medizinerin. "Seit 40 Jahren können wir reanimieren", sagt Seibüchler-Engec. Seitdem auch gebe es immer mehr Berichte über Nahtoderfahrungen, auch die Zahl der Forschungsberichte steige. Das Typische an den Nahtoderfahrungen sei, dass das Erlebte präzise und völlig real im Gedächtnis bleibe - ganz anders als ein Traum. Betroffene würden sich zudem sehr verändern. Heidrun Seibüchler-Engec hat viele Berichte von Menschen, die lebensbedrohliche Situationen überlebten, gehört. Allen ist eines gemeinsam: "Wenn sich ein Mensch durch das Erlebte extrem verändert, ist es ein Zeichen für eine Nahtoderfahrung", erklärt die Ärztin. Mit einem Vorurteil allerdings räumt sie auf: "Engel haben keine Flügel." Es seien Lichtgestalten, umgeben von unzähligen Lichtpunkten. Auch der Engel von Sabine Kalbus hat keine Flügel. Und keinen Namen.

Sabine Kalbus ist gottesgläubig. Missionieren will sie nicht. Nicht mit ihren Erfahrungsberichten und nicht mit ihrem kürzlich erschienenen Buch "So nah am Licht", in dem sie das Erlebte verarbeitet. Viel zu oft sei sie kritisch beäugt oder für wunderlich gehalten worden. "Letztlich aber steht es doch jedem Menschen zu, an das zu glauben, was er für richtig hält", sagt die Mutter einer 25-jährigen Tochter.

AchtsamkeitNur eines, das wünscht sie sich ganz besonders: Dass die Menschen darüber nachdenken, wie sie mit sich, mit der Natur, mit den Lebewesen umgehen. "Ich bin so dankbar", sagt Sabine Kalbus. "Die Natur, die Luft, der Sonnenschein, das Leben - all´das ist uns geschenkt worden, es ist völlig umsonst - wir sollten es viel mehr achten und sorgsamer damit umgehen."

Wenn Sabine Kalbus von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen erzählt, dann lacht sie, dann freut sie sich, dann wirkt sie ganz entspannt, dann ist sie einfach glücklich.

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