Nazi-Bau in Haltern

Exklusiver Einblick in den Bunker auf der Helenenhöhe

HALTERN - Dr. Alfred Meyer, Gauleiter der NSDAP, ließ sich auf der Halterner Helenenhöhe eine Bunkeranlage einrichten. Kaum jemand kennt den geheimnisvollen Ort. Wir durften einen Blick in eine verborgene Welt werfen und lassen Sie in unserer Fotostrecke teilhaben.

Seit mehr als 20 Jahren ist die Gaststätte Helenenhöhe geschlossen. Dass unter ihr ein Stollen mit befestigtem Bunker liegt, weiß nur noch die ältere Generation. Heimatforscher Uli Backmann schrieb darüber im Halterner Jahrbuch 2013. So berichtet er, dass der Bauunternehmer Josef Dickerhoff 1933 das Ausflugslokal Helenenhöhe in Holzbauweise erbaut und nach seiner Frau Helene benannt hat.

Jüngst sorgte die Helenenhöhe und der alte Bunker für Gesprächsstoff, als Jugendliche dort ihre Spielchen trieben. Eigentümer Hans-Joachim Doctor stellte gegenüber der Halterner Zeitung klar, dass schon das Betreten des Grundstückes verboten sei. Den Eingang des Bunkers mauerte er deshalb zu. Älteren Mitbürgern ist das Areal am Fuße des Treckebergs durchaus ein Begriff. So auch Maria Jeffré (83). "Mein Vater Bernhard hat als Bergmann 1943 beim Bunkerbau auf dem Annaberg mitgearbeitet, einem mit Holzstempeln und Schalbrettern abgestützten Ausbau eines Stollens.

Als auf der Helenenhöhe für den Gauleiter Westfalen-Nord, Dr. Alfred Meyer, ein Befehlsstand mit Fluchtburg errichtet werden sollte, wurde auch mein Vater von der Organisation Todt zur Mitarbeit verpflichtet", erinnert sich Maria Jeffré an ihre Kinderzeit und Besuche an der Baustelle. Die damals Neunjährige sagt heute: "Die schweren Arbeiten mussten Zwangsarbeiter übernehmen. Sie schleppten Steine und gossen Beton, um einen Bunker in den Berg zu bauen. Diese Männer lebten an der Lavesumer Straße in Baracken." Ob ihr Vater jemals Gauleiter Meyer dort gesehen hat, kann die 83-Jährige nicht sagen. Auch weiß sie nicht genau, ob der Bunker wirklich 116 Meter lang und mit fünf Nebenräumen jemals in geplanter Größe fertig wurde.

Begehbar war zuletzt ein etwa 70 Meter Rundbogengang. Er ist 2,50 Meter breit wie hoch, hat Ein- und Ausgang an beiden Enden. Der eigentliche Bunkerraum ist schon vor Jahren zugemauert worden. Überliefert ist, dass in den kleinen Räumen unter anderem Klappschränke für die Telefonvermittlung standen. Hier arbeiteten sogenannte Blitzmädchen. Hitlerjungen mussten Telefonkabel zwischen dem Bunker Helenenhöhe, dem Schloss Sythen und dem Hochbunker in Hullern verlegen.

Die schweren Luftangriffe am 3. Februar 1945 auf Haltern haben Dr. Meyer und sein Gaubefehlsstab bei guter Lebensmittelverpflegung im Bunker überstanden. Alliierte Tiefflieger hatten die Gau-Befehlsstelle Westfalen-Nord auf der Helenenhöhe angegriffen. Am 27. März 1945 floh der Gauleiter vor den anrückenden Alliierten aus Haltern. Hans- Joachim Doctor will die Helenenhöhe verkaufen. Er hat aktuell mehrere Bewerber für Grund und Boden, Gaststätte und Bunker. Eine zukünftige landwirtschaftliche Nutzung wird gewünscht; die Stadt würde das genehmigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Mehrere Autos stoßen in Marl zusammen – vier Verletzte
Mehrere Autos stoßen in Marl zusammen – vier Verletzte
Achtung, Autofahrer: Auf diesem Marler Parkplatz kann es jetzt richtig teuer werden
Achtung, Autofahrer: Auf diesem Marler Parkplatz kann es jetzt richtig teuer werden
Hebewerkbrücke: WSA begründet jetzt, warum es den Vertrag mit der Baufirma nicht kündigt
Hebewerkbrücke: WSA begründet jetzt, warum es den Vertrag mit der Baufirma nicht kündigt
Raubserie versetzte Oer-Erkenschwick in Angst - Täter stehen vor Gericht
Raubserie versetzte Oer-Erkenschwick in Angst - Täter stehen vor Gericht
Wieder Vorfall mit einem Exhibitionisten an einer Bushaltestelle in Herten
Wieder Vorfall mit einem Exhibitionisten an einer Bushaltestelle in Herten

Kommentare