"Saftwaage" anlegen

Obstbaum-Expertin gibt Tipps für Hobbygärtner

LAVESUM - Der Natur- und Vogelschutzverein beschneidet die Obstbäume in der Schultendille. Streuobstpädagogin Michaela Scheideler haben wir nach Tipps gefragt, welche Fehler Hobbygärtner im eigenen Garten vermeiden sollten.

Sie waren mit Leitern, Sägen und jeder Menge Schneidewerkzeugen angerückt: Die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Haltern und Umgebung trafen sich am Dienstag, um die Obstbäume im Naturschutzgebiet Schultendille zu beschneiden. "Das machen wir jeweils zu Jahresbeginn", sagt Vorsitzender Heinz Kalfhues. "In der kälteren Jahreszeit können weniger Keime in die Schnittstellen eindringen als im Sommer. Es gibt allerdings auch Untersuchungen, die den Sommerschnitt befürworten, wir bleiben aber zunächst bei der bisherigen Vorgehensweise."

Die Schultendille, ein Gebiet von zwölf Hektar, ist seit 1991 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. An diesem Standort hat sich eine für den Bereich der Hohen Mark einzigartige Quellsumpfvegetation entwickelt, in der äußerst seltene Pflanzenarten wie Orchideen des Knabenkrauts zuhause sind. "Die Obstbaumwiese bestand schon vorher und wurde vom hiesigen Obsthof genutzt. Wir haben in den letzten 30 Jahren nach und nach weitere Bäume vor allem mit alten Obstsorten angepflanzt", so Heinz Kalfhues. In diesem Jahr war der Natur- und Vogelschutzverein mit der Baumschnittaktion etwas in Verzug geraten: "Wir mussten wegen der Wildschweine, die die Wiesen immer wieder verwüstet haben, zunächst einen Zaun setzen", sagt Heinz Kalfhues.

Tipps zum fachgerechten Obstbaumschnitt holten sich die Mitglieder diesmal von einer Expertin: Michaela Scheideler gehört zu den Naturparkführern Hohe Mark und hat eine Zusatzqualifikation als Streuobstpädagogin absolviert. Unter anderem an Schulkassen und Erwachsenengruppen gibt sie ihr Wissen weiter.

"Wichtig ist, dass man bei älteren Bäumen nur noch einen behutsamen Gehölzschnitt vornimmt", sagt sie. "Bei jüngeren Bäumen in der Wachstumsphase sollte man darauf achten, eine Saftwaage anzulegen, also eine Stelle, von der etwa drei Hauptäste auf gleicher Höhe abzweigen, die dann alle gleich gut mit Wasser versorgt werden können." Verblüffend sei, dass ein Baum sich merke, bis zu welcher Höhe er das Wasser transportiert habe. Werde an einer Stelle ein Ast abgeschnitten, treibe er dort wieder neu aus. "Das haben wir in der Vergangenheit auch nicht immer alles richtig gemacht", gibt Heinz Kalfhues zu. "Vielleicht sollten wir uns bei den Bäumen für unsere Fehler entschuldigen."

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