Vor Schließung

Camper kommen auf dem Kreiszeltplatz ein letztes Mal zusammen

Sythen - Vor einem Jahr hatte der Kreis Recklinghausen beschlossen, den Kreiszeltplatz zu schließen.Die Camper verabschiedeten sich: mit einem Flohmarkt und einer Abschlussparty.

Ein rotes Tandemfahrrad für 20 Euro, ein UNO-Spiel und Thai-Suppenkonserven für einen Euro, für fünf Euro ein Bügelbrett: "Die Leute tragen uns die Sachen hier nur so raus, bei den Preisen", sagte Helga Nottebrock, ein Mitglied der "Brasserter Arbeit eG". Die Genossenschaft hatte sich jahrelang um den Kreisjugendzeltplatz am Stockwieser Damm gekümmert. Am Samstagnachmittag wollten Helga Nottebrock und ihr Ehemann Gerhard Schmidt, der Vorsitzende der Genossenschaft, mit einem kleinen Flohmarkt zurückgelassene Gegenstände loswerden.

Denn bald muss der Campingplatz komplett geräumt sein - so hat es der Kreis Recklinghausen, dem das Gelände gehört, vor etwa einem Jahr beschlossen. In diesem Jahr haben die Bewohner des Campingplatzes, die dort teils über Jahre hinweg ihre Sommermonate verbrachten, Abschied genommen und sich mit der Entscheidung des Kreises abgefunden.

"Einfach fällt es trotzdem nicht leicht"

"Einfach fällt es trotzdem nicht leicht", sagte Helga Nottebrock. Sie und ihr Mann lebten zeitweise in einer Wohnung hinter dem Kassenhäuschen auf dem Gelände und waren der "Ordnungsfaktor auf dem Platz". In ihrer Fundkiste hatte sich über die Jahre Einiges angesammelt, was sie nun unter die Leute brachten.

Auf den Verkaufstischen stapelte sich Interieur aus Safarizelten oder Radlerhütten, die die Genossenschaft vermietet hatte. Haushaltsgeräte, Tassen, alte Zäune und auch das rote Tandem fanden schnell einen neuen Besitzer.

Der Schmerz beim Abschiednehmen sitzt tief

Nicht nur der Flohmarkt lockte am Samstag wieder mehr Menschen an den Stockwieser Damm, wo sonst allmählich immer weniger los war. "Ich dachte, vielleicht trifft man heute noch mal den einen oder anderen hier", sagte die ehemalige Camperin Tina Labude aus Velbert. Denn die Band "BuddyRock", die fast jedes Jahr auf dem Zeltplatz aufgetreten war, spielte am Abend für die Abschlussparty. "Aber viele kommen wahrscheinlich gar nicht erst, weil es einfach zu sehr schmerzt", vermutete Tina Labude.

Sie hatte ihre Sachen schon vor einem halben Jahr gepackt und den Zeltplatz verlassen. "Der Tag war schlimmer als heute - jetzt freue ich mich eigentlich, noch einmal hier zu sein." Mittlerweile hat Labude einen eigenen Garten und ist damit zufrieden. So ganz kann der den Campingplatz aber nicht ersetzen: "Hier hatte man das Miteinander. Der ganze Platz hatte irgendwie etwas, das kann ich gar nicht so genau beschreiben. Die Atmosphäre hier war einfach besonders."

Am Abend kamen 30 Gäste zum Abschlusskonzert.

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