Seniorenprojekt

Eigentümer will Wohnungen in Sythen verkaufen

Sythen - Die Stadt Haltern geht davon aus, dass die betreuten Wohnungen in Sythen nach wie vor sowohl zur Vermietung als auch zum Verkauf angeboten werden. Der neue Eigentümer aber hat eingeschränkte Pläne.

Die Alloheim-Seniorenresidenzen hat den Zuschlag für das Altenheim und das betreute Wohnen in Sythen unter der Voraussetzung von der Politik erhalten, dass beide Projekte zügig realisiert werden. Die Vergabe ist nun etwas mehr als drei Jahre her. Das Altenheim ist in Betrieb, aber der Baustart für die 35 geplanten betreuten Wohnungen ist noch immer nicht erfolgt. Das ist nicht die einzige Nachricht, die vom ursprünglichen Plan abweicht. Die Alloheim-Gruppe hat Grundstücke und Gebäude an die Viam - TSC Osmium in Berlin verkauft und ist nur noch Mieter des Altenheims.

Kontakt zum Eigentümer

Nach mehrfachen Versuchen gelang es der Redaktion am Mittwoch, mit dem neuen Eigentümer Kontakt aufzunehmen. Für die TSC Osmium erklärte Adriano Winkler, dass der Verkauf über das Modell einer Fondsgesellschaft abgewickelt worden sei. Weil eine ganze Reihe Regularien zu beachten seien, könne der Baustart für die betreuten Wohnungen erst in diesem Sommer erfolgen. "Wir werden aber weiterhin mit dem Architektenbüro Perner zusammenarbeiten und es bleibt auch bei dem geplanten Konzept", erklärte Winkler. Eine Vermietung der betreuten Wohnungen werde allerdings nicht angestrebt. "Wir planen eigentlich nur den Verkauf", sagte Winkler. Die Vermarktung solle die Stadtsparkasse Haltern übernehmen, zu der man schon Kontakt aufgenommen habe. Das Projekt werde aber in keinem Fall zum Spekulationsobjekt. Die Bürger in Haltern sollten sich keine Sorgen machen.

Pflichten bleiben erhalten

Die Stadt war in einer Stellungnahme an die Redaktion noch davon ausgegangen, "dass es bei den Äußerungen von Alloheim bleibt, Wohnungen sowohl zum Verkauf als auch zur Vermietung anzubieten." Auf die Frage, ob juristisch geprüft wurde, dass die TSC Osmium zum Bau der betreuten Wohnungen verpflichtet ist, erklärte die Stadtspitze: "Es sind alle Pflichten aus dem Vertrag zwischen Stadt und Alloheim auf den neuen Eigentümer übergangen. Deshalb bleibt es auch dabei, dass laut Städtebaulichem Vertrag der Betrieb des Altenheims und der Bau der Wohnungen vorgesehen sind." Auf die Fragen, warum der Baustart für die betreuten Wohnungen erst im Sommer erfolgen soll (Alloheim hatte ihn bereits für August 2017 angekündigt), und ob es dabei bleiben wird, dass Wohnungen sowohl zum Verkauf als auch zur Vermietung angeboten werden, antwortete die Stadt wie folgt: "Bisher hat es nur einen kurzen telefonischen Kontakt mit dem neuen Eigentümer gegeben. Jedoch hatten und haben wir Kontakt mit dem zuständigen Architekten. Von ihm haben wir einen konkreten Bauzeitenplan angefordert. Die Verzögerung des Baustarts hat nach seinen Angaben auch damit zu tun, dass die Grundbuchänderung noch nicht erfolgt ist.

Extremes Wachstum

Dass im Dezember 2017 auch die Alloheim-Gruppe an das private Finanzunternehmen Nordic Capital verkauft wurde, spielt aus Sicht der Stadt für die Halterner Situation eine untergeordnete Rolle. Es liege ein gültiger Mietvertrag für 25 Jahre zwischen Alloheim und TSC Osmium GmbH vor, nicht mit Nordic Capital.

Tatsächlich war Alloheim bereits in Besitz eines sogenannten Private Equity-Investors. Die Gruppe gehörte nämlich dem amerikanischen Riesen Carlyle. Dieser verkaufte nun seine Anteile von geschätzten 1,1 Milliarden Euro an den schwedischen Private-Equity-Investor Nordic Capital. Kapitalgeber bei diesem Finanzmodell sind Privatleute oder Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die sich spezialisiert haben. Das Unternehmen Nordic Capital mit Sitz im Steuerparadies Jersey und 115 Mitarbeitern ist breit aufgestellt. Es investiert in die Branchen, Gesundheit, Technologie, Finanzen, Industrie und Konsumgüter. Im Fall von Alloheim wurden die Konkurrenten im Bieterwettbewerb, der französische Pflegeheimbetreiber Domus Vi, der US-Investor Ares Capital und der chinesische Fosun Capital, ausgestochen. Nordic Capital soll betont haben, den bisherigen Wachstumskurs von Alloheim fortsetzen zu wollen. Schon unter Carlyle war die Gruppe auf mehr als 165 stationäre Einrichtungen, mehr als 50 Einrichtungen für das betreute Wohnen und 17 ambulante Pflegeeinrichtungen angewachsen. Die Bettenzahl stieg binnen weniger Jahre von 4000 auf 20.000 an, die Mitarbeiterzahl beträgt rund 15.500.

Kritik der Gewerkschaft

Von der Gewerkschaft Verdi wurden der Verkauf und das Wachstum in einer aktuellen Pressemitteilung kritisiert. Das enorme Wachstum von Alloheim führe nicht zu besseren Arbeits- und Pflegebedingungen. Mit der Betreuung im Sythener Altenheim durch die Leiterin Hildegard Tacke und ihr Team waren die neuen Bewohner und Angehörigen allerdings bisher sehr zufrieden. Dies wurde auch bei einem Besuch der Redaktion in der Einrichtung kurz vor Weihnachten deutlich.

Die Vergabe des Projekts Altenheim und betreutes Wohnen erfolgte im Herbst 2014 unter großem Zeitdruck. Dieser wurde damit begründet, dass man die Anwohner im Baugebiet nicht noch länger den Begleiterscheinungen eines so großen Bauvorhabens aussetzen könne. Schon im Vorfeld sprangen deshalb Mitbewerber wie die Recklinghäuser AWO aus, weil sie in der Kürze der Zeit kein Konzept erarbeiten konnten. Bei Bürgermeister Bodo Klimpel seien indes bisher keine direkten Beschwerden von Bürgern eingegangen, die sich über die Verzögerung des Baustarts zunächst für das Altenheim und nun für die 35 seniorengerechten Wohnungen beklagten, betonte die Pressestelle der Stadt. Es fragten aber immer wieder Halterner Bürger im Beratungs- und Informationscenter pflege (BIP) nach, wann das Betreute Wohnen in Sythen realisiert werde.

Keine Stellungnahme

Die Redaktion hat übrigens seit vergangener Woche mehrfach versucht, mit dem Ausschussvorsitzenden des Stadtentwicklungsausschusses, Manfred Ernst (CDU), Kontakt aufzunehmen. Er hatte damals die Vergabe an die Alloheim-Gruppe befürwortet, war aber für eine Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen nicht zu erreichen.

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