Sexuelle Belästigung

"Luisa" ist nicht in Haltern - Übernahme der Kampagne nicht möglich

Die Kampagne "Luisa ist hier!" soll sexuelle Belästigung verhindern und ist bereits in zahlreichen deutschen Städten angekommen. In Haltern ist die Aktion allerdings vorerst nicht umsetzbar.

"Es ist eigentlich eine tolle Kampagne", sagt Franziska Steverding-Waterkamp, Gleichstellungsbeauftragte in Haltern. Vom Kreis Recklinghausen könne die Kampagne, die vom Frauennotruf in Münster ins Leben gerufen wurde, allerdings nicht adaptiert werden. Das haben beim "Runden Tisch gegen Gewalt an Frauen" Vertreter von Polizei, Frauenberatungsstellen und Gleichstellungsbeauftragte der Kreisstädte entschieden. Somit kommt die Kampagne auch nicht nach Haltern.

Das Prinzip ist folgendes: Bedrängte Frauen haben die Möglichkeit, sich in einem Club oder Restaurant mit der Frage "Ist Luisa hier?" an das Thekenpersonal zu wenden und somit Hilfe in ihrer Situation zu erhalten. Anschließend führt das Personal die Betroffene in ein ruhiges Zimmer, wo sie sich zurückziehen und anschließend selbst entscheiden kann, ob sie telefonieren, nach Hause oder einfach nur eine kurze Pause möchte (wir berichteten).

Stellen sind bereits ausgelastet

Doch in Haltern wird es das, zumindest zunächst, nicht geben. "Dabei scheitert es nicht am Wollen, sondern schlichtweg an den personellen Kapazitäten, die für dieses Projekt nötig wären", so Steverding-Waterkamp. "Die Umsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes umfasst schon einen großen Teil der Aufgaben und nimmt damit einen großen Teil der Zeit in Anspruch", so Steverding-Waterkamp. "Zudem sind in kleineren Kreisstädten die Gleichstellungsstellen meist nur halbtags besetzt." Die Gleichstellungsbeauftragte wäre also mit dieser zusätzlichen Aufgabe überlastet.

Dabei hätten Halterner Gastronomen durchaus Interesse an der Umsetzung der Kampagne. Jörg Marten vom Lakeside Inn und Helmut Kuchel vom Treibsand könnten sich "gut vorstellen, dort mitzumachen".

Expertise muss gewährleistet werden

Doch ohne Frauenberatungsstellen und Personalschulungen geht es eben nicht, erklärt Lea Goetz von der Koordinierungsstelle des Projektes: "Aufgrund der vorhandenen Expertise müssen Frauenberatungsstellen oder -notrufe an der Umsetzung der Kampagne beteiligt sein."

Der Kreis Recklinghausen hat auf der einen Seite deutschlandweit die höchste Bevölkerungsdichte - dem stehen auf der anderen Seite jedoch lediglich drei Frauenberatungsstellen in Marl, Gladbeck und Recklinghausen gegenüber, "was eine kreisweite Umsetzung schwierig macht", sagt Steverding-Waterkamp.

Bei der Umsetzung hätten die Beratungsstellen weitestgehend freie Hand. "Wir geben zwar kein genaues Konzept zur Umsetzung vor, Frauenberatungsstellen müssen aber mit im Boot sein. Ob sie die Kampagne dann federführend umsetzen, liegt an den Frauenberatungsstellen selbst", sagt Goetz.

Schlechte Erfahrungen bei Versuchen mit Ehrenämtern

Zwar gab es in der Vergangenheit bereits Versuche, das Projekt durch ehrenamtliche Mitarbeit einzuführen, "dabei haben wir allerdings schlechte Erfahrungen gemacht, weshalb wir künftig davon absehen", sagt Goetz.

In anderen Städten und Kreisen zeichnen sich zum Teil Gastronomieverbände für die Kampagne verantwortlich. "Aber auch dort beginnt die Arbeit bei den Frauenberatungsstellen, die dann Multiplikationsschulungen durchführen, sodass die beteiligten Verbände das Wissen weitergeben können." Dies sei allerdings keine optimale Lösung, "da von Schulung zu Schulung einfach Fachwissen verloren geht", erklärt Goetz. Demnach sei es zwar möglich, dass die Beratungsstellen ihren Arbeitsaufwand ein wenig verringern - ganz ohne sei es aber nicht möglich.

Kampagne ist bisher nur in Recklinghausen angekommen

In Recklinghausen wird die Kampagne zwar bereits seit Ende 2017 umgesetzt - dies sei jedoch nur möglich, da die Stadt über eine vom Land NRW bezuschusste Präventionsstelle verfügt, die sich um solche Projekte kümmern kann. In Haltern fehlt eine solche Stelle - und somit auch das Personal, "um die Kampagne entsprechend zu etablieren und voranzutreiben", sagt Steverding-Waterkamp.

Zudem habe man in Recklinghausen die Erfahrung gemacht, dass es "eine sehr arbeits- und zeitintensive Kampagne" sei, sagt Ria Mester von der dortigen Frauenberatungsstelle: "Wir haben uns daher entschieden, 'Luisa' nicht auf den gesamten Kreis auszudehnen, da die anfallenden Aufgaben einen zu großen Aufwand darstellen würden."

Personalschulungen machen den Großteil der Arbeit aus

Insbesondere die Schulung des Personals der teilnehmenden Lokalitäten durch die Frauenberatungsstellen nehme viel Zeit in Anspruch. "Hinzu kommt, dass das Personal in der Gastronomie häufig wechselt und Schulungen daher regelmäßig durchgeführt werden müssten", so Mester. Und dies solle man eben "nicht komplett den Gastronomen überlassen", sagt Goetz.

Eine weitere Aufgabe der Frauenberatungsstellen sei es außerdem, Plakate und Aufkleber, die auf die Aktion aufmerksam machen, zu drucken, zu verteilen und regelmäßg zu überprüfen. "Es sind einfach kontinuierliche Verpflichtungen, die wir in diesem Ausmaß nicht leisten können", erklärt Mester.

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