Streuobstwiese

Der richtige Sommer-Schnitt lässt Obstbäume besser gedeihen

Haltern - Streuobstwiesen tragen erheblich zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Damit die Obstbäume kräftig wachsen und eine gute Ernte bringen, müssen sie geschnitten werden. Aber wie geht das?

Im Rahmen des Streuobstwiesenprojekts des NABU NRW folgten am Samstag zehn interessierte Gäste der Einladung von Carola de Marco (NABU Haltern) zum Unterricht am Hellweg. Unter der fachgerechten Anleitung des Wuppertaler "Baumspezialisten" Markus Rotzal lernten die künftigen Baumpfleger auf der Streuobstwiese, wie man mit dem "Sommerschnitt" Obstbäumen zu einem besseren, kräftigen Wuchs verhelfen kann.

Dadurch wird zwar das aktuelle Fruchtvolumen reduziert, aber die restlichen Früchte reifen danach schöner aus. "Warum schneiden wir denn heute dem Baum die Äpfel ab?", war die spontane Frage aus der Runde, als Rotzal den ersten, mit vielen Äpfeln behangenen Ast kappte. Er lachte: "Jetzt kann der Baum das noch am besten verkraften. Er steht noch voll im Saft." Damit war er mitten im Thema, schwang sich auf die Leiter und zeigte allen, worauf es ankommt.

Pyramidenform

Der Baum sollte vom Stamm bis zur Spitze in etwa eine Pyramidenform bilden. Drei bis vier "Leitäste" bilden dabei ein Grundgerüst, und nach innen wachsende Äste werden ausgeschnitten. Gleiches passiert auch mit den Ästen, die in Konkurrenz zum Hauptstamm stehen. Die kleinen verzweigten Neutriebe nennt Rotzal "Wasserreißer", und reißt diese auch gleich mit einem kräftigen Ruck von Hand ab. "Damit verhindern wir den sofortigen Neuaustrieb", erläutert er und nimmt sich danach auch die etwas dickeren, steil nach oben ragenden Äste vor.

In Ruhe vernarben

Auch dabei soll man gezielt vorgehen und beim Schnitt immer etwas Ast stehen lassen, der dann in Ruhe "vernarben" kann. Etwa 30 Prozent des Baumvolumens kann bei dieser Maßnahme herausgeschnitten werden, und dabei soll man auch immer das Verhältnis von Baum und Wurzelwerk im Auge behalten. Denn zu viel auf einmal würde dem Baum sein natürliches Gleichgewicht rauben. Die Schnittstellen heilen auf natürliche Weise aus. Mit dem Sommerschnitt werden hauptsächlich überzählige Zweige, die mit ihren Blättern Früchte beschatten und für den weiteren Baumaufbau nicht mehr benötigt werden, entfernt. Dadurch verringert sich der Pilzbefall, da Krone und Blätter jetzt besser belüftet werden und so nach Regenfällen schneller trocknen.

"Auf jeden Schnitt folgt immer auch eine Reaktion des Baums" erklärte Rotzal und ermutigte die Teilnehmer, mit Astschere und Säge auch selbst Hand an zu legen.

Sehr praxisbezogen

Teilnehmer Nicolas Glünz aus Münster folgte dieser Aufforderung gerne: "Das passt, hier wird uns alles genau erklärt." Martina Weber aus Haltern hat die gesamte Seminarreihe gebucht und sagte: "Das ist hier sehr praxisbezogen und gefällt mir gut."

De Marco erklärte: "Wir wollen durch diese Aktion dazu beitragen, dass der Kultur- und Lebensraum Streuobstwiese erhalten bleibt." Sie freute sich auch über die Unterstützung des Natur- und Vogelschutzvereins Haltern, deren Vorsitzender Heinz Kalfhues ebenfalls mit Säge und Astschere mitwirkte.

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