Supersommer

Die Gewinner und die Verlierer der tropischen Hitze in Haltern am See

Haltern - Die einen machen Ferien und rekeln sich entspannt am Wasser, die anderen müssen arbeiten und die Wirtschaft in Gang halten. Wir haben uns nach Gewinnern und Verlierern der Hitze umgeschaut.

Der Sommer 2018 erinnert stark an die Hitzewelle 1976: Sie galt als eine der markantesten des vergangenen Jahrhunderts. Es war ex-trem trocken, mehr als zwei Wochen am Stück zeigte das Thermometer 30 Grad Celsius und mehr. Autos zu waschen, war auch in Haltern streng verboten. Ähnliches wiederholte sich 2003. Zwar gab es nicht so viele Hitzetage in Folge wie 1976, aber dafür war es von Frühjahr bis Mitte August deutlich zu warm und zu trocken.

Nun ist es seit dem Siebenschläfertag am 27. Juni heiß, heißer und noch heißer. Des einen Freud ist des anderen Leid: Die einen machen Sommerferien und rekeln sich entspannt am Wasser, die anderen müssen arbeiten und die Wirtschaft in Gang halten. Die einen verkraften die Arbeit gut, die anderen schleppen sich durch die Stunden. Sonnenanbeter schlecken vergnügt ein Eis, während weniger Hitze-Beständige müde, unkonzentriert und bisweilen gereizt sind. Entwarnung gibt es für die Leidgeplagten nicht: Ein Wetterumschwung ist in Haltern und sonst wo vor dem 4. August nicht zu erwarten. Bei 37 Grad Hitze haben wir uns beispielhaft in Haltern nach Gewinnern und Verlierern umgeschaut.

Freibad schreibt schwarze Zahlen

Ab ins Freibad! Das ist die ultimative Lösung, um der Hitze zu entkommen. Die Bäderabteilung der Stadtwerke Haltern strahlt mit der Sonne um die Wette: Seit dem 26. Juli arbeitet sie im schwarzen Bereich. Denn bis dahin kamen seit Eröffnung im Mai 33.556 Gäste ins Freibad. Zum Vergleich: In der Badesaison 2017 zählte das Freibad insgesamt (!) 30.986 Besucher. Deshalb darf es mit dem Wetter ruhig so weitergehen. Im Schnitt suchen täglich zwischen 1800 und 2000 Menschen Abkühlung im Wasser.

Die besten Durschlöscher

Die Getränkehändler wie der Getränkemarkt Prostan der Straße "Krumme Meer" sind mit dem Geschäft der vergangenen Wochen sehr zufrieden. Dass gerade mehr eingekauft werde, hänge auch mit den vielen Festen während der Sommermonate zusammen. Aber natürlich ist die Hitze zusätzlich umsatzfördernd. Von Wasser bis Bier wird alles in großen Mengen getrunken. Die besten Durstlöscher, so heißt es aus dem Getränkemarkt Prost, seien Mineralwasser mit wenig Kohlensäure und Zitronensprudel.

Wasserduschen im Freizeitpark

Kontinuierlich guten Besuch verzeichnet der Lavesumer Freizeitpark Ketteler Hof. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Besucherzahlen im Vergleich zum vergangenen Jahr um zehn Prozent steigen werden. Die Hitze ist im Park gut erträglich: Wassersprenger für die Beete werden so aufgebaut, dass auch die Gäste etwas von der Erfrischung haben. Außerdem sorgen Sonnensegel und der zum Park gehörende Wald für ausreichenden Schatten. Ständiger Nachschub an Eis und Getränken statt Pommes und Kuchen ist erforderlich.

Sonnenschutz für Dachdecker

Die Dachdecker schuften Open-Air bei praller Sonne. Die Mitarbeiter der Firma Overhaus beginnen ihre Arbeitstage jetzt bereits um 6 Uhr. Die Firma spendiert Getränke und Sonnenschutzmittel und legt das Tragen von körperbedeckender Kleidung zum Schutz vor der Strahlung ans Herz. "Wir stellen außerdem unseren Mitarbeitern frei, früher Feierabend zu machen, wenn sie durch die Hitze überanstrengt sind", sagt Dachdeckermeister Markus Krüger. Ansonsten gilt: Die Auftragsbücher sind voll, die Aufträge müssen erledigt werden.

Überhitzte Gewächshäuser

In der Hullerner Gärtnerei Schwalvenberg leiden nicht nur die Pflanzen unter der Hitze, auch die Gärtner selber. In den Gewächshäusern ist kaum noch ein Arbeiten möglich, sagt Eugen Schwalvenberg. "Die Arbeit wird zu einer extremen Herausforderung." Um der Hitze ein wenig zu entkommen, startet der Tag in der Gärtnerei zurzeit um 5 Uhr in der Frühe. Vorübergehend schließt die Gärtnerei dafür um 16 Uhr. Viel Zeit kostet aktuell die Pflege: Die Pflanzen müssen kräftig gegossen werden, damit sie nicht vertrocknen.

Tiere werden träge

Der Leiter des Naturwildparks Granat, Holger Beckmann, hat einen Wunsch: "Es dürfte ruhig mal wieder zwei Tage regnen." Denn die Wiesen sind vertrocknet, er braucht deshalb zurzeit mehr zugekauftes Futter. Wasser für die Tiere ist immer da, dafür sorgen automatische Tränken. Hirsche, Wölfe & Co suchen sich jetzt schattige Plätze und verdösen träge die Tage. Trotz der hohen Temperaturen ist Holger Beckmann bisher mit den Besucherzahlen zufrieden, nur an den besonders heißen Tagen wie jetzt wird es deutlich ruhiger.

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