Unterschriftensammlung

In allen Halterner Gottesdiensten finden am Wochenende Unterschriftensammlungen statt

Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge wird in zentralen Unterbringungseinrichtungen unmöglich gemacht, befürchtet der Asylkreis. Dagegen werden in den Kirchen Unterschriften gesammelt.

"In diesen Lagern wird die Menschenwürde eingeschränkt und das darf nicht sein!", sagt Norbert Becker, Mitglied im Asylkreis Haltern. Gemeinsam mit der katholischen und der evangelischen Kirche in Haltern organisiert der Asylkreis am Wochenende eine Unterschriftensammlung in allen Halterner Gottesdiensten. Damit soll auf die Probleme bei der Unterbringung von Flüchtlingen in sogenannten "Ankerzentren" aufmerksam gemacht werden, die in Nordrhein-Westfalen "Zentrale Unterbringungseinrichtungen" (ZUE) heißen.

In Haltern funktioniert die Beratung und Betreuung von Flüchtlingen gerade auf ehrenamtlicher Basis seit Langem gut. 130 Flüchtlinge und ihre Familien werden hier von Paten betreut, die ihnen bei der Bewältigung der Alltagsprobleme und der schrittweisen Integration hilfreich zur Seite stehen.

Spontane Besuche in den Einrichtungen sind nicht mehr möglich

Genau das wird in den neuen zentralen Einrichtungen nicht mehr möglich sein, befürchten die Organisatoren der Unterschriftenaktion. Wer dort hinein will, muss das bei der Bezirksregierung beantragen, das dauert in der Regel zwei Monate. "Polizeiliches Führungszeugnis und andere Unterlagen sind notwendig", sagt David Schütz vom Caritasverband Haltern. "Erfahrungsberichte belegen, dass es nicht möglich ist, spontan Kontakt zu den Bewohnern solcher Unterkünfte zu bekommen, wie es sie zum Beispiel in Ibbenbüren schon gibt und wie sie in Dorsten und Marl entstehen sollen. Dolmetscher, ehrenamtliche Sprachlehrer, Anwälte, niemand bekommt spontan Zugang."

Es gebe eine 24-Stunden-Security-Überwachung, alle Bewohner bekämen ein Essen und hätten kaum Möglichkeiten, Kontakte zur Außenwelt aufzubauen. "Dass es in diesen Einrichtungen zu Konflikten kommt, ist nicht verwunderlich", so David Schütz. "Zwar ist das Ziel, die Asylverfahren zu beschleunigen, durchaus sinnvoll, aber Bewohner, die die Sprache nicht sprechen, die Behörden nicht kennen, sind komplett überfordert ohne Hilfe."

Ehrenamtliches Engagement wird ausgehebelt

"Ehrenamtliches Engagement wurde immer von offizieller Seite gelobt und gefördert", sagt Herrmann Döbber von Asylkreis. "Und genau das wird hier unmöglich gemacht". In den zentralen Einrichtungen können bis zu 1000 Personen untergebracht werden. Die Aufenthaltsdauer kann bis zu zwei Jahren betragen.

Die Lagersituation könne bei vielen Geflüchteten zu einer erneuten Traumatisierung führen, fürchten die Organisatoren der Aktion. "Auch auf die Bevölkerung macht diese Lagersituation einen befremdlichen Eindruck und erzeugt neue Vorurteile", so die Pfarrer Karl Henschel und Michael Ostholthoff.

Deshalb unterstützen die beiden Kirchen die Unterschriftensammlung, die am Samstag und am Sonntag in allen Halterner Gottesdiensten durchgeführt wird. Sie wurde kreisweit vom Gasthaus in Recklinghausen initiiert und nimmt Bezug auf die Resolution einer Fachtagung, die im Bildungszentrum Haus Villigst in Schwerte stattgefunden hat. Am 1. Mai sollen die Unterschriften an Ministerpräsident Armin Laschet übergeben werden.

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