Wissenschaftliches Experiment

Preis für Amelie und vier begabte Ziegen

HALTERN - Karlchen hat es bereits zu Ruhm gebracht. Aber auch Finchen, Schnucki und Anton sind talentiert: Sie können ein Kreuz von einem Quadrat unterscheiden. Die Ziegen haben Amelie Winkelkotte zur Pionierin gemacht.

Zu Amelies siebtem Geburtstag lag der Gutschein für eine Ziege im Geschenkekorb. Denn das Mädchen aus Holtwick hatte zuvor im Buch "Der Pferdejunge" gelesen, dass Kinder Ziegen brauchen. "Ich wollte kein Pferd, ich wollte immer eine Ziege", erzählt die Schülerin des Joseph-König-Gymnasiums. Heute besitzt sie vier Ziegen und die sind nicht nur lieb, sondern auch gut drauf. Karlchen ist ein Zirkus-Artist: Er kann Füßchen geben, Hindernisse überspringen, auf Kommando Amelie ein Küsschen auf die Nase drücken. Mit ihm reist die 17-Jährige zu Shows durch die Lande. Karlchen bespaßte bei Veranstaltungen in Deutschland schon Publikum aus Ländern ganz Europas.

Aber Schnucki, Anton und Finchen haben jetzt aufgeholt. Mit ihren Köpfen können sie anzeigen, ob sie gerade vor einem Quadrat oder einem Kreuz stehen. Dafür hat die 17-Jährige eigens Modelle gebaut, um mit ihren Ziegen zu Hause die visuelle Wahrnehmung zu üben.

Spaß an den ÜbungenHerausgefunden hat sie dabei beispielsweise, dass Ziegen auf dieses Experiment viel schneller als Mäuse reagieren. Sie brauchen im Schnitt nur 6,5 Tage, bis sie die Symbole unterscheiden können; Mäuse benötigen dagegen 16 Tage. Die Ziegenböcke waren in den Trainingseinheiten keineswegs besser als die "Damen". Anton, der ein wenig hyperaktiv ist, hat sich anfangs oft wahllos verhalten. "Erst, wenn er sich entspannte, brachte er eine konstante Leistung. Er bildete in der Erfolgskette das Schlusslicht", erzählt Amelie Winkelkotte. Schnucki dagegen war schlauer als alle anderen. "Die Ziegen mussten schon sehr konzentriert mitarbeiten, aber die haben richtig Spaß an diesen Übungen gehabt", sagt Amelie.

Besonders gute ArbeitDie Schülerin des Abitur-Jahrgangs hat diese Untersuchungen im Rahmen ihrer Facharbeit Biologie angestellt. Ihre Lehrerin Sabine Schockenhoff brachte sie auf das Thema, weil sie von Amelies Freundschaft zu den Ziegen wusste. Alle Erkenntnisse bündelte die Holtwickerin auf 14 Seiten und gab ihnen den Titel "Operante Konditionierung: Unterscheidungslernen bei Ziegen durch Lernen durch Versuch und Irrtum". Die Note "sehr gut" war nur die eine Belohnung. Die andere nahm Amelie Winkelkotte im Münsteraner Schloss entgegen: Die Dr.-Hans-Riegel-Stiftung und die Stiftung Internationales Centrum für Begabungsforschung der Universität Münster zeichneten sie mit dem zweiten Preis aus und gratulierten zu einem "herausragenden Erfolg". 400 Euro Preisgeld gab es für eine "besonders gute vorwissenschaftliche Arbeit". Vor ihr hat das noch kein Schüler des Gymnasiums erreicht.

Amelie Winkelkotte, die nach dem Abitur Tiermedizin studieren möchte, liebt ihre Ziegen. "Sie sind intelligent, neugierig, verstellen sich nicht und verlangen Überredungskunst, bevor sie etwas machen. Das finde ich sehr sympathisch." Und: Sie mögen keinen Stress. Anton, Schnucki und Finchen dürfen in ihren Alltag zurück, Karlchen aber muss im Training bleiben. Der Zirkus ruft!

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