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Nur noch Schrott sind die Reifen, die in Haltern abgeladen wurden.

Teure Entsorgung

Über 12.000 Schrott-Reifen am Annaberg abgeladen – was die Polizei über die Täter weiß.

Wochenlang sind immer abends mehr als 12.000 Altreifen auf einem Privatgelände in Haltern abgeladen worden. Der Grundstücksbesitzer muss Zehntausende Euro für die Entsorgung zahlen.

Über den gesamten Februar hinweg und noch bis in den März hinein haben Unbekannte Tausende Altreifen auf einem Privatgelände an der Annabergstraße in Haltern am See gestapelt. Ein Transporter sei immer abends nach Einbruch der Dunkelheit gekommen, vollbeladen mit Reifen, berichteten Anwohner.

Ursprünglich war die Fläche korrekt angemietet, berichtet Grundstücksbesitzer Peter Zieger. Doch als der Reifenberg immer größer wurde, sei der Mieter einfach nicht mehr erreichbar gewesen. Nach mehreren Beschwerden von Anwohnern, u. a. aus Sorge um den Brandschutz, gab es ein Krisentreffen mit Kreis- und Stadtverwaltung. Zieger wurde eine Deadline für Ende Mai gesetzt, bis dahin musste er dafür sorgen, dass der Berg verschwindet. Mitte Juni sind tatsächlich nur noch wenige vereinzelte Reifen auf dem Gelände an der Annabergstraße zu sehen. Zwei Schiffscontainer stehen dort, wo der riesige Berg zuvor war. Sie stehen offen und sind randvoll mit Reifen gefüllt.

Keine Versicherung

Auf den Containern prangt das Logo der Reifengruppe Ruhr aus Bochum, die Peter Zieger für die Entsorgung beauftragen musste. Ende März schätzte er die Kosten, die auf ihn zukommen, auf 20.000 bis 80.000 Euro. Aktuelle Zahlen liegen ihm derzeit nicht vor. Nur so viel sagt er ernüchtert: „Eine Versicherung gibt es für so einen Fall nicht.“

Von dem beauftragten Unternehmen heißt es: „Es handelt sich um 12.000 bis 13.000 Stück, und die sind alle Schrott“, sagt Mahmoud Daouk, Geschäftsführer der Reifengruppe Ruhr. Der Verursacher habe die noch brauchbaren Reifen offensichtlich vorher aussortiert und den Abfall an der Annabergstraße in Haltern abgeladen. „Schrottreifen kann man in Zementwerken verbrennen oder zu Gummigranulat schreddern“, erklärt Daouk. Für diese Entsorgung müsse man allerdings ordentlich zahlen: „Die Reifen kann man auch als Granulat nicht wie einen Rohstoff betrachten.“

Offenbar ein Wiederholungstäter

„Der Mieter ist polizeilich bekannt“, berichtet Peter Zieger, doch auch den Ermittlern sei der Wohnsitz der Person nicht bekannt. Ziegers Informationen zufolge habe derjenige dieselbe Masche mit illegaler Reifenablagerung schon mehrmals in anderen Städten erfolgreich durchgezogen. „Die sind wohl sogar mit abgedeckten Nummernschildern unterwegs gewesen“, so Zieger. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, ermittelt die Staatsanwaltschaft Essen aktuell wegen des „unerlaubten Umgangs mit Abfällen“.

Eine nähere Auskunft der Behörde soll in den kommenden Tagen folgen.

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