Nach Fall in Lüdinghausen

Blaualgen: Hundehalter sollen an Seen vorsichtig sein

HALTERN - Im Lüdinghausener Klutensee haben Blaualgen möglicherweise einen Hund vergiftet. Das Landesamt für Umwelt empfiehlt, Tiere nicht ins Wasser zu lassen, wenn es ungewöhnlich aussieht. Wir haben nachgehört, wie verschiedene Experten die Situation in der Region einschätzen.

Ein Hund war Mitte Oktober im Klutensee in Lüdinghausen schwimmen - kurze Zeit später musste er in die Tierklinik, ebenso wie ein weiterer Vierbeiner. Grund für die Vergiftungen sind möglicherweise Blaualgen, die sich als Folge des guten Wetters gebildet haben könnten, warnen Stadtverwaltung und Polizei. Der See ist aktuell zwei Wochen lang gesperrt. Das Landesamt für Umwelt empfiehlt Hundebesitzern in der gesamten Region, die Tiere nicht ins Wasser zu schicken, wenn das Gewässer ungewöhnlich oder anderweitig verändert aussieht.

Annette Schulte-Bocholt von der Biologischen Station im Kreis Recklinghausen erklärt: "Blaualgen sind nicht wirklich Algen." Sie sind Bakterien und gehören zu den Cyanobakterien. Das Gefährliche an ihnen sei, dass sie Gifte produzieren, die gefährlich, für Tiere sogar tödlich sein können. "Das hängt aber auch immer von der jeweiligen Gattung ab und davon gibt es viele verschiedene", sagt Schulte-Bocholt.

Vermehrt bei Feldern in der Nähe

In der sogenannten "Algenblüte" treten die Blaualgen dann vermehrt auf und können sich in Fischen oder Muscheln absetzen. Meistens sterben diese dann, in Einzelfällen ist es jedoch auch möglich, dass sie mit in die Nahrungskette gelangen und den Menschen schädigen können. "Das", meint Schulte-Bocholt, "ist allerdings sehr unwahrscheinlich." Es sei aber durchaus möglich, dass das gute Wetter der letzten Woche eine Algenblüte begünstigt hat. Denn Blaualgen brauchen wie alle anderen Bakterien Wärme um sich zu vermehren.

Dr. Eberhard Geisler von der Betreibergesellschaft des Silbersees II in Haltern-Sythen - in dem das Baden für Menschen erlaubt ist - sagt: "Blaualgen treten vermehrt auf, wenn Felder in der Nähe des Gewässers sind." Durch die Landwirtschaft geraten dann Nährstoffe ins Wasser, der Experte spricht von "Eutrophierung". Der Silbersee sei hingegen sehr nährstoffarm. "Wir wissen um die Problematik, bei uns ist die Blaualge aber bislang nicht aufgetreten." Mindestens einmal im Monat werde die Wasserqualität überprüft und die sei im Silbersee sehr hoch. Das belege auch das Pflanzenvorkommen am Uferbereich, so Geisler. Zur Bedrohung, die von den Bakterien ausgeht, sagt Geisler: "Für Fische sind sie gefährlich, vielleicht auch für Hunde - für Menschen aber nicht."

Keine auffälligen Werte

Im Halterner und im Hullerner Stausee, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, gebe es ebenfalls keine auffälligen Werte, berichtet Gelsenwasser-Sprecherin Heidrun Becker. In Flüssen wie der relativ schnell fließenden Lippe sei die Blaualge überhaupt kein Thema, berichtet Lippeverbandssprecher Michael Steinbach. Nur stehende oder sehr langsam fließende Gewässer könnten betroffen sein.

Aber woran erkennt man, ob ein Gewässer überhaupt von Blaualgen befallen ist? "Wenn gerade Algenblüte ist, dann gibt es einen schmierigen, schlierenartigen Teppich", erklärt Schulte-Bocholt. Wenn gerade keine Blütezeit ist, sei es jedoch schwieriger zu erkennen. Es komme schließlich immer auf die jeweilige Gattung an. Für den Fall, dass man einen solchen Teppich entdeckt, rät Schulte-Bocholt eins: "In so einem Fall, sollte man sich lieber fernhalten."

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