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Am Samstag (23. September) verkauft Marlies Wessel ihre letzten Backwaren im Uphuser Hofladen. Danach arbeitet sie nur noch auf Bestellung.

In Uphusen

Bauernladen Wessel schließt Ende September

SYTHEN - Mehrere Monate hat Marlies Wessel überlegt, dann einen schweren Entschluss gefasst. Ende September schließt sie ihren Bauernladen in Uphusen. Aber ganz zur Ruhe setzt sie sich noch nicht.

Der Besuch im Hofladen Wessel in Uphusen ist mit einem Fest für die Sinne verbunden. Der Anblick all der dargebotenen Köstlichkeiten vom herzhaften Vollkornbrot bis zur feinen Torte lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Dem Duft der ofenfrischen Backwaren kann man kaum widerstehen. Mit diesen Verführungen ist allerdings bald Schluss.

Zum letzten Mal öffnet der Laden am 30. September (Samstag ) seine Türen. Inhaberin Marlies Wessel (66) schließt ihr Geschäft aus Altersgründen und wird künftig nur noch auf Bestellung ihre Öfen anheizen. Der Abschied fällt ihr sehr schwer, denn der Hofladen ist in den 20 Jahren seines Bestehens ihr Leben gewesen.

Pferdestall zu Backstube mit Bauernladen umfunktioniert

Als die beiden Söhne der Landwirtin mit 19 und 15 Jahren aus dem Gröbsten heraus waren, wagte sie mit 46 Jahren einen beruflichen Neubeginn und eröffnete 1997 einen Verkaufsladen auf dem Hof an der Freistraße 65 in Sythen. „Damit hatte ich schon nach meiner Meisterprüfung als ländliche Hauswirtschafterin geliebäugelt, denn ich habe immer gern gebacken“, erinnerte sich Marlies Wessel jetzt. Die Sythenerin träumte von einer eigenständigen Tätigkeit im landwirtschaftlichen Betrieb und verwirklichte diesen Wunsch, indem sie einen Pferdestall in eine Backstube mit Bauernladen umfunktionierte.

„Ich habe mit gebrauchten Öfen und einer Knetmaschine angefangen“, blickte sie im Gespräch mit der Redaktion zurück. Mit der Zeit wurde nicht nur der Hofladen größer, sondern auch das Angebot an Backwaren und anderen typisch bäuerlichen Artikeln wurde erweitert. Zuletzt überzeugte der Hofladen Wessel auch mit Wurst und Schinken, Käse, mit Marmeladen, Eiern oder Likören.

Hoffeste brachten 13.000 Euro für den guten Zweck

Über die Ladentheke hinweg blieb oft auch Zeit für einen Plausch mit den Kunden. „Besonders hängt mein Herz an den Kindern. Viele kommen heute noch als Erwachsene zu mir“, beschrieb Marlies Wessel ihre Freude an ihrer Arbeit. Dabei erfüllte die erfahrene Landfrau wohl manchmal auch die Funktion eines Kummerkastens. „Es gab viele gute Gespräche. Mancher hat mich um Rat gefragt oder etwas erzählt, was andere nicht wissen durften“, verriet sie. Einigen jungen Frauen habe sie auch das Backen beigebracht, freute sie sich.

Ein bisschen stolz ist Marlies Wessel auf die Hoffeste, die von ihr und ihrem Team seit 2003 fast jedes Jahr in Uphusen organisiert wurden. Rund 13.000 Euro Reinerlös kamen im großen Café in der Scheune zusammen. Das gesamte Geld spendete die Sythenerin jeweils für einen guten Zweck, mal an die Flutopfer in Ostdeutschland, an die Halterner Behinderteneinrichtung Ernst-Lossa-Haus oder an ein Waisenhaus in Litauen.

Lange schlafen und mehr Zeit für die Enkel

Für ihren Traum war Marlies Wessel bereit, bis an ihre körperlichen Grenzen zu gehen. „In der Woche habe ich meistens gegen vier Uhr angefangen, an den Verkaufstagen am Wochenende sogar schon um zwei Uhr.“ Dieser Einsatz forderte seinen Tribut.

Auch wenn der Abschied mit Wehmut verbunden ist, freut sich die 66-Jährige darauf, künftig länger schlafen zu dürfen und mehr Zeit für die beiden Enkel Jan (5) und Lennart (2) zu haben. Sie will dann Schwiegertochter Ines unterstützen, die als Physiotherapeutin arbeitet. „Sie ist so begabt und glücklich in ihrem Job“, schwärmt Marlies Wessel und weiß von Herzen, wie erfüllend eine Tätigkeit sein kann, die man als Berufung begreift.

Backwaren wird Marlies Wessel nur noch auf Bestellung herstellen. Kartoffeln und ab 10. Dezember auch Weihnachtsbäume werden wie üblich ab Hof verkauft.

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