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Erinnerung an den Germanwings-Absturz.

Haltern trauert

Trauer leben: Der Germanwings-Absturz jährt sich zum fünften Mal

Am 24. März vor fünf Jahren zerschellte der Germanwings-Airbus mit der Flugnummer 4U9525 an einem Berg in den Alpen. 150 Menschen starben - heute erinnern 149 Metallstäbe mit kleinen Fahnen am Unglücksort an die Opfer. Auch in Haltern am See lebt die Erinnerung.

  • Vor fünf Jahren starben bei einem Absturz einer Germanwings-Maschine 150 Menschen
  • Lehrer und Schüler des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern zählen zu den Opfern
  • Psychisch kranker Copilot hat die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht

Sie fehlen. So wie ihre Namen aus der dicken Stahlplatte geschnitten wurden, die unübersehbar auf dem Schulhof des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern steht. Immer brennt dort eine Kerze. Sie erinnert an die 16 Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrerinnen, die vor fünf Jahren bei dem Absturz der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen starben. Sie kamen von einem Schüleraustausch in Spanien. Die Schüler hätten längst ihr Abitur gemacht - würden sie noch leben.

Gedenkfeier in Haltern mit Schweigeminute

An der Schule in Haltern am See wird es eine Feier an der Gedenkstätte auf dem Schulhof geben. Alle 1080 Schüler und das gesamte Kollegium würden am Dienstag, 24. März daran teilnehmen, sagte Schulleiter Ulrich Wessel. "Solche Momente der Erinnerung sind uns als Schulgemeinde wichtig, auch wenn viele der heutigen Schülerinnen und Schüler damals noch gar nicht an der Schule waren."

Bei dem Absturz am 24. März 2015 starben alle, die an Bord waren: 144 Passagiere und 6 Crewmitglieder. Der psychisch kranke Copilot hat die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht, sind die französischen Ermittler überzeugt. Die Opfer stammen aus 17 Nationen, die meisten aus Deutschland und Spanien. Bei den Landgerichten Essen und Frankfurt am Main laufen weiterhin Verfahren, in denen Angehörige von der Lufthansa ein höheres Schmerzensgeld erstreiten wollen. Auch bei der Staatsanwaltschaft Marseille laufen immer noch Ermittlungen.

Germanwings-Absturz ist noch lange nicht vergessen

Der 24. März fällt in diesem Jahr wieder auf einen Dienstag. Menschen in den südlichen französischen Alpen achten auf solche Einzelheiten. Denn der Absturz ist in der Region mit hohen, schneebedeckten Bergen noch lange nicht vergessen.

Denkmal  am Rande einer Schotterstraße in den Bergen

Die Absturzstelle im Bergmassiv "Trois Evêchés" liegt zwar noch auf dem Gebiet von Bartolinis Kommune, ist aber abgelegen und schlecht zu erreichen. Auf einer Höhe von gut 1400 Metern gibt es auf dem Weg zum Unfallgebiet am Rande einer Schotterstraße ein Denkmal.

Metallstangen ragen in den klaren Himmel, kleine Fahnen flattern im Wind. Im Sommer werden auch wieder Blumen blühen. Die Stangen symbolisieren die Opfer der Katastrophe. Es sind aber nur 149 Stäbe, berichtet der Bürgermeister des Dorfes mit rund 200 Einwohnern.

Im westlich der Absturzstelle gelegenen DorfLe Vernet hat sich der 24. März ebenfalls tief in die Erinnerung der Menschen eingegraben. Richard schneidet an einem Feldweg Bäume zurück. "Wir haben nichts gehört", erzählt er. "Es gab aber eine große Rauchsäule. Wir wussten nicht, was los war." Seine Stimme zittert. 

Kanzlerin Merkel war in die Region geeilt

Bereits einen Tag nach der Katastrophe waren Kanzlerin Angela Merkel, der damalige französische Staatschef François Hollande und Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy in die Unfallregion geeilt. Die Kanzlerin dankte für ihren Einsatz und lobte an der Seite Hollandes "gelebte deutsch-französische Freundschaft".

Verstorbene sind weiterhin Teil des Schullebens

"Die Verstorbenen sind selbstverständlicher Teil des Schullebens", sagt der Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums, Ulrich Wessel, in Haltern. Auch im Schulalltag: Kurz nach Einweihung der stählernen Gedenktafel ließ er dort Bänke aufstellen, die in den Pausen von den Schülern genutzt werden. "Hier ist keine Atmosphäre des Erstarrtseins."

Geschichte der Schule unlösbar mit der Flugkatastrophe verbunden

Wessel legt Wert auf eine "würdige Erinnerungskultur". Dazu gehört etwa eine Wand mit fröhlichen Porträtfotos aller Getöteten im Foyer. In einer Schulbroschüre heißt es: "Die Geschichte unserer Schule ist unlösbar mit der Flugkatastrophe verknüpft." Neuen Schülern werde dies bereits in den ersten Tagen erklärt, sagt Wessel. Und dennoch: "Wir sind zu einem Schulalltag zurückgekehrt, in dem alle Schüler auch die Erfahrungen eines normalen Schullebens machen." Halloween-Party und Karnevalsfeiern inklusive.

Jedes Jahr eine Gedenkfeier in Haltern

Bislang gab es jedes Jahr eine Gedenkfeier auf dem Schulhof. Wegen der Coronakrise fällt auch sie in diesem Jahr aus. Zur Absturzzeit, um 10.41 Uhr, war eine Schweigeminute geplant. Wessel geht davon aus, dass auch ohne Feier alle Kirchen in Haltern dann ihre Glocken läuten werden.

Eine Antwort auf die Frage, wie es den Angehörigen in Haltern geht, fällt Wessel nicht leicht: "Es heißt ja immer: Die Zeit heilt alle Wunden. Wenn Sie sich aber die liebevoll gestalteten Gräber ansehen, dann wissen Sie, dass der Spruch hier nicht gilt."

Trauer ist nach wie vor da

Angehörige bestätigen seinen Eindruck: "Die Trauer ist nach wie vor da und genauso intensiv, aber wir haben gelernt, damit zu leben", sagt eine Mutter aus Haltern. Nach wie vor gingen sie und ihr Mann jeden Tag zum Friedhof. "Das ist ein wichtiger Ort für unsere Trauer."

dpa

Die Germanwings-Flugzeugkatastrophe mit 150 Toten jährt sich Ende März bereits zum fünften Mal. Erneut werden viele Angehörige nach Südfrankreich fahren. Ein Gedenken ist auch in Haltern geplant.

Das hätte tödlich enden können: Ein bislang unbekannter Täter hat einen Gegenstand von einer Brücke auf die A1 geworfen. Das Dach eines Autos zersplitterte.Im Wagen saß ein Vater mit seinen beiden Kindern.

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