Am Rosenmontag rotierte der Abrissbagger am Old Daddy. Teile der alten Hallen der ehemaligen Diskothek liegen schon am Boden. Dirk Klaus (FDP) ist entsetzt. "Da sind sicher Asbestzementplatten verbaut worden und dieser gefährliche Baustoff rieselt hier frei auf die Halterner Bevölkerung", sagt der sachkundige Bürger im Halterner Umweltausschuss. Er will die Sache schnellst möglich von der Umweltbehörde des Kreises überprüfen lassen.
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Am Rosenmontag rotierte der Abrissbagger am Old Daddy. Teile der alten Hallen der ehemaligen Diskothek liegen schon am Boden. Dirk Klaus (FDP) ist entsetzt. "Da sind sicher Asbestzementplatten verbaut worden und dieser gefährliche Baustoff rieselt hier frei auf die Halterner Bevölkerung", sagt der sachkundige Bürger im Halterner Umweltausschuss. Er will die Sache schnellst möglich von der Umweltbehörde des Kreises überprüfen lassen.

Viele Erinnerungen

Old Daddy - Vom feudalen Tanzlokal zur Kult-Disco

HALTERN - Viele Erinnerungen verbinden Halterner Partygänger mit dem Old Daddy in der Goldstraße, später an der Recklinghäuser Straße.

Das Old Daddy war, als es am 26. März 1967 eröffnete, ein feudales Tanzlokal, sagt Dieter Böhmer. Hier gingen Halterner Junggesellen auf Brautschau. So manche Ehe bahnte sich in der Lokalität im Schatten des Rathauses an.

Seine eigene auch. Eine lebenslängliche Daddy-Geschichte entwickelte sich nicht, aber eine, die Generationen bewegt. „Das Daddy war etwas Besonderes“, findet Klaus Hensler (52), zwölf Jahre DJ im alten an der Goldstraße, dann im neuen Daddy an der Recklinghäuser Straße.

Im Schuppen hinter dem Alten Rathaus rebellierte unter dem zweiten Pächter Werner Ortmann die Jugend der 60-er und 70-er Jahre gegen biedere Konventionen, hier traf sich besonders unter dem dritten Pächter Edgar Engel die Subkultur der Stadt.

In Verruf kam das Daddy, als die Drogenszene aus dem Marler Metropol nach Haltern zog. Der Ärger vertrieb Edgar Engel 1987 zur Recklinghäuser Straße. Die Stadt kaufte von Familie Böhmer das Gebäude in der Goldstraße.

Weil der Rat sich über eine neue Nutzung nicht einigen konnte, rollte 2001 der Abrissbagger an.

Mysteriöse Explosion

Der Einzug in die neue Disco zögerte sich allerdings unfreiwillig hinaus. Klaus Hensler: „Es gab eine Explosion und niemand wusste, ob es ein Sabotageakt war.“

Der Schuppen machte trotzdem auf und boomte. Mit vier Musikareas auf 2500 Quadratmetern entwickelte sich das Daddy im Laufe der Jahre zu einer der größten und angesagtesten Discos des Ruhrgebietes. Freitags und samstags gehörten die Tanzflächen den 16- bis 26-Jährigen, mittwochs war Oldie-Abend, donnerstags legte Klaus Hensler mit Rock und Pop die typische Daddy-Mucke auf. „Es war eine tolle Zeit.“

Klaus Hensler arbeitete bis 2002 im Daddy. Mit ihm endeten die goldenen Zeiten. Das war aber zufällig. Edgar Engel musste sich wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 2,5 Millionen Euro vor Gericht verantworten.

Die Parties gingen weiter, Konzessionsinhaber wechselten, aber die Wiederbelebungsversuche einer legendären Geschichte scheiterten letztlich alle. Silvester 2010 wurde der Schuppen aus Brandschutzgründen dicht gemacht. Nach einem achtjährigen Marathon bis zur Versteigerung ging die Immobilie im Juni 2010 in den Besitz des Herner Unternehmers Hiesgen über.

Klaus Hensler und Freunde haben im Dezember einen Daddy-Revival-Club gegründet: Einmal im Monat mittwochs in der Schänke leben die Erinnerungen wieder auf.

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