Alptraum statt Urlaubstraum

Reisebüro-Inhaber mit vielen Tausend Euro abgetaucht

HERTEN - Eine Urlaubsreise ist bereits geplatzt, drei weitere sind wohl auch nicht mehr zu retten. Der Inhaber eines Reisebüros in der Innenstadt hat offenbar viele Tausend Euro unterschlagen und ist vorerst untergetaucht. Für die Betroffenen – darunter auch Familien mit Kindern – weicht der Urlaubstraum einem Alptraum.

„Urlaub beginnt im Reisebüro“, steht es am Vordach geschrieben. Doch davon kann derzeit wohl keine Rede sein. „Wegen wichtigen Termin haben wir Heute geschlossen. Danke für ihren Verständnis“, heißt es gestern auf einem DIN A4-Zettel, der an der verschlossenen Tür des Reisebüros an der Antoniusstraße hängt. Drinnen sieht alles aus wie immer. So, als würde jeden Moment der Betrieb beginnen. Doch das passiert nicht. Auch Telefonanrufe gehen nicht durch. Die Hertener Allgemeine versucht es unter verschiedenen Nummern, doch die Leitungen sind tot. Zugleich herrscht ein paar Meter weiter in der Kanzlei von Rechtsanwältin Inge Beckmann helle Aufregung. „Es haben sich heute schon vier Familien bei mir gemeldet, deren Urlaubsreisen geplatzt sind oder vermutlich platzen werden“, berichtet sie gegenüber der HA. Und weiter: „Es geht um Reisen, die 3 000 oder 4 000 Euro kosten. Es sind auch Familien mit Kindern betroffen. Das ist einfach nur schrecklich!“ Inge Beckmann will andere Betroffene, denen vielleicht noch nichts Böses schwant, warnen: „Nicht dass noch jemand direkt zum Flughafen fährt und erst dort erfährt, dass seine Reise geplatzt ist.“

HA-Recherchen zufolge ist Folgendes passiert: Die Betroffenen haben die Reisen in dem Büro an der Antoniusstraße gebucht und auch den vollen Preis bezahlt beziehungsweise überwiesen. Der Inhaber des Büros hat die Reisen jedoch entweder gar nicht beim Veranstalter – zum Beispiel Neckermann oder ITS – gebucht oder das Geld der Kunden nicht dorthin weitergeleitet. Schlimmer noch: Nach unseren Informationen hat der Inhaber des Reisebüros sogar Reisen von Veranstaltern verkauft, die er längst nicht mehr hätte anbieten dürfen, weil ihn die Unternehmen wegen früherer Zwischenfälle gesperrt hatten.

Die ganze Sache flog offenbar jetzt auf, weil Reisende vom Veranstalter eine schriftliche Aufforderung bekamen, den Reisepreis zu zahlen, obwohl sie das Geld längst überwiesen hatten. Und damit nicht genug: Wenn die Reisenden jetzt noch von der Reise zurücktreten wollen, müssen sie vermutlich auch noch selbst die Stornierungsgebühren zahlen. Anwältin Inge Beckmann kann zwar Strafanzeige wegen Unterschlagung stellen und den Reisebüro-Inhaber auffordern, das Geld zu erstatten. Sonst aber kann sie den Betroffenen kaum Hoffnung machen. Sie berichtet, sie habe Kontakt zu einem Bruder des Reisebüro-Inhabers bekommen. Der wiederum habe gesagt, er wolle versuchen, bei den Eltern in der Türkei Geld zu beschaffen. Doch ob das gelingt, ist fraglich. Immerhin geht es inzwischen um eine fünfstellige Summe. Auch sonst sieht es derzeit düster aus. „Neckermann nimmt sich von der Sache nichts an“, sagt die Anwältin. Auch eine Reiserücktrittskostenversicherung greift in einem solchen Fall nicht – ebenso wenig wie der Reisesicherungsschein. „Dieser kommt nur dann zum Tragen, wenn der Reiseveranstalter insolvent wird, nicht aber bei einer Zahlungsunfähigkeit des Reisebüros.“

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