Der "Blaue Turm"

Wasserstoffstadt Herten droht ein Desaster

HERTEN - Ein Beton-Treppenhaus ragt in den Himmel, Gras wächst auf dem ehemaligen Zechengelände in Herten-Süd. Die Turbinenhalle für die Stromerzeugung und der Lager-Bunker für den Grünschnitt sind leer. Im Verwaltungsgebäude brennt Licht. Das alles ist feinsäuberlich eingezäunt mit einem blauen Zaun. An Zukunft erinnert wenig, an Aufbruch noch weniger. Denn nach eineinhalb Jahren hat sich der Betrachter an die Innovationskraft von leeren Hallen und blankem Beton gewöhnt.

Im Klartext: Seit dem Sommer 2010 tut sich auf der Baustelle, die ein Stück Zukunft im strukturschwachen Energieland Nordrhein-Westfalen darstellen sollte, gar nichts. Aus der Düsseldorfer Perspektive sieht das offenbar anders aus: Das Umweltministerium von Minister Johannes Remmel (Grüne) arbeitet den Förderbescheid vom 20. Februar 2009 fleißig ab. Damals bewilligte noch das Wirtschaftsministerium von Christa Thoben (CDU) 7,1 Mio. Euro für das Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Davon sind bereits 3,1 Mio. Euro in Steine und Blaupausen geflossen. Eigentlich sollte der Turm seit 2010 durch die Verschwelung von Grünabschnitt Wasserstoff und Strom produzieren. Kritiker spotteten schon vor Jahren: Die Technik, die Dr. Heinz-Jürgen Mühlen 2008 an Solar Millennium verkauft hatte, wäre nicht ausgereift. Zwischenzeitlich nahm die Grundsteinlegung im März 2009 den Gegnern zwar den Wind aus den Segeln, doch der andauernde Projekt-Nicht-Fortschritt scheint die schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten. Ein potenter Partner sollte im Sommer dieses Jahres präsentiert werden. Doch ohne Erfolg: Solar Millennium bietet seit einem Jahr den Turm wie Sauerbier in der überschaubaren Branche an. Gefunden wurde aber noch kein solventer Partner, der Vertrauen in das Projekt und die Technologie aufbringt. Scheint also, als bliebe Solar Millennium auf dem Turm und bisher sieben Millionen Euro Invest sitzen. Das börsennotierte Unternehmen gab 2009 eine Patronatserklärung ab und steht für die Realisierung gegenüber dem Land in der Pflicht. Die Erlanger zählten zu dem Zeitpunkt zu den Börsenstars der Solar-Branche, besaßen Vertrauen bei den Anlegern und Geld in den Kassen. Beides hat das Unternehmen seitdem nachhaltig verspielt. Dass die angeschlagene Aktiengesellschaft den Blauen Turm aus eigener Kraft realisieren kann, erscheint unwahrscheinlich.

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