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Justizzentrum Bochum, Ostring, neuer Sitz von Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht sowie Staatsanwaltschaft Bochum am 05.01.2018 . Foto: Thomas Nowaczyk

Trickbetrug in großem Stil

Arzt aus Herten muss fünf Jahre in Haft

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HERTEN/BOCHUM - Ein promovierter Mediziner (34) aus Herten ist am Donnerstag (23.5.) am Bochumer Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Arzt hatte vor einer Woche zum Prozessauftakt gleich zugegeben, vor mehr als drei Jahren in die Rolle eines dreisten Trickbetrügers geschlüpft zu sein.

Der Sohn eines Ärzte-Ehepaars aus Herten war zwischen Sommer 2016 und April 2017 zweimal mit einer organisierten Betrugsmasche erfolgreich gewesen.

Der 34-Jährige hatte auf der Online-Plattform „Tenders Electronic Daily“, auf der regelmäßig öffentliche Aufträge bekannt gegeben werden, erst nach Deals und den dazugehörigen Namen der beteiligten Firmen gesucht. Anschließend hatte er sich unter Verwendung von verschleierten Telefonnummern und E-Mailadressen in den Dialog der Geschäftspartner eingeschlichen und Rechnungen abgefischt.

Anschließend hatte er die Kontodaten darauf so verändert, dass am Ende mehr als eine halbe Million Euro auf einem „Betrügerkonto“ eines bis heute unbekannt geblieben Mittäters mit dem Pseudonym „Mister Cash“ gelandet waren.

Auch tschechische Luftfahrtbehörde geschädigt

Zur Auszahlung seines Anteils war der 34-Jährige (der selbst im Internet unter dem Künstlernamen „Mister Minit“ aufgetreten war) anschließend extra nach Rumänien gereist. Laut Urteil verdiente sich der Arzt so mindestens 60.000 Euro auf kriminelle Art und Weise dazu.

Zu den geschädigten Unternehmen, die auf die Trickbetrugsmasche des Hertener Arztes reingefallen waren, gehörte auch die tschechische Luftfahrtbehörde, die allein rund 270.000 Euro Schaden zu beklagen hatte.

In das Urteil der 6. Strafkammer miteinbezogen wurde eine Vorverurteilung aus Juni 2018. Damals hatte das Landgericht München II vier Jahre Haft wegen einer ähnlichen Betrugsserie verhängt, bei der der Arzt in die Rolle eines falschen „Notars“ geschlüpft war. Richter Michael Rehaag bezeichnete die Masche beim Urteil als „hochkriminell“. Der 34-Jährige sitzt aktuell bereits im offenen Vollzug in der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel.

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