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Polizist Tim Seemann berichtet von seinem Einsatz bei einem schweren Verkehrsunfall am Kreisverkehr an der Schlägel-und-Eisen-Straße.

Crash-Kurs rüttelt Schüler auf

Sekunden, die alles verändern

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HERTEN - Benedith, Nese und ein Grüppchen Mitschüler stehen betroffen vor der Rosa-Parks-Schule. Rund 110 Zehntklässler haben zuvor im Forum der Gesamtschule eine bedrückende und aufrüttelnde Unterrichtseinheit erlebt. „Das macht mich nachdenklich“, sagt Benedith. Nese ergänzt: „Weil jede Sekunde so wichtig ist. Und weil jede Sekunde etwas passieren kann.“

Nicht Mathe, Deutsch oder Englisch standen auf dem Stundenplan der Willy-Brandt- und Achtenbeckschüler, und es haben sich auch keine Lehrer an sie gewendet. Sondern Polizisten, Feuerwehrleute, Notfallseelsorger, Ärzte und Angehörige von Unfallopfern. Sie alle konfrontierten die Jugendlichen beim „Crash Kurs NRW“ mit den Ursachen und Folgen von Verkehrsunfällen.

Regina Löffler beispielsweise erzählte vom Unfall ihres Bruders Reinhard Kunz, der auch im Publikum saß. Die heute 52-Jährige berichtete vom 2. März 1983, an dem Tag hatte ihre Mutter Geburtstag. Ihr Bruder wurde von einem Kameraden abgeholt, die jungen Männer waren auf dem Weg zur Bundeswehr. „Reinhard sagte: ‚Tschüss Mama, heute Abend feiern wir‘.“ Doch an jenem Abend lag der damals 20-Jährige auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Nicht alle Unfallopfer überleben

Auf der A 52 in der Kurve Marl-Nord hatte es einen Unfall gegeben. Reinhards Freund sah die Unfallstelle und bremste seinen Käfer ab, doch ein herannahender Lkw-Fahrer reagierte zu spät und krachte in den Wagen. Reinhard Kunz wurde – obwohl er angeschnallt war – aus dem Auto geschleudert und zog sich dabei schwerste Verletzungen zu, unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma. Nach zehn Wochen im Koma und mehr als zwei Jahren in Krankenhäusern wurde er in ein Leben im Rollstuhl entlassen. Er wollte nach der Bundeswehr KFZ-Mechaniker lernen, seinen Meister machen. Die Träume zerplatzten. Bis vor sieben Jahren kümmerte sich seine Mutter um Reinhard Kunz, seitdem tut es seine Schwester. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Regina Löffler. „Er hat überlebt.“

Das ist nicht allen Unfallopfern vergönnt. Den beiden Kindern nicht, die bei einem schweren Unfall auf der A 2 ums Leben kamen, bei dem Notfallseelsorger Ulrich Gallwitz im Einsatz war. Dem Familienvater nicht, der auf dem Weg zum Brötchenholen von einem Transporter erfasst wurde, ein Unfall, von dem Dr. Manuel Neisius berichtete.

Es waren nur Sekunden, und sie änderten alles.

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