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Yestina Wüst darf ihren Hundesalon nicht in den Haempenkamp verlegen.

Existenz akut gefährdet

Stadt verbietet Yestina Wüsts Hundesalon

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HERTEN-DISTELN - Yestina Wüst (40) muss aus ihrem Hundesalon am Bussardweg raus. Elf Jahre lang war die Hundefriseurin dort tätig, hat viele Stammkunden. Nicht weit entfernt, im Haempenkamp 9 a, kann sie ein passendes neues Ladenlokal mieten. Die Lösung scheint ideal – Existenz gerettet. Sie steckt ihre Barschaft in die Renovierung. Jetzt ist der Salon fast fertig, die Eröffnung rückt näher. Da kommt die Stadt und sagt: Nein!

„Wenn ich den Hundesalon nicht eröffnen darf, muss ich Hartz IV beantragen“, erklärt Yestina Wüst. Sie ist verzweifelt, sieht sich ihrer Existenzgrundlage beraubt. Parallel zum Arbeitsplatz muss sie auch die Wohnung wechseln. „Alles war ideal geplant. Eine Wohnung in der Nähe des Haempenkamps; 60 Quadratmeter. Wer weiß, ob mir die mit Hartz IV zusteht ...?“

Zwei Hunde gerettet

Die gebürtige Distelnerin ist eine große Hundefreundin, hat selbst zwei Straßenhunde aus Rumänien und Griechenland gerettet. Vor zwölf Jahren hat sie die Ausbildung zur Hundefriseurin gemacht und dann ihr Geschäft in der Garage des Hauses aufgebaut, in dem sie bis jetzt auch wohnt. „Ich habe viele Kunden, die ihre Hunde seit Jahren zu mir bringen; darunter eine Menge alter Leute aus der Umgebung.“

Als das Haus nebst Garage verkauft wird, muss sie sich nach etwas Neuem umsehen. „Ich habe mir Läden in der Innenstadt angeschaut. Die waren zu teuer und zu unruhig. Zudem kann man dort schlecht parken.“ Ein Glücksgriff scheint da das Ladenlokal am Haempenkamp. Früher war dort lange ein Friseurgeschäft, zuletzt eine Art Kiosk. „Da passt alles: der Preis von 630 Euro, genügend Parkraum – und all die Senioren, die zu Fuß kommen, erreichen mich dort auch leicht.“ Die Vermieterin sei froh, endlich eine Nachmieterin gefunden zu haben. Bedenken bezüglich der Nutzung seien ihr nicht gekommen. „Ob Menschen- oder Hundefriseur, spielt doch keine Rolle. Zumal ich mit meinem Ein-Mann-Betrieb leise bin und keinen störe.“

Ein Auge zudrücken sei nicht drin

Warum die Bauordnung der Stadt Herten den Betrieb trotzdem verbietet, erklärt Stadtsprecherin Nele Landero Flores auf Anfrage unserer Zeitung so: „Es handelt sich um ein reines Wohngebiet. Da sind nur Läden gestattet, die der unmittelbaren Nahversorgung der Anwohner dienen: Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien ... Ein Menschenfriseur ist grenzwertig, ein Hundefriseur geht gar nicht.“ Schon der Hundesalon im Bussardweg sei lediglich geduldet gewesen. „Frau Wüst hätte sich besser beim Bauamt erkundigen sollen, bevor sie Geld in das Ladenlokal investiert.“ Jetzt im Nachhinein ein Auge zuzudrücken und den Betrieb des Hundesalons im Haempenkamp zu gestatten, sei nicht drin. Die Sprecherin empfiehlt Yestina Wüst, im Gespräch mit der städtischen Wirtschaftsförderung nach einer Lösung ihres Problems zu suchen.

Claudia Effenberg bringt ihren Hund Curly vorbei. Seit 2007 wird der Bichon Frisé alle fünf Wochen von Yestina Wüst fein gemacht. „Ich bin sehr zufrieden. Frau Wüst muss uns in Disteln erhalten bleiben – sonst ist was los!“

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