Radfahrerin überrollt

Geldstrafe nach tödlichem Baggerdrama

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HERTEN - Nach einem tödlichen Unfalldrama auf der Josefstraße ist ein Baggerfahrer am Dienstag vom Amtsgericht Recklinghausen zu einer Geldstrafe in Höhe von 5 400 Euro verurteilt worden. Der 22-Jährige hatte im November 2015 aus Unachtsamkeit mit einem 17-Tonner rückwärts eine 79-jährige Radfahrerin überrollt.

Nach einer akribischen Aufarbeitung des Geschehens durch Augenzeugen und ein Sachverständigengutachten ging das Schöffengericht im Urteil von folgender Tragödie aus: Die Seniorin war am 16. November 2015 mit ihrem Rad auf der Josefstraße in Herten in nördlicher Richtung unterwegs. Der Angeklagte war mit seinem 17 Tonnen schweren Bagger zeitgleich auf einer Fahrbahn-Baustelle mit Ausschachtarbeiten beschäftigt. Der Blick aus dem Führerhaus zeigte in Richtung Süden.

Um 11.45 Uhr müssen sich dann dramatische Szenen abgespielt haben: Laut Urteil schob die 79-Jährige ihr Rad erst am Führerhaus des Baggers vorbei. Dann stieg sie in der damaligen Einbahnstraße entgegen der erlaubten Fahrtrichtung und ausgerechnet in Höhe des Baggers auf ihr Rad und versuchte, weiter zu fahren. Ein Versuch, der nur Sekunden danach tödlich endete: Denn die 79-Jährige geriet ins Trudeln und wurde von dem rückwärts fahrenden Bagger überrollt.

Zwei Augenzeugen hatten die alte Dame kurz vor dem Unfalldrama noch beobachtet. Eine ihr entgegen kommende Autofahrerin (67) erinnerte sich: „Sie schob ihr Fahrrad um den Bagger herum und kam mir entgegen. Ich habe mir sofort gedacht, das ist aber mutig. Da kann man doch nicht hergehen.“ Ein anderer Autofahrer (65), der die Seniorin offensichtlich nur kurz danach – jetzt aber schon auf ihrem Rad sitzend – erblickt hatte, beschrieb ihre Fahrweise so: „Ziemlich unsicher und wackelig. Das konnte nicht gut gehen.“

Der Baggerfahrer hatte im Prozess erklärt, dass er „nur ein Stück rückwärts gerollt“ sei, als „plötzlich jemand schon ganz laut gehupt“ habe. Die alte Dame habe er zu keinem Zeitpunkt gesehen, beteuerte der Angeklagte. Das nahmen ihm die Richter am Ende zwar auch ab, warfen ihm aber insbesondere vor, vor dem letzten Rangieren nicht noch einmal in den Rückspiegel geblickt zu haben. „Ein Blick in den Spiegel wäre möglich und ihre Pflicht gewesen“, hieß es beim Urteil.

Von daher sei eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung unausweichlich. Auch wenn, das betonten die Richter ausdrücklich, die Verstorbene sicher auch eine „erhebliche Mitschuld“ an dem Unfalltod trage.

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