Ein Fahrradfahrer ist auf der Schützenstraße unterwegs.
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Ein Fahrradfahrer ist auf der Schützenstraße unterwegs.

Fahrradklimatest

Fahrradstadt Herten bekommt schlechte Noten

  • Danijela Budschun
    vonDanijela Budschun
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Zum vierten Mal wird die Stadt bewertet und erhält das bisher schlechteste Ergebnis: „Ausreichend“. Der ADFC fordert, Mängel gezielt abzuarbeiten.

Repräsentativ ist er nicht, aber er vermittelt alle zwei Jahre einen Eindruck davon, wie es um die Fahrradfreundlichkeit in der Stadt bestellt ist – aus Sicht jener, die es betrifft. 117 Hertenerinnen und Hertener haben sich am jüngsten Fahrradklimatest des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) beteiligt und Herten die Gesamtnote 4,1 gegeben.

In ihrer bundesweiten Vergleichsgruppe (Ortsgröße 50.000 bis 100.000 Einwohner) landet die Stadt damit auf Platz 70 von 110. Das Ranking hat sich also erneut verschlechtert. 2018 kam Herten mit 3,98 auf Platz 55 von damals 106 Städten, 2014 erreichte Herten eine 3,5.

Spaß oder Stress auf dem Drahtesel?

Diesmal also eine ziemlich glatte Vier. Angemessen, findet Frank Szymkowiak. „Wobei wir in Herten mittlerweile auf einem Niveau sind, wo man sagen könnte: Viel schlechter kann’s nicht mehr werden“, sagt der Sprecher der Arbeitsgruppe Radverkehr beim ADFC Herten. „Bei der Radinfrastruktur liegt viel im Argen“, findet der 54-Jährige, der seit 1993 privat nur noch mit dem Fahrrad unterwegs ist. Seien es Radwege mit schadhaften Oberflächen, seien es Radwege, die nicht mehr den Vorschriften entsprächen, seien es Radwege, die plötzlich auf einem Gehweg oder einer viel befahrenen Straße endeten... Ein schlechtes Beispiel sei die Kaiserstraße in Höhe der Kreuzung zur Josefstraße. „Da gibt es viele Linien, die den Fahrradfahrer über Baumwurzeln oder auf den Gehweg führen, wo er eigentlich gar nicht fahren darf. Da kommt auf kurzer Strecke ganz viel zusammen – in beiden Richtungen“, sagt Szymkowiak. Ein anderes Beispiel sei die Schützenstraße: „Fahren Sie die mal im Berufsverkehr rauf oder runter.“ Ein weiteres großes Verkehrsthema ist zurzeit die Raserei.

Für den Fahrradklimatest sollten die Hertener/innen 32 Aussagen im Schulnotensystem bewerten. Heraus kam beispielsweise, dass der Spaßfaktor beim Fahrradfahren in Herten von 5 Prozent mit einer Eins, 24 Prozent mit einer Zwei und 27 Prozent mit einer Drei bewertet wird. Anders formuliert: Für 44 Prozent der Befragten ist Fahrradfahren in Herten eine eher stressige Angelegenheit. Ergibt im Durchschnitt eine 3,4. Eine 5,2 gab es für die Falschparkerkontrolle auf Radwegen. Auch die Ampelschaltung für Fahrradfahrer (5,0) oder die Ausleihmöglichkeiten öffentlicher Fahrräder (5,1) wurde als mangelhaft bewertet.

Sicherheitsgefühl ist am wichtigsten

Vergleichsweise gut, aber eben doch nur befriedigend kamen die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,8), die Möglichkeit, zügig sein Ziel zu erreichen (3,0), und die Freigabe vieler Einbahnstraßen auch für den Gegenverkehr (3,1) weg. Am wichtigsten ist den Hertener Radfahrern das Sicherheitsgefühl (78%), die Konfliktfreiheit zwischen Rad- und Autoverkehr (77%) sowie die Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer (76%).

Die AG Radverkehr, ein Zusammenschluss einiger ADFC-Mitglieder, macht sich für Maßnahmen zur Verbesserung der Radinfrastruktur stark. AG-Sprecher Frank Szymkowiak findet, der für den Radverkehr zuständige Bereich im Rathaus müsse deutlich gestärkt werden, sowohl personell als auch mit Sachmitteln. Damit gezielt die Radverkehrsinfrastruktur in Herten verbessert werden kann: „Man müsste eine Mängelanalyse machen und schauen: Wo sind die Baustellen? Und die dann priorisieren und abarbeiten.“

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