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Mit einem hellen Ford Focus rast der 32-jährige Hertener am 20. Dezember in die Bushaltestelle.

Fahrt gegen Bushaltestelle

Mordanklage gegen Hertener (32)

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HERTEN/RECKLINGHAUSEN - Dreieinhalb Monate nach einem Todesdrama an einer Bushaltestelle in Recklinghausen hat die Staatsanwaltschaft jetzt Mordanklage gegen den mutmaßlichen Todesfahrer aus Herten erhoben. Den Ermittlungen zufolge wollte sich der 32-Jährige das Leben nehmen – und er soll seinen Pkw dazu als eine Art Waffe einsetzt haben.

Das Auto des Herteners war laut Anklage am 20. Dezember 2018 um 14.53 Uhr ungebremst in eine vor der Bushaltestelle „Paulusstraße“ wartende Menschenmenge gerast. Durch die mutmaßliche „Auto-Attacke“ wurde eine 88-jährige Seniorin getötet, sieben Passanten erlitten Gehirnerschütterungen, Prellungen sowie Schocks. Staatsanwalt Dietrich Streßig geht davon aus, dass der mutmaßliche Todesfahrer damals entschlossen gewesen ist, sich durch ein Unfallgeschehen das Leben zu nehmen. Tödliche beziehungsweise schwere Verletzungen der Passanten soll er dabei in Kauf genommen haben. Der 32-Jährige soll kurz vor der Paulusstraße plötzlich das Gaspedal voll heruntergetreten und seinen Ford auf den Bürgersteig gelenkt haben und dann in die Menge gerast sein.

Für die Passanten kam die „Amokfahrt“ aus dem Nichts – alle waren laut Anklage arg- und wehrlos. Stand jetzt geht die Staatsanwaltschaft vom Vorliegen des Mordmerkmals „Heimtücke“ und „mit gemeingefährlichen Mitteln“ aus. Mit Blick auf das tödlich verletzte Opfer wird dem Hertener Mord vorgeworfen. Hinsichtlich der sieben Verletzten spricht die Anklage von Mordversuch und gefährlicher Körperverletzung. Außerdem geht es um die Vorwürfe des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, der Trunkenheit im Verkehr, der Sachbeschädigung und des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass der Angeklagte im Tatzeitraum lebensmüde gestimmt war. Zudem soll er Stimmen gehört haben. Am fraglichen Tag soll er sich trotz Einnahme von Anti-Epileptika und starken Schlaftabletten ans Steuer des Autos seiner Mutter gesetzt haben. Die Anklage billigt dem Hertener aufgrund seines psychologischen Zustandes bislang eine verminderte Schuldfähigkeit zu. Die Einordnung der Schuldfrage ist für die Frage der möglichen Sanktionen – unbefristete Psychiatrie-Einweisung oder bis zu lebenslange Haft – von zentraler Bedeutung.

Weil der Angeschuldigte es bisher abgelehnt haben soll, sich im Vorfeld psychiatrisch begutachten zu lassen, soll ein solches Sachverständigengutachten nun während des am 19. Juni startenden Mordprozesses am Bochumer Schwurgericht erstellt werden. Verteidiger Jens Tuschhoff ist auf ein „umfangreiches Verfahren“ eingestellt. Stand jetzt sind Verhandlungstage bis Ende September vorgesehen.

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