Hertener Feuerwehrleute mit einem Drehleiter-Fahrzeug beim ersten Brandeinsatz am alten Bahnhof in Westerholt am 9. Oktober 2017.
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Die Feuerwehr beim ersten Brandeinsatz am alten Bahnhof in Westerholt am 9. Oktober 2017.

Prozess in Bochum

Urteil gegen dritten Mann in der Brandserie am Bahnhof Westerholt gefallen

  • Werner von Braunschweig
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Fast drei Jahre sind vergangen, seit es mehrere Brände im und am alten Bahnhof in Herten-Westerholt gab. Jetzt ist das Urteil gegen einen dritten Feuerwehrmann gefallen.

  • Angeklagt war ein 32-jähriger Ex-Feuerwehrmann aus Hamm.
  • Das Gericht glaubte dem Angeklagten kein Wort.
  • Der Mann aus Hamm wurde zu einer Haftstrafe verurteilt.

Update 16. September: Richterin Frauke Seyda hat das Urteil verkündet: Knapp drei Jahre nach der Brandstifter-Serie in und um den alten Bahnhof in Westerholt ist ein früherer Feuerwehrmann (32) aus Hamm verurteilt worden. Das Bochumer Landgericht erlegte dem 32-Jährige drei Jahre und neun Monate Haft auf.

Angeklagter im Brandstifter-Prozess um den Westerholter Bahnhof in Herten hat „rücksichtslos" gehandelt

Der Angeklagte hatte abgestritten, von den Brandstiftungen gewusst zu haben und gab an, der bereits verurteilte ehemalige Jugendfeuerwehr-Mann habe die Taten begangenen. Doch die Justiz-Mitarbeiter glaubten ihm nicht. Die Richterin warf ihm „rücksichtsloses Verhalten gegenüber den Mit-Schwächsten unserer Gesellschaft“ vor, denn im angezündeten Gebäude hätten sich häufig Obdachlose aufgehalten.

Feuerwehrmann aus Hamm hat sich eigentlich der Menschenrettung verschrieben

Als besonders gravierend wertete das Gericht die Tatsache, dass der Feuerwehrmann sich eigentlich der Menschenrettung verschrieben habe und mit seinem Verhalten in diesen Fällen wissentlich dagegen verstoßen habe.

Mann aus Hamm bei Bränden in Westerholt massiv belastet

Update 8. September: Der aktuell im Jugendgefängnis in Wuppertal einsitzende Ex-Jugendfeuerwehrmann aus Westerholt (22) hat den dritten Mann aus Hamm im Prozess um die Brandserie am alten Bahnhof in Herten-Westerholt massiv belastet. Nach Aussage des Westerholters soll der ehemalige Feuerwehrmann aus Hamm gemeinsam mit dem Westerholter mehrere Brände gelegt haben.

„Wir haben beide Feuer gelegt und uns dabei abgewechselt“, sagte der 22-Jährige aus. Einmal hätte der Mann aus Hamm einen Brand so gelegt, dass der Löschzug des Westerholters vor der Berufsfeuerwehr vor Ort eintrifft, um ihm einen Einsatz zu bescheren.

Vorwürfe gegen Mann aus Hamm: Er soll mehrere Brände im Bahnhof Westerholt gelegt haben

Weiterhin gab der Westerholter am jüngsten Vernehmungstag an, dass der Mann aus Hamm an den Bränden im Oktober und November 2017 beteiligt war. Am 7. Juni habe der 32-Jährige einen ersten Brand am Stellwerk gelegt, außerdem am 5. August 2017 am Ostring einen Reifenstapel angezündet. Bislang schob er die Schuld auf den Westerholter. Einzig einen Feuerlöscher-Anschlag auf einen der Obdachlosen hatte der 32-Jährige zugegeben.

Update 28. August: Im zweiten Prozess um die aufsehenerregende Brandserie rund um den alten Bahnhof in Herten-Westerholt hat ein Rechtsmediziner dem Angeklagten am Donnerstag (27.8.) Erleichterung verschafft. Der Arzt stufte den von dem Ex-Feuerwehrmann bereits eingeräumten Feuerlöscher-Anschlag auf einen schlafenden Obdachlosen als „nicht lebensgefährlich“ ein.

Das ehemalige Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Hamm hat beim Prozessauftakt vor zwei Wochen am Bochumer Landgericht sofort zugegeben, am 17. Oktober 2017 einen im Westerholter Bahnhofsgebäude schlafenden Obdachlosen mit dem Inhalt eines Sechs-Kilo-Pulver-Feuerlöschers eingenebelt zu haben. „Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum. Aber ich bereue das sehr“, hatte der 32-jährige Angeklagte erklärt. Laut Anklage hatte der Obdachlose seinerzeit zwar mehrfach „geröchelt“, aber letztlich weitergeschlafen.

Rechtsmediziner Dr. Andreas Freislederer erklärte, dass die in Pulverfeuerlöschern üblicherweise verwendeten Substanzen jedoch „keine Schadstoffe“ enthalten. Auch wenn das Löschpulver ultrafein vermahlen sei, seien die einzelnen Teilchen immer noch „zu groß“, um für eine Schädigung der Lunge sorgen zu können. „Der Geschädigte wird hier sicher für einige Zeit Schwierigkeiten gehabt haben. Nachhaltige Schädigungen sind hier aber nicht zu erwarten“, hieß es.

Durch die Abschwächung der Gefährlichkeit ist eine Verurteilung des Ex-Feuerwehrmannes wegen gefährlicher Körperverletzung rechtlich nahezu nicht mehr zu begründen. Mit Blick auf die zusätzlich angeklagten drei Brandlegungen am Bahnhof Westerholt ist nach wie vor unklar, inwieweit der 32-Jährige dafür verantwortlich gemacht werden kann

Update 19. August: Im zweiten Prozess um die aufsehenerregende Brandserie rund um den alten Bahnhof in Westerholt hat der „dritte Mann“ erneut beteuert, dass er mit keinem der Großfeuer etwas zu tun gehabt habe. „Da habe ich ein absolut reines Gewissen“, erklärte der Ex-Feuerwehrmann (32) aus Hamm. Widersprüche und Ungereimtheiten lassen die Richter am Bochumer Landgericht jedoch offen an der Unschuldsversion zweifeln.

Der Angeklagte streitet zwar nicht ab, im Herbst 2017 fast jede Nacht mit dem bereits verurteilten Brandstifter, einem 22-jährigen Ex-Jugendfeuerwehrmann, in Westerholt, Datteln und Marl auf einer Art „Streifenfahrt“ unterwegs gewesen zu sein. Auch an den fraglichen vier Nächten im Oktober und November 2017. Er selbst sei aber nie aktiv gewesen, sondern den An- und Wegweisungen des Ex-Jugendfeuerwehrmanns bei nächtlichen Fußmärschen praktisch blind gefolgt. „Ich bin hinter ihm hergedackelt wie sein Hündchen an der Leine“, sagte der Ex-Feuerwehrmann aus Hamm.

„Bin ziemlich oft zur falschen Zeit am falschen Ort“

Nach dem letzten Feuer am 14. November 2017 am Stellwerk Westerholt waren der 32-Jährige und der Ex-Jugendfeuerwehrmann nachts sogar bereits kurzzeitig festgenommen worden. Dennoch pocht der 32-Jährige darauf, dass ihm angeblich erst viel später im Mai 2018 bei seiner zweiten vorläufigen Festnahme (aufgrund ausgewerteter WhatsApp-Chats) ein Licht aufgegangen ist. „Bis dahin konnte ich nicht erkennen, dass ich die ganze Zeit einen Brandstifter durch die Gegend gefahren habe“, versicherte der Angeklagte. Er habe sich allenfalls etwas Sorgen gemacht nach dem Motto: Ich bin ziemlich oft zur falschen Zeit am falschen Ort.

Obachlosen in Herten-Westerholt mit Feuerlöscher eingenebelt

Die Richter der 4. Strafkammer am Landgericht Bochum deckten an den Schilderungen am Dienstag (18.8.) immer wieder Widersprüche und unerklärliche Verhaltensweisen auf. Mal berief sich der Angeklagte darauf, falsch verstanden worden zu sein. Fast immer misslang es ihm, Erklärungen zu liefern.

Das Ex-Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Hamm hat allenfalls zugegeben, am 17. Oktober 2017 einen im Bahnhofsgebäude schlafenden Obdachlosen mit dem Inhalt eines Pulver-Feuerlöschers eingenebelt zu haben.

Unsere bisherige Berichterstattung:

Der zweite Strafprozess um die Brandserie rund um den alten Westerholter Bahnhof hat nun am Bochumer Landgericht begonnen. Zum Auftakt gab es ein Teilgeständnis des Angeklagten: Der 32-Jährige, ein Ex-Mitglied (32) der Freiwilligen Feuerwehr in Hamm, räumte ein, am 17. Oktober 2017 einen im Bahnhofsgebäude in Herten-Westerholt schlafenden Obdachlosen mit dem kompletten Inhalt eines Pulver-Feuerlöschers eingenebelt zu haben: „Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum. Aber ich bereue das sehr.“

Angeklagter weist Vorwürfe zurück

Mit den darüber hinaus angeklagten Brandlegungen in Bahnhofsnähe dagegen will der 32-Jährige im Kern nichts zu tun gehabt haben. Die Feuer seien allesamt Werke des bereits verurteilten Ex-Jugendfeuerwehrmannes (22) aus Herten-Westerholt gewesen, zu dem er gewissermaßen in einem Abhängigkeitsverhältnis gestanden habe. „Er hat mich unter Medikamente gesetzt und manipuliert“, behauptete der Angeklagte aus Hamm.

Zwei Ex-Feuerwehrleute bereits verurteilt

In dem ersten Strafprozess vor zwei Jahren war der Westerholter Ex-Jugendfeuerwehrmann am 19. Dezember 2018 als Bahnhofs-Brandstifter zu drei Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Gegen ein ehemaliges Mitglied (27) der Freiwilligen Feuerwehr Westerholt als dessen geistiger Helfer waren damals zeitgleich zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt worden.

Der Ex-Jugendfeuerwehrmann hatte zugegeben, immer wieder Brände am Bahnhofsgebäude gelegt zu haben, um seinem mitverurteilten Feuerwehr-Freund spektakuläre Löscheinsätze in Westerholt und damit Ansehen im Löschzug zu verschaffen. Im Prozess hatte der damals 20-jährige Westerholter den jetzt angeklagten Ex-Feuerwehrmann aus Hamm als weiteren Mittäter benannt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte am 9., 17. und 18. Oktober am Bahnhofsgebäude und am 14. November 2017 im benachbarten Stellwerk gemeinsam mit dem Ex-Jugendfeuerwehrmann Feuer gelegt hat. Der Prozess wird fortgesetzt.

Am Busbahnhof musste die Hertener Feuerwehr einzelne Bereiche absperren. Es ging um die Sicherheit der Fahrgäste und Passanten.

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