Richterhammer
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Ein Hertener steht derzeit vor Gericht. (Symbolfoto)

Überfall am Ostring

Nach Jugendknast unter Beobachtung - trotzdem steht ein Hertener wieder vor Gericht

  • Jörn Hartwich
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Schon mit 15 konnten die Eltern den Jungen offenbar nicht mehr erreichen. Nun lautet die Anklage nach den Überfällen am Ostring in Westerholt auf Mordversuch.

Update 26. März: Schon früh begann wohl die kriminelle Karriere eines in Herten geborenen mittlerweile 25-jährigen Mannes. Jetzt steht er wegen eines Mordversuchs in Herten-Westerholt vor Gericht. Und zwar, obwohl er nach zwei abgesessenen Jahren im Jugendgefängnis unter Besonderer Beobachtung steht.

Angeklagter aus Herten soll Vater mit Messer bedroht haben

Der Angeklagte war offenbar - so wurde es im Prozess deutlich - schon mit 15 nicht mehr von den Eltern zu erreichen. Aus einem früheren Urteil geht hervor, dass er seinen Vater sogar mit einem Messer bedroht haben soll.

Der junge Mann, der in Herten geboren wurde, verfügt nicht über einen Schulabschluss. Nach nur zwei Monaten brach er ein Langzeitpraktikum ab, weil es ihm „zu langweilig“ war.

Im Alter von 19 Jahren erste schwere Straftaten wie räuberische Erpressung

Mit 19 folgten die ersten schweren Straftaten. Räuberische Erpressung, Raub, Bedrohung, Sachbeschädigung und Widerstand. Einem Bekannten drohte er: „Ich ramme Dir ein Messer ins Gesicht.“

Erst im Januar 2019 ist der 25-Jährige aus dem Jugendknast entlassen worden. Anschließend wurde sofort die Führungsaufsicht angeordnet - für drei weitere Jahre. Ansonsten sei sofort wieder mit weiteren Straftaten zu rechnen, hieß es damals vom Amtsgerichts Werl.

Brutale Überfälle und versuchter Mord in Herten-Westerholt

Diesmal werden ihm und weiteren Tätern zwei brutale Überfälle auf einen mutmaßlichen Drogendealer am Ostring zur Last gelegt. Das Opfer wurde bei den Gewalt-Exzessen im Mai 2020 schwer verletzt – durch Hammerschläge und Messerstiche. Die Anklage lautet auf Mordversuch.

Überfall-Opfer berichtet in Prozess nach Überfall in Westerholt

Update 19. Februar: Ein Drogendealer soll zwei Mal in seiner Wohnung am Ostring in Herten-Westerholt brutal überfallen und mit einem Hammer verletzt worden sein. Im Gerichtsprozess vor der 3. Jugendstrafkammer am Bochumer Landgericht berichtete nun eins der Überfallopfer. Der Zeuge sagte aus, er sei beim Wohnungsinhaber zu Gast gewesen. Allerdings hatte er die Polizei belogen.

Schwarz maskierte Männer fordern in Westerholter Wohnung Geld und Drogen

Der 20-jährige aus Westerholt ahnte nicht, was am 10. Mai 2020 passieren würde, als es an der Tür klingelte. „Ich habe geöffnet und vor mir standen drei Typen, die komplett verkleidet waren mit schwarzen Masken“, erzählt der Westerholter. Sie forderten den Dealer schreiend auf, Geld und Gras rauszurücken.

Sein Besuch wurde bedroht und musste Smartphone und Geldbörse rausrücken. Die Täter sollen gerufen haben: „Wenn ihr die Bullen ruft, seid ihr alle tot.“ Aufgrund des Drogenbesitzes, kam es zu keiner Anzeige. Jedoch wegen des gestohlenen Handys. Er gab erst bei der Polizei an, es sei an einer Bushaltestelle verschwunden.

Hertener erleidet Schläge gegen den Kopf und sieben Stichverletzungen

Nach dem zweiten Überfall zwei Wochen später, hatte der Dealer sein Schweigen gebrochen. Um sein mögliches Geldversteck zu erfahren, schlugen sie auf seine Schienenbeine ein. Schläge gegen den Kopf und sieben Stichverletzungen zählten Rechtsmediziner. Der Mann war später notoperiert worden.

Anklage lautet auf versuchten Mord nach Überfälle in Herten-Westerholt

Den möglichen Angreifern wird versuchter Mord zur Last gelegt. Vier von fünf Angeklagten (alle aus Gelsenkirchen) haben sich nach anfänglichem Schweigen inzwischen mehr oder weniger geständig gezeigt.

Brutaler Überfall in Wohnung am Ostring in Herten-Westerholt

Update 29. Januar: Diesen Tag wird ein dreifacher Vater aus Herten-Westerholt wohl nie vergessen. Im Mai 2020 ist der 38-Jährige in seiner Wohnung am Ostring brutal überfallen und mit einem Hammer attackiert worden. Am gestrigen Donnerstag (28.1.) ist er selbst verurteilt worden: zehn Monate Haft auf Bewährung wegen Drogenhandels und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Auf dem Schrank in der Wohnung lag ein Schlagring.

Der Angeklagte hatte spätestens 2018 damit begonnen, Marihuana an Freunde und Bekannte zu verkaufen. Manchmal war auch Ecstasy und Amphetamin dabei. „Ich habe damit meinen eigenen Konsum finanziert“, so der Hertener im Prozess.

Überfall ist dem Hertener ein Rätsel

Was der Überfall sollte, ist ihm bis heute ein Rätsel. „Die Täter haben offenbar große Mengen Bargeld und Rauschgift vermutet“, so Verteidiger Malte Englert. „Irgendwo hinter der Tapete.“ Gefunden wurde jedoch so gut wie nichts.

Die Folgen waren dennoch dramatisch. Der Angeklagte erlitt durch die Hammerschläge Verletzungen an den Beinen, er kann nach eigenen Angaben bis heute nicht wieder schmerzfrei laufen. Einen Bekannten, der damals mit ihm in der Wohnung war, hatte es sogar noch schlimmer getroffen. Er wurde mit einem Messer angegriffen, wäre fast gestorben.

Prozess gegen vie Männer geht weiter

Den Männern, die dafür verantwortlich sein sollen, wird bereits seit Ende 2020 am Bochumer Landgericht der Prozess gemacht. In diesem Verfahren ist der 38-Jährige nicht nur Zeuge, sondern auch Nebenkläger. Er wird am heutigen Freitag (29.1.) erstmals selbst ins Gericht kommen.

Geld war bei ihm damals wohl nicht zu holen. Die Wohnung wird ihm von seinem Stiefvater kostenlos zur Verfügung gestellt, der Strom ist wegen offener Rechnungen abgestellt, eine Krankenversicherung gibt es nicht. Das war auch der Grund, warum der Hertener nach dem Überfall nicht zum Arzt gegangen ist. „Er hat versucht, seine Wunden selber mit Salben zu behandeln und hat sich selber Krücken gebaut“, so sein Verteidiger. Inzwischen will der 33-Jährige allerdings damit begonnen haben, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Unsere bisherige Berichterstattung:

Nach mutmaßlichen Überfällen in einer Mietwohnung am Ostring müssen sich fünf Männer (20, 25, 27, 29 und 46) aus Gelsenkirchen seit Dienstag (8.12.) in Bochum vor Gericht verantworten. Es geht um mafiöse Folterszenen, ein schwer verletztes Opfer und einen Vater, der seinen eigenen Sohn zum Raubüberfall chauffiert haben soll. Die Anklage lautet: versuchter Mord.

Die Wohnungsüberfälle gehen zurück auf den 10. und 26. Mai. Staatsanwalt Danyal Maibaum wirft den beiden 20 und 27 Jahre alten Hauptangeklagten vor, sie hätten sich jeweils vom mitangeklagten Vater (46) des 20-Jährigen zum Ostring nach Westerholt fahren lassen. Als Lohn für seine Chauffeurdienste soll der Vater 80 Euro aus der späteren Beute eingestrichen haben. Beim ersten Vorfall war laut Staatsanwaltschaft der 25-jährige Angeklagte, beim zweiten der 29-jährige Angeklagte mit dabei.

Hammerschläge gegen Schienbeine

Nachdem die Angeklagten beim ersten Raubzug den Wohnungsinhaber, einen mutmaßlichen Dealer, noch „nur“ mit einem Zimmermannshammer bedroht und ausgeraubt (Beute: Cannabis, Bargeld und Handys) haben sollen, soll der zweite Überfall 16 Tage später mit einer Bluttat geendet haben.

Die maskierten Angeklagten sollen dem Dealer da mit dem Hammer immer wieder brutal auf die Schienbeine eingeschlagen haben, damit er ein Geldversteck preisgibt. Als ein alarmierter Helfer laut Anklage gerade in die Wohnung gelangt war, soll er von dem Hauptangeklagten mit dem Hammer zweimal gegen den Kopf geschlagen worden sein. Dann soll immer wieder mit einem Messer auf den Mann eingestochen worden sein. Rechtsmediziner zählten sieben Stichverletzungen mit Eröffnung der Brustkorb- und Bauchhöhle. Der Mann war später notoperiert worden.

Vier Angeklagte sitzen in U-Haft

Die Suche nach den Tätern gestaltete sich zunächst schwierig, denn der an den Beinen verletzte Dealer hatte nichts gesagt, erst nach dem zweiten Überfall war von einem Täterverdacht die Rede. Danach wurden Telefonüberwachungen geschaltet. Dabei sollen zwei Angeklagte darüber gesprochen haben, dass in einer Zwischenwand in der Wohnung am Ostring in Herten-Westerholt angeblich 100.000 Euro versteckt gewesen sein sollen.

Seit Anfang Juni sitzen vier Angeklagte in U-Haft. Zum Prozessauftakt vor der 3. Jugendstrafkammer hat sich noch keiner der Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert.

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