Im Altbau (links) des Gertrudis-Hospitals sind die Corona-Patienten untergebracht. Sonst ist dort die Geriatrie.
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Im Altbau (links) des Gertrudis-Hospitals sind die Corona-Patienten isoliert untergebracht

Weniger Patienten

Corona-Angst? Hertener Krankenhaus-Ärzte schlagen Alarm: Bei Beschwerden nicht warten

Was bundesweit zu beobachten ist, macht vor Herten nicht Halt: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie stellen Ärzte fest, dass weniger Patienten in die Notaufnahmen von Krankenhäusern kommen.

Mindestens ein Drittel weniger Patienten als sonst verzeichnet zum Beispiel Dr. Elisabeth Winkelmann, Ärztliche Direktorin des Gertrudis-Hospitals in Herten-Westerholt, im aktuellen zweiten Lockdown. Das Zögern kann aber gravierende Folgen haben.

„Wir haben zum Beispiel viel mehr durchbrochene Blinddärme als sonst“, berichtet Dr. Winkelmann. Das sei viel gefährlicher als eine Blinddarmentzündung. „Oft kommt eine Bauchfellentzündung dazu, die Patienten sind viel kränker.“ Manche müssten sogar auf die Intensivstation.

Ein anderes Beispiel seien Gallenbeschwerden. „Die Menschen kamen früher viel eher, wenn sie Koliken hatten. Jetzt kommen sie erst, wenn sie eine vereiterte Galle haben“, sagt die Ärztin. Und vor wenigen Tagen erst hätten sie einen Mann mit einem Magendurchbruch aufgenommen. Der wird meist durch Magengeschwüre verursacht und kann lebensbedrohlich sein. Dabei könne man Magengeschwüre mit einer Spiegelung erkennen und mit Säureblockern gut behandeln, weiß Dr. Elisabeth Winkelmann.

„Tumore entstehen weiterhin“

Doch nicht nur Notfälle bereiten der Chefärztin und ihrem Team im Gertrudis-Hospital Sorgen, sondern auch jene Menschen, die Früherkennungsuntersuchungen nicht wahrnehmen. Das könne dazu führen, dass zum Beispiel eine Krebserkrankung erst spät entdeckt wird. „Tumore entstehen weiterhin, aber die Menschen gehen weniger zu Vorsorgeuntersuchungen“, berichtet die Medizinerin.

Zum Thema Krebstherapie in Corona-Zeiten heißt es vom Deutschen Krebsinformationsdienst: „Bei den meisten akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer wissenschaftlich fundierten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus.“ Dr. Winkelmann appelliert daher, „bei Beschwerden bitte wieder in die Krankenhäuser zu gehen und nicht zu lange zu warten, weil im Moment das Risiko, an einer Komplikation zu erkranken, größer ist, als im Krankenhaus Covid-19 zu bekommen.“

Das liegt nicht nur an der aktuell vergleichsweise niedrigen Inzidenzzahl. Im Gertrudis-Hospital in Herten-Westerholt liegt es zum Beispiel auch an der räumlichen Trennung der Patienten. „Wir haben für die Corona-Patienten zwei Stationen in unserem modernisierten Altbau eingerichtet. Der ist völlig isoliert von den anderen Patienten“, berichtet Dr. Winkelmann. Die werden im Neubau behandelt.

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