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Die Straßen in der Ried sollen zu Fahrradstraßen werden - mit dem Zusatz "Kfz frei".

Straßenverkehr

Fahrradstraßen in der Ried in Herten? Das hat die Politik entschieden

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Die Stadt Herten will die Straßen in der Ried in Fahrradstraßen mit dem Zusatz "Kfz frei" umwandeln. Jetzt haben die Politiker entschieden - nach kontroverser Debatte

Update Freitag, 4. Oktober, 18:28 Uhr:

Spätestens im nächsten Jahr werden die Straßen im Naherholungsgebiet Ried in sogenannte „Fahrradstraßen“ umgewandelt. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss des Hertener Rates abschließend und einstimmig so beschlossen. Die Umsetzung dürfte noch etwas auf sich warten lassen. Schilder müssen beschafft und einbetoniert werden und auf dem Asphalt sollen Markierungen aufgemalt werden. Das geht nicht bei Regen oder Frost. 

Die entscheidende Ausschusssitzung verlief kontrovers. Unsere Berichterstattung hatte Diskussionsstoff geliefert. Landwirte hatten beklagt, dass die Stadtverwaltung mit ihnen nicht noch einmal über die neue Regelung gesprochen habe. In den Betrieben besteht die Sorge, dass künftig motorisierte Kunden die Ried meiden könnten. Martina Ruhardt (Linke) kritisierte die Stadtspitze dafür, nicht mit den „Betroffenen“ – sie meinte die Bauern – gesprochen zu haben. Stadtbaurat Christoph Heidenreich räumte ein, dass dies tatsächlich unterlassen wurde. 

"Viele Autofahrer nehmen überhaupt keine Rücksicht"

Ruhardts Sicht der Dinge stieß Christian Bugzel (SPD) sauer auf: „Nicht die Landwirte sind die Betroffenen, sondern die Verkehrsteilnehmer. Wenn den Bauern die neue Regelung nicht passt, dann sollen sie ihre Grundstücke abtreten für separate Geh- und Radwege.“ Bugzel betonte aus eigener Erfahrung heraus, dass in der Ried Handlungsbedarf bestehe: „Viele Autofahrer nehmen überhaupt keine Rücksicht und bedrängen hemmungslos schwächere Verkehrsteilnehmer.“ 

CDU fordert Erfahrungsbericht zum Jahresende

Martina Herrmann (Güne) schloss sich mit geradezu euphorischen Worten an: „Das ist der Beginn einer kleinen Verkehrswende! Die Sorgen der Betriebe vor dem Verlust von Kunden kann ich nicht nachvollziehen.“ „Keinen Anlass für Euphorie“ sah hingegen Stefan Grave (CDU): „Wir stimmen dem Konzept deshalb zu, weil es besser ist, als nichts zu tun. Eine Verkehrswende kann nur gelingen, wenn man die gut funktionierenden Hofläden in der Ried nicht gefährdet.“ Grave forderte von der Stadtverwaltung einen Erfahrungsbericht am Ende des Jahres 2020. Dies sagte Baurat Heidenreich zu – inklusive Befragung der Landwirte. Er beschwichtigte: „Eigentlich ändert sich ja gar nicht viel. Die Autofahrer müssen mehr Rücksicht nehmen. Das ist aber auch heute schon das oberste Gebot in der Straßenverkehrsordnung.“


Update Mittwoch, 2. Oktober, 16:30 Uhr:

„Es ist nicht so, dass wir sagen: Hurra, die Fahrradstraße kommt! Jedes Ding hat zwei Seiten“, sagt Dirk Große-Streuer. Er befürchtet, dass es künftig noch mehr Ärger zwischen Radfahrern und Fußgängern auf der einen Seite und Autofahrern auf der anderen Seite geben wird. 

Gräben neben den Straßen in Herten nutzen

Dass sich an der aktuellen Verkehrssituation etwas ändern muss, sehen auch die Landwirte so. „Ich glaube aber nicht, dass die Situation sich durch die Fahrradstraßen verbessern wird“, sagt Heiner Schulte-Scherlebeck. Seiner Meinung nach wäre die ideale Lösung, dass die Stadt richtige Rad- und Gehwege auf landwirtschaftlich genutzten Flächen anlegt und den Landwirten dafür Ausgleichsflächen bereitstellt. Frank Südfeld meint: „Es gab vor Jahren den Vorschlag, einen der beiden Gräben zu nutzen, die neben den Straßen verlaufen. Ich finde das nach wie vor eine gute Idee. Bei uns an der Backumer Straße hat man auch einen der beiden Gräben zugeschüttet und einen Gehweg drauf gemacht.“ 

Autofahrer in Herten könnten verunsichert sein

Ingrid Franzen gibt zu bedenken, dass die Regelung, dass sich Autofahrer den Fahrradfahrern unterordnen müssen, bei großen Landmaschinen nicht funktioniert: „Die können nicht hinter den Radfahrern bleiben. Die Maschinen sind groß und schwer und brauchen eine gewisse Geschwindigkeit. Sonst kommen die nicht vom Fleck.“ Außerdem befürchtet sie, dass manch ein Autofahrer von der Fahrradstraßen-Regelung verunsichert sein könnte und erst gar nicht in die Ried hineinfährt. Das sei schlecht fürs Geschäft. 

Kritik am Stil der Stadtverwaltung in Herten

„Fakt ist: Wir leben hier von den Kunden, die zu uns kommen müssen. Der Sonntag ist mittlerweile zum Hauptverkaufstag geworden“, sagt Dirk Große-Streuer. Darüber hinaus ärgert die Gewerbetreibenden, dass die Stadtverwaltung mit dem Fahrradstraßen-Vorschlag nicht zuerst auf die Landwirte und Anwohner zugegangen sei. „Das hat keinen Stil“, schimpft Große-Streuer. Und Ingrid Franzen sagt sarkastisch: „Man kann sehr gut etwas beschließen, das einen selber nicht betrifft.“

So haben wir bisher berichtet:

Die Stadt Herten will die Straßen in der Ried in Fahrradstraßen mit dem Zusatz "Kfz frei" umwandeln.  Das heißt, dass auch künftig Autos durch das Erholungsgebiet fahren dürfen. Aber: Die Autofahrer müssten sich künftig den Fahrradfahrern unterordnen. 

Markierungen am Anfang und Ende der Straßen in Herten

Großflächige Markierungen am Anfang und Ende der jeweiligen Straße sollen darauf hinweisen, berichtet Stadtbaurat Christoph Heidenreich. Konkret geht es um die Riedstraße, die Scherlebecker Straße und die Backumer Straße. Die derzeit zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h bleibt.

"Pättken" für Fußgänger in Herten anlegen

Um den Fußgängern entgegenzukommen, lässt die Stadt derzeit durch die Kreisverwaltung prüfen, ob sogenannte „Pättken“ (einfache Fußwege) angelegt werden können – und zwar an diesen Abschnitten: 

- Scherlebecker Straße: nördliche Elper Straße bis Zufahrt Hausnummer 378; 

- südlich der Kampstraße bis Zufahrt der Hausnummer 399; 

- ab Zufahrt Hausnummer 435 bis zum Kurvenbereich und östlich der Riedstraße bis zum Kurvenbereich

- Riedstraße: westlich Scherlebecker Straße für ca. 60 Meter

Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Politik sollen Fahrradstraßen und „Pättken“ spätestens nächstes Jahr Einzug halten in der Ried. 

In der Vergangenheit hat die Verwaltung mehrfach versucht, die Verkehrssituation zu verbessern – vergeblich. Um separate Geh- und Radwege anzulegen, hätte man auf landwirtschaftlich genutzte Flächen ausweichen müssen, so die Stadtverwaltung, jedoch seien die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern gescheitert 

Aus dem Rathaus heißt es weiter: Einfache Gehwege auf den öffentlichen Flächen anzulegen sei aus Natur- und Landschaftsschutzgründen im Bereich der geschützten Alleen nicht möglich - und für Rad- bzw. Schutzstreifen seien die Straßen in der Ried nicht breit genug.

Am Rande eines Waldes in Marl hat ein Suchhund einen vermissten Rentner gerettet.

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