Im Altbau (links) des Gertrudis-Hospitals sind die Corona-Patienten untergebracht. Sonst ist dort die Geriatrie.
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Im Altbau (links) des Gertrudis-Hospitals sind die Corona-Patienten untergebracht. Sonst ist dort die Geriatrie.

Krankenhaus in der Corona-Zeit

Personal im Gertrudis-Hospital reibt sich auf: So ist die Lage

  • Carola Wagner
    vonCarola Wagner
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Zwischenzeitlich hatte das Gertrudis-Hospital 26 Corona-Patienten. Mittlerweile sind es weniger, die Lage bleibt aber angespannt.

Bis zu 26 Covid-Patienten verzeichnete das Krankenhaus an der Kuhstraße an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr. Jetzt kann Dr. Berthold Rawert, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, einen dezenten Rückgang vermelden: „Aktuell liegen 17 Corona-Patienten bei uns.“ Ein Grund zum Aufatmen sei das jedoch nicht. Die Belastung der Ärzte und des Pflegepersonals ist seit Beginn der Pandemie hoch, und erst eine flächendeckende Immunisierung durch Impfung verspricht eine nachhaltige Entspannung der Situation.

Im Gertrudis-Hospital war die Intensivstation dank eines Kraftakts der Handwerker zu Beginn der ersten Corona-Welle von sechs auf neun Plätze aufgestockt worden. Sechs Beatmungsgeräte stehen dort zur Verfügung: drei zur Beatmung per Luftschlauch, drei per Maske. Doch jetzt können die neun Intensiv-Betten gar nicht alle genutzt werden. Nur für sechs steht Personal bereit.

14 Mitarbeiter sind selbst an Covid-19 erkrankt

Hintergrund: „Wir haben jetzt einen Personalausfall in Höhe von rund 30 Prozent“, so der Chefarzt der Inneren. Das Krankenhaus hat 107 volle Stellen, die sich auf 150 Personen verteilen, weil es etliche Teilzeitkräfte gibt. 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – also knapp zehn Prozent – sind aufgrund einer Covid-Erkrankung in Quarantäne, drei weitere wegen Kontakts mit einem Virusträger. Sechs Mitarbeiter, die Covid-19 hatten, erholen sich so schlecht, dass sie weiterhin arbeitsunfähig sind. 18 Personen fallen wegen anderer chronischer Krankheiten aus.

„Die Mannschaft an der Front reibt sich auf“, sagt Dr. Rawert. Ihre Erlebnisse mit den Sterbenden können die Mitarbeiter in Einzelgesprächen mit einer Seelsorgerin verarbeiten, und psychologische Betreuung steht ebenfalls bereit. Doch auch eine finanzielle Anerkennung der besonderen Leistung hätte man sich gewünscht. Dass das Pflegepersonal des „Gertrudis“ keine Corona-Prämie erhält, weil zu Beginn der Pandemie nicht ganz so viele Covid-Patienten zu versorgen waren, sorgt für Unmut.

Wenig Verständnis für Impfgegner

Der Mediziner setzt nun große Hoffnung in die Impfung und hat wenig Verständnis für Impfgegner. Eine Umfrage im Katholischen Klinikum Ruhrgebiet Nord (KKRN), zu dem das Gertrudis-Hospital gehört, habe ergeben, dass sich vorerst nur etwa 50 bis 60 Prozent der Mitarbeiter impfen lassen wollen. „Wir raten jedoch dringend dazu“, sagt der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Skeptikern empfiehlt er die Aufklärungsseite „zusammengegencorona.de“ des Ministeriums für Gesundheit.

500 Covid-Patienten wurden bislang in den vier Häusern des KKRN behandelt, 105 davon im Westerholter Krankenhaus. „Von diesen Erkrankten sind rund 20, also jeder fünfte gestorben“, berichtet Dr. Rawert. Meist seien es die Über-80-Jährigen, die den Kampf gegen das Virus nicht überleben. Intensivmedizinische Betreuung werde insbesondere von den hochbetagten Patienten oft gar nicht gewünscht.

Und wie gestaltet sich die Situation, wenn klar ist, dass ein Mensch die Krankheit nicht überlebt? Müssen diese Patienten einen einsamen Tod sterben? „Nein“, sagt Berthold Rawert. „Zwar gilt bei uns allgemeines Besuchsverbot. Aber wenn jemand stirbt, dürfen die Angehörigen in seinen letzten Stunden bei ihm sein.“ Grundsätzlich sind dazu Schutzkleidung sowie ein Corona-Schnelltest nötig. Nur wenn der positiv ausfällt, bleibt die Tür zum Sterbezimmer verschlossen.

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