Eingestürzte Halle eines Kühlhauses auf dem Gelände des früheren Möbelhauses Domicil
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Auf dem Gelände des früheren Möbelhauses Domicil ist eine Kühlhalle eingestürzt, die sich im Bau befand. Der Großteil der Trümmer stürzte auf das benachbarte Wohn- und Firmengrundstück einer Schreinerei.

Handwerkerhof Scherlebeck

Kühlhalle eingestürzt - Hätte das Unglück verhindert werden können?

  • Danijela Budschun
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  • Frank Bergmannshoff
    Frank Bergmannshoff
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Am Freitagnachmittag ist Am Handwerkerhof in Scherlebeck eine halbfertige Halle eingestürzt. Anwohner hatten der Verwaltung bereits vorher Bedenken zur Standfestigkeit geäußert.

  • An der Westerholter Straße ist eine im Bau befindliche Kühlhalle eingestürzt.
  • Es ist niemand verletzt worden, aber die Schäden am benachbarten Wohnhaus sind erheblich.
  • Baumängel waren bekannt. Nun bleibt die Frage: Warum wurde die Baustelle nicht stillgelegt?

Update 26. August: Nach dem Einsturz einer im Bau befindlichen Kühlhalle an der Westerholter Straße in Herten am Freitag (21.8.) stellen Anwohner nun die Frage: Hätte das Unglück verhindert werden können? Tischlermeister Bernd Gehlert hatte die städtische Bauordnung über seine Bedenken bezüglich der Standfestigkeit des Gebäudes informiert.

Arbeiten an der Westerholter Straße in Herten entsprachen nicht der Genehmigung und Statik

Diese habe ein technischer Mitarbeiter der Bauordnung nach Auskunft der städtischen Pressestelle noch am selben Abend begutachtet. Vor Ort stellte sich heraus, dass die Arbeiten nicht der Genehmigung, die Bauausführung nicht der vorgelegten Statik entsprochen hätten.

Baustelle in Herten ist von der Stadtverwaltung nicht stillgelegt worden

Dass trotzdem weiter gearbeitet wurde, erklärt die Stadtverwaltung so: „Zum Zeitpunkt der Begutachtung der Baustelle durch das Bauordnungsamt wurde keine unmittelbare Gefahr festgestellt. Deshalb schien zu diesem Zeitpunkt keine Stilllegung der Baustelle erforderlich zu sein. Der Bauherr wurde vielmehr unverzüglich aufgefordert, kurzfristig etwaige Mängel an der Bauausführung zu beheben und eine statische Prüfung zu veranlassen. Da sich der Bauherr nach eigener Aussage umgehend kümmern wollte, sollte die Situation am gestrigen Montag erneut durch die Stadt überprüft werden. Das Unglück war nicht vorherzusehen, andernfalls wäre es zu einer anderen Einschätzung und damit verbundenen Maßnahmen gekommen.“

Ob es nach der Mängel-Meldung weitere Kontrollen gab ist unklar

„Um die Baustelle eng zu begleiten, wurden weitere Kontrollen seitens der Verwaltung eingeplant", heißt es von der Stadt Herten. Ob diese Kontrollen jedoch stattgefunden haben, findet keine Erwähnung. 

Der Architekt sei umgehend über die festgestellte mangelhafte Bauausführung auf der Baustelle informiert worden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Er habe zugesagt, sich sofort zu kümmern. Der Bauherr kann sich das Unglück nicht erklären. Er wies darauf hin, dass eine Fachfirma die Bauarbeiten ausführe und statisch begleite.

Update 23. August, 16.47 Uhr: Bis in die Nacht hinein war die Hertener Feuerwehr am Freitagabend an der Westerholter Straße im Einsatz. Eine sechs Meter hohe Giebelwand, die stehen geblieben war, aber ebenfalls umzukippen drohte, musste unter Aufsicht der Einsatzkräfte noch abgebaut werden. Am Samstag wurden dann auch die übrigen Trümmerteile zusammengeräumt.

Stadt Herten war offenbar frühzeitig informiert

Zwischenzeitlich haben sich in unserer Redaktion mehrere Zeugen gemeldet, die regelmäßig über die Westerholter Straße fahren und den Aufbau der Kühlhalle über Tage hinweg verfolgt haben. Für sie kam der Einsturz am Freitag nicht überraschend. Schon frühzeitig habe das Dach in der Mitte sichtbar durchgehangen. Nach Informationen unserer Zeitung wurde auch die Stadt Herten bereits am Montag, 17. August, mindestens zweimal über die drohende Gefahr informiert: einmal telefonisch durch den Nachbarn Bernd Gehlert und einmal per E-Mail inklusive Fotos durch einen Hertener, der seinen Namen aber nicht öffentlich lesen möchte.

Am Montag, 17. August, machte ein Zeuge dieses Foto. Es ist zu erkennen, dass das Dach der Kühlhalle bereits leicht durchhängt. Eine Stützkonstruktion aus Holz oder Stahl ist nicht zu sehen.

Update 21. August, 15.55 Uhr: Inzwischen ist die Sachlage etwas klarer. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein an der Westerholter Straße ansässiges Lebensmittel-Unternehmen damit begonnen, auf dem benachbarten Gelände des früheren Möbelhauses Domicil eine Kühlhalle zu errichten. Diese stürzte am Freitagnachmittag gegen 14.20 Uhr plötzlich in sich zusammen.

Arbeiter verlassen fluchtartig das Grundstück

Zeugen berichten, dass sich zum Zeitpunkt des Einsturzes Arbeiter auf dem Gelände befanden. Diese hätten fluchtartig das Grundstück verlassen und seien danach nicht mehr gesehen worden.

Trümmer richten bei Nachbarn großen Schaden an

Ein Großteil der Halle stürzte auf das benachbarte Wohn- und Firmengrundstück der Tischlerei Gehlert. Ein Spielhaus und ein Gewächshaus wurden unter den Trümmern begraben. Auch das Wohnhaus ist beeinträchtigt. Die Fensterfront wurde eingedrückt, eine Scheibe splitterte. Eine tragende Säule ist möglicherweise ebenfalls beschädigt. Die Feuerwehr rief einen Statiker hinzu. Die Bewohner dürfen das Haus bis auf Weiteres nicht mehr betreten. Ob Einsturzgefahr besteht, wird frühestens am 24. August eine genauere Begutachtung ergeben.

Ein Blick durch das Wohnzimmer der Familie Gehlert: Der Garten liegt voller Trümmer der eingestürzten Halle.

Giebelwand droht auch noch umzustürzen

Von den Resten der Halle droht weiterhin Gefahr: Eine 6 Meter hohe und 15 Meter breite Giebelwand steht noch, droht aber ebenfalls umzustürzen. Das Bauordnungsamt ist von der Feuerwehr hinzugerufen worden.

Update 21. August, 15.19 Uhr: Erste Rückmeldung von Stefan Lammering, Leiter der Hertener Feuerwehr: Es ist nach bisherigem Kenntnisstand niemand verletzt worden.

Die Berufsfeuerwehr Herten ist im Bereich Westerholter Straße/Am Handwerkerhof im Einsatz.

Unser bisheriger Bericht vom 21. August, 14.59 Uhr: Nach ersten Informationen ist auf dem Gelände des früheren Möbelhauses Domicil in Herten-Scherlebeck zwischen Westerholter Straße und Zubringer L511 eine große Halle eingestürzt, die sich noch im Bau befand. Der Vorfall hat sich am Freitagnachmittag gegen 14.20 Uhr ereignet. Anwohner berichten, es habe einen gewaltigen Knall gegeben.

Über mögliche Verletzte, über das Ausmaß der Schäden und über die Hintergründe ist aktuell noch nichts bekannt.

Langer Stillstand nach Domicil-Schließung in Herten

Domicil schloss bereits im September 2009 seinen Standort in Herten schräg gegenüber der Vestischen Straßenbahnen und eröffnete im Gegenzug in Düsseldorf ein neues Möbelhaus. Danach lagen der 1992 eigens für Domicil erbaute, 2500 Quadratmeter große Gebäudekomplex sowie das Grundstück lange brach. Während des Verfahrens („Runder Tisch“) zur Standortsuche für eine neue Ditib-Moschee war das Grundstück zeitweise im Gespräch. Die Idee wurde aber verworfen.

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