Eine brennende Gas-Fackel in der BP-Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven.
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Der Fackelbetrieb in der BP-Raffinerie Scholven ist besonders in der Dunkelheit weithin sichtbar.

Revision in der Raffinerie

Feuer am Himmel - bald kann es wieder flackern und rauschen

  • Frank Bergmannshoff
    vonFrank Bergmannshoff
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Über der BP-Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven kommt es durch geplante Revisionen oder technische Störungen mehrfach im Jahr zu Feuerschein, der regelmäßig in Gelsenkirchen, Herten, Marl und umliegenden Städten für Aufsehen sorgt. In Kürze brennen die Fackeln erneut.

In der Raffinerie der Ruhr Oel GmbH/BP Gelsenkirchen werden die Produktionsanlagen in festgelegten Abständen einer TÜV-Revision unterzogen. Aus diesem Grund stehen einige Anlagen im Werk Scholven ab Mitte Oktober für rund acht Wochen still. Das Unternehmen ist rechtlich dazu verpflichtet, solche Revisionen durchzuführen.

Kontrolle durch unabhängige Prüfer

Die Anlagen werden dabei nach einem festgelegten Prozess abgeschaltet, gereinigt, inspiziert und bei Bedarf repariert bzw. einzelne Komponenten komplett erneuert. Anschließend werden die Anlagen von unabhängigen Prüfern kontrolliert. In diesem Zeitraum führen BP-Mitarbeiter gemeinsam mit Partnerfirmen mehrere zehntausend Einzelarbeiten aus, bevor die Anlagen nach und nach wieder in Betrieb genommen werden. Das Ziel: Die Raffinerie weitere fünf Jahre sicher und zuverlässig bis zur nächsten TÜV-Revision zu betreiben.

Die Raffinerie von BP/Ruhr Oel in Gelsenkirchen-Scholven.

Fackeltätigkeiten beim Ab- und Anfahren

Durch den Stillstand kann es, wie BP mitteilt, zeitweise zu Fackeltätigkeiten und ein damit verbundenes Rauschen kommen – vor allem dann, wenn Anlagenteile außer Betrieb oder wieder in Betrieb genommen werden und das dabei anfallende überschüssige Gas kontrolliert verbrannt wird. Die Ruhr Oel GmbH/BP Gelsenkirchen will versuchen, diese Maßnahmen im Interesse der Anwohner auf ein Minimum zu reduzieren.

Höheres Verkehrsaufkommen am Werk

Durch externe Fachkräfte wird es während des Stillstands zudem zu mehr Verkehr auf den Zufahrtswegen kommen – vor allem im Bereich Ulfkotter Straße/Bellendorfs Weg im Norden des Werks Scholven, aber auch auf der Feldhauser Straße im Süden des Werkes.

Bildergalerie: Leser-Fotos vom Feuerschein der BP-Fackel am Himmel

 © Andreas Mix (Alt-Marl)
 © Maggie Ber (Herne)
 © Christian Stasch (Bochum)
 © Johanna Ries (Marl)
 © Matthias Ehle (Herten)
 © Florian Krüger (Borken)
 © Spa Ma (Datteln)
 © Fabian Happe
 © Ela Weberkirch (Recklinghausen)
 © Violetta Mozoleski
 © Britta Jungnickels (Waltrop)
 © Holger Helmut Schwark (Herten)
 © Jan Bugzel (Herten)
 © Kerim Kahramanoğlu (Herten)
 © Petra Bromberg (Herten)
 © Tobias Gaßmann (Herten)
 © Eileen Laß (Marl)
 © Gundi Müller (Marl)
 © Jackelien Hermanig (Marl)
 © Muhammet Aydin (Recklinghausen)
 © Nadine Stier (Recklinghausen)
 © Tanja Krusekamp (Recklinghausen)
 © Christian Haribo (Recklinghausen)
 © Michael McGill (Marl)
 © Kevin Zciwognal (Recklinghausen)
 © Sarah Hollender
 © Thomas Thiele

Sicheres Abbrennen von Gasen

Das kontrollierte Abbrennen von Gas nach einer Revision oder einer Betriebsstörung dient nach Angaben der Bezirksregierung Münster der Sicherheit der Anlagen und soll Störfälle verhindern. Die Bezirksregierung ist für die Überwachung und Genehmigung der Anlagen zuständig.

Das Werk Scholven verfügt laut BP über elf Hochfackeln und zwei Bodenfackeln. Im Werk Gelsenkirchen-Horst sind sechs Hochfackeln in Betrieb.

Im Normalbetrieb bei der Verarbeitung von Rohöl zu verschiedenen Produkten wie Kraftstoff oder petrochemischen Grundstoffen kommen die Fackeln nicht zum Einsatz. Die sogenannten Prozessgase werden in den Anlagen weiterverarbeitet bzw. aufgearbeitet.

Anders ist das bei An- und Abfahrvorgängen (z.B. im Zuge von TÜV-Revisionen) und Betriebsstörungen. Hier fallen beim An- bzw. Herunterfahren von Anlagenteilen Überschussgase an, die nicht verarbeitet werden können. Diese Gase werden direkt den Raffinerie-Fackeln zur sicheren und kontrollierten Verbrennung zugeführt.

Feuerrot sah am 13. Januar 2020 der Himmel über der BP-Raffinerie von Herten aus betrachtet aus.

Störung im Januar mit spektakulären Auswirkungen

Am 13. Januar 2020 hatte es in der Raffinerie Scholven einen technischen Defekt und im Zuge dessen einen Brand an einem Rohgasverdichter gegeben. In einer solchen Anlage werden Prozessgase komprimiert. Um das System zu entlasten und eine Explosion zu verhindern, wurden damals Gase in die Fackel umgeleitet. Besondere Witterungsbedingungen und Wolkenformationen führten dazu, dass das Flackern der Flammen sehr stark reflektiert wurde, sogar bis nach Oberhausen, Essen, Bochum und Dortmund. Selbst im 30 Kilometer Luftlinie entfernten Sprockhövel rückte noch die Feuerwehr wegen eines vermeintlichen Großbrandes aus. Auch die Feuerwehren in Herten und Nachbarstädten müssen immer wieder mal ausrücken, weil Bürger den Feuerschein als Brand deuten.

Während der bevorstehenden Revision werde es jedoch nicht annähernd zu einem Feuerschein dieses Ausmaßes kommen, heißt es bei Ruhr Oel/BP. Denn dabei handele es sich eben nicht um eine Notmaßnahme, sondern um einen kontrollierten Prozess, bei dem lediglich überschüssige Gase über die Fackel verbrannt werden.

Hotline für besorgte Anwohner

Sollten Bürger Fragen zu Fackelaktivität und möglichen Geruchs- oder Geräuschbelästigungen haben, steht das Raffinerie-Umwelttelefons rund um die Uhr zur Verfügung. Die Telefonnummer lautet: 0209/3663588.

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