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Das Herta-Werk in Langenbochum soll verkauft werden.

Forderungen an Nestlé 

Herten: Kampf um Herta geht weiter - jetzt gibt es Unterstützung aus Frankreich

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Die Hängepartie geht weiter: Rund 400 Mitarbeiter der Wurstwarenfabrik Herta leben seit Monaten in Ungewissheit. Ihr Mutterkonzern Nestlé will das Unternehmen verkaufen. Jetzt gibt es Unterstützung aus Frankreich - und Forderungen an Nestlé. 

Update 28. Juni:

Die Betriebsräte und die GewerkschaftNGG (Nahrung Genuss Gaststätten) bekommen Unterstützung im Kampf um Herta

Die „Confédération française démocratique du travail“ (CFDT), mit etwa 800.000 Mitgliedern der größte Gewerkschaftsbund Frankreichs, hat gleich mehrere seiner Funktionäre nach Herten entsandt, um mit den deutschen Kollegen und den Betriebsräten über die Zukunft des Wurstwaren-Unternehmens zu diskutieren.

Zusätzlich zu Herten gibt es zwei französische Standorte 

Neben dem Werk in Herten mit 400 Beschäftigten gibt es nämlich auch zwei weitere Standorte in Frankreich. In Illkirch in der Nähe von Straßburg arbeiten 450 Menschen, in Saint-Pol-sur-Ternoise (rund 40 Kilometer entfernt von Hertens Partnerstadt Arras) sogar 1000.

Gemeinsam wurde nun ein Vier-Punkte-Papier verfasst, das jetzt an den Mutterkonzern Nestlé geht und auch unter den Bechäftigten der drei Standorte verteilt wird:

  • Wenn Herta verkauft wird, dann müssen an den Standorten in beiden Ländern alle bis dahin geschlossenen tariflichen Vereinbarungen für mindestens fünf Jahre von dem neuen Käufer übernommen werden.
  • Alle Standorte müssen erhalten bleiben, mit der kompletten Anzahl der Mitarbeiter. Es darf keinen Abbau von Personal geben.
  • Wenn es zum Verkauf kommt, darf das Unternehmen nur im Ganzen mit allen Standorten verkauft und nicht filetiert werden.
  • Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, wird es sowohl in Deutschland als auch in Frankreich zum Arbeitskampf kommen.
Jetzt kämpfen Gewerkschaften und Betriebsräte aus Deutschland und Frankreich gemeinsam für Herta: Adnan Kandemir (Gewerkschaft NGG/Deutschland), Aslan Gaetan (Gewerkschaft CFDT/Frankreich), Carsten Kikillus (Betriebsrat Herta), Heike Terboven (Betriebsrat Herta), Alfred Gruber (Gesamtbetriebsrat Nestlé), Dominic Lorenz (Betriebsrat Herta), Peter Hillesheim (Betriebsrat Herta), Peter Patrick (CFDT) und Christophe Kauffmann (CFDT).

Unsere bisherige Berichterstattung:

Einige potenzielle Käufer seien schon vor Ort gewesen, berichteten Herta-Mitarbeiter. Peter Hillesheim, stellvertretender Betriebsratsvorsitzende des Bereichs „Produktion“, wird im Gespräch mit der Hertener Allgemeinen noch konkreter: "Nach unseren Informationen waren drei potenzielle Investoren da.“

Hertener Unternehmen: „Wie geht’s weiter bei Herta?“

Hillesheim setzte sich jetzt mit seinen Betriebsratskollegen und Vertretern der Gewerkschaften und der Politik sowie Thomas Kutchaty an einen Tisch. Unter dem Motto „Wie geht’s weiter bei Herta?“ machte sich Kutschaty, Landtagsfraktionsvorsitzende der SPD in NRW, vor Ort ein Bild.

Kämpfen für Herta (v.l.): Thomas Prinz (DGB Herten), Heike Terboven (Betriebsrat), Adnan Kandemir (Gewerkschaft NGG), Carsten Kikillus (Gewerkschaft), Thomas Kutschaty (SPD), Carsten Löcker (SPD), Andrea Häuser (Betriebsrat) und Peter Hillesheim (Betriebsrat).

Alle Beteiligten hoffen jetzt, dass die Verhandlungen, die im Hintergrund laufen, bald auch zu einem Ergebnis führen. „Ich habe aber das Gefühl, dass man da in den letzten Zügen ist“, sagt Peter Hillesheim. 

In Herten hat man Hoffnung auf seriösen Käufer

Auch Adnan Kandemir, Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft NGG (Nahrung Genuss Gaststätten) glaubt daran, dass bald ein Ergebnis feststeht: „Ich gehe davon aus, dass da bis Ende August Klarheit herrscht. Vielleicht auch schon eher.“ 

Alle hoffen auf einen seriösen Käufer, der die Firma nicht zerschlägt, der die Tariflöhne übernimmt und keine überzogenen Renditen fordert.

"Werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen"

Auf die ging Thomas Kutschaty ein. „Wenn Nestlé Renditeziele von 18,5 Prozent ausgibt, dann ist das moralisch verwerflich. Hier wird Kapitalismus auf die Spitze getrieben.“

Egal, wie die Verhandlungen ausgehen, „wenn es notwendig ist, werden wir mit den Betriebsräten weitere Maßnahmen absprechen“, erklärte Thomas Prinz (DGB Herten). Und Adnan Kandemir ergänzte: „Jeder Kaufinteressent muss wissen, dass wir um jeden Arbeitsplatz kämpfen werden.“

Unserer bisherige Berichterstattung:

Auf mehreren Wegen haben Betriebsräte und die Gewerkschaft NGG (Nahrung Genuss Gaststätten), bisher versucht, irgendwie auf das Verfahren Einfluss zu nehmen. Zum Beispiel haben rund 10.000 Menschen bei der Solidaritätsaktion „Ja zu Herta“ unterschrieben. „Allein im Werksverkauf haben 3000 Kunden mitgemacht“, sagt Betriebsrat Carsten Kikillus.

Der Landtagsabgeordnete Carsten Löcker brachte weitere 120 Unterschriften mit, die im SPD-Bürgerbüro zusammengekommen waren. Löcker sagte zu, die Situation bei Herta in der SPD-Landtagsfraktion zu thematisieren.

Entscheidung für Unternehmen in Herten soll in der zweiten Jahreshälfte fallen

Eine weitere Bemühung, das Verkaufsverfahren positiv zu beeinflussen, zielt auf die umfangreichen Freiflächen auf dem Herta-Gelände ab. Löcker: „Die Wirtschaftsförderung der Stadt Herten muss möglichen Interessenten signalisieren, dass es hier nicht nur um die Sicherung des Herta-Standortes geht, sondern dass hier auch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.“ 

„Am liebsten hätten wir es natürlich, wenn die Erweiterungsflächen zumindest teilweise für eine Expansion von Herta genutzt würden“, ergänzt Carsten Kikillus.

Exposé der Rothschild-Bank für Herta in Herten

Doch all das ist Stochern im Nebel, solange keine Interessenten bekannt sind. Die international tätige Rothschild-Bank hat ein Exposé für potenzielle Käufer erstellt.

An anderer Stelle in Herten treibt ein Investor sein Bauvorhaben voran.

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