Jonas (r.) und Petrcan aus Herten dürfen am Sonntag zum ersten Mal wählen.
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Jonas (r.) und Petrcan dürfen am Sonntag zum ersten Mal wählen. Im Unterricht von Referendar Tim Kischel (l.) haben sie mit ihren Mitschülern Fragen an die Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten erarbeitet.

Kommunalpolitik

Kommunalwahl 2020: So viele Erstwähler gibt es in Herten

  • Danijela Budschun
    vonDanijela Budschun
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Wer 16 Jahre alt ist, darf bei der Kommunalwahl mitbestimmen. Wir haben mit zwei Erstwählern aus Herten gesprochen.

Am kommenden Sonntag, 13. September, dürfen 1196 jugendliche Hertenerinnen und Hertener zum ersten Mal wählen gehen. Denn sie sind 16 Jahre alt und damit bei Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen wahlberechtigt. Wie interessiert sind Jugendliche an der Wahl vor ihrer Haustür? Unterscheiden sie zwischen dem, was in einem Stadtrat entschieden werden kann, und dem, wofür das Land, der Bund oder die EU zuständig sind? Was wünschen sie sich für ihre Stadt? Und: Gehen sie überhaupt zur Wahl? Letzte Frage beantworten Jonas und Petrcan mit einem „Ja“. Wobei Petrcan sich noch nicht ganz sicher ist, wo er sein Kreuz machen wird.

Schüler aus Herten stellen den Bürgermeisterkandidaten Fragen

Die beiden 16-Jährigen sind Schüler von Tim Kischel. Der Referendar für Deutsch und Sozialwissenschaften am Gymnasium hat seinen Schülerinnen und Schülern die Aufgabe gegeben, den acht Hertener Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten Fragen zu stellen. Kischel erklärt: „Der Gedanke der Unterrichtsreihe ist, dass Politik nicht nur in Berlin und Brüssel stattfindet, sondern auch hier in Herten. Die Schüler sollten aufschreiben, was sie interessiert, und konnten auf direktem Wege Antworten erhalten.“ Die Fragen haben die Schüler im Sowi-Unterricht formuliert, der Referendar schickte sie dann per E-Mail an alle Kandidaten. Alle hätten geantwortet, sagt Tim Kischel, bis auf den Kandidaten der AfD.

Jonas wollte zum Beispiel wissen, „wie es mit der Baustelle vor unserer Schule weitergehen soll“. Eine andere Frage aus dem Kurs: „Was tun Sie gegen die (gefühlte) geringe Polizeipräsenz in Herten?“ – Hintergrund der Frage ist, dass sich manche Schüler an manchen Orten in Herten offenbar unsicher fühlen, etwa in Süd oder am Backumer Tal. Weitere Fragen: „Was werden Sie für die notwendige Digitalisierung am Gymnasium tun?“, „Wie stehen Sie zum Bau eines Bahnhofes in Herten?“, „Wie wollen Sie die Stadt für Jugendliche attraktiver machen?“

Womit wir bei dem wären, was Jonas sich von der lokalen Politik in der nächsten Wahlperiode wünscht: „Dass es mehr Freizeitmöglichkeiten für junge Leute gibt.“

Es sei schon etwas Besonderes, dass man mitbestimmen könne, finden die beiden Erstwähler. Dass 16-Jährige wählen dürfen, war bei den Kommunalwahlen in NRW längst nicht immer so und ist beispielsweise bei Bundestagswahlen auch immer noch nicht erlaubt. „Ich würde auch dabei gerne wählen“, sagt Jonas. Petrcan hingegen findet es okay, dass er bei den „größeren“ Wahlen erst ab 18 Jahren mitbestimmen kann.

Pectran aus Herten war bei Fridays-for-Future-Protesten dabei

Forscher attestieren Jugendlichen in Deutschland insgesamt ein gestiegenes Interesse an Politik: Im Jahr 2002 lag ihr Anteil bei 30 Prozent, erreichte in 2015 ein bisheriges Allzeithoch von 43 Prozent und lag 2019 mit 41 Prozent nur wenig darunter. So steht es unter anderem in der aktuellen Shell-Jugendstudie. Bei vielen jungen Leuten war und ist der Klimawandel das beherrschende Thema – auch bei Petrcan: „Ich war bei den Fridays-for-Future-Protesten dabei.“ Jonas’ Aktivitäten gehen noch weiter: „Ich bin in eine Partei eingetreten, weil ich mich politisch engagieren möchte.“ Das Thema Klimawandel beschäftigt ihn zwar auch – ein anderes aber noch mehr: das Erstarken von Gruppierungen am rechten Rand und solchen, die die Bundesrepublik ablehnen, etwa die Reichsbürger. Der junge Hertener findet: „Man kann nicht nur laut schreien, ohne selbst Vorschläge zu machen.“

In Zeiten von „Fake-News“ und Verschwörungstheorien sei es sehr wichtig, politisch zu bilden und an politischen Prozessen teilzunehmen, findet Referendar Tim Kischel und sagt zum Wahlalter: „Ich persönlich bin der Meinung, dass das Wahlalter auch auf Landtags- und Bundestagsebene auf 16 Jahre herabgesetzt werden könnte, weil die Jugendlichen oft schon ihre eigene Meinung haben und auch Anliegen haben, die besprochen werden müssen.“

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