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20 Router nötig

Freifunk-Netz in der City würde rund 1.200 Euro kosten

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HERTEN-INNENSTADT - Der Blick nach oben gilt Fassaden, Dächern und Leuchtreklamen; viele mögliche Standorte für Antennen. Und die sind nötig, wenn man ein lückenloses Drahtlos-Netzwerk in Hertens Fußgängerzone einrichten will, um das kostenlose Internet-Surfen etwa mit dem Handy zu ermöglichen. Wie das genau funktionieren könnte, haben jetzt Manuela Potthast (Grüne), Sascha Köhle (Piratenpartei) und Technik-Experte Michael Herzog vor Ort ausgelotet.

Über Funk Daten von A nach B zu senden, ist eine tückische Sache, weiß Technik-Experte Michael Herzog aus Recklinghausen. Sobald eine Glasscheibe, ein Baum oder eine Mauer im Weg stehen, sinkt die Reichweite erheblich. Die liegt bei einem herkömmlichen W-LAN-Router, der über die Luft eine Internetverbindung ermöglicht, bei ungefähr 200 Metern – sofern die Sicht frei ist.

Möglichst weit oben

Mit einem einzelnen Router ist es in Hertens City natürlich nicht getan – es braucht ein ganzes Netz solcher Geräte, die alle miteinander kommunizieren. Damit diese möglichst weit auseinander stehen können (und nur wenige davon gebraucht werden), sollten sie möglichst weit oben, im Freien, angebracht werden, sagt Herzog.

Beispiel Hermannstraße: Bestünde die Möglichkeit, alle Router bestmöglich zu platzieren, wären etwa fünf Geräte für die gesamte Straße nötig. Wenn sie ungünstig stehen, also in Privatwohnungen oder hinter Schaufenstern, ist schnell die dreifache Anzahl nötig.

Router werden auf eigene Kosten betrieben

Herzog organisiert das in Recklinghausen bereits bestehende „Freifunk“-Netzwerk. Dafür stellen Privatpersonen oder Geschäftsleute Router zur Verfügung, die sie auf eigene Kosten mit Strom und einem Internetzugang versorgen. Die Geräte vernetzen sich mittels spezieller Software untereinander und bieten ein zusammenhängendes Freifunk-Netz an. „Das ist so stabil“, sagt Herzog, „dass sie bei einem Einkaufsbummel durchgehend auf Ihrem Handy ein Video über Youtube streamen können.“ Denn das Gerät hangelt sich von Antenne zu Antenne und verbindet sich ständig neu – ohne, dass der Nutzer etwas davon mitbekommt. Die Haftung des Freifunk-Netzes geht auf den Freifunk-Verein über.

Herzog sagt: „Es macht natürlich Sinn, Geschäftsleute anzusprechen. Die haben meist die besten Möglichkeiten, so ein Gerät aufzustellen. Und sie profitieren davon, dass ihre Stadt attraktiver wird.“ Der Rundgang in Herten zeigt: Mit rund 20 Routern an strategisch wichtigen Punkten hätte die City ein lückenloses Netz (siehe Grafik). Kostenpunkt pro Router: ca. 60 Euro. Die Gesamtinvestition läge also bei rund 1 200 Euro. Freifunk trägt die Unterhaltskosten für die Technik im Hintergrund (ca. 80 Cent pro Router, pro Monat).

Jederzeit den Stecker ziehen

Die Vorteile des Systems: Es ist komplett frei und Bürger brauchen sich nicht anzumelden. Der Nachteil: Die Routerbetreiber könnten jederzeit den Stecker ziehen – sie sind nicht vertraglich gebunden.

Hinweis: In unserer gedruckten Ausgabe von Dienstag, 21. Juli, ist dieser Artikel aufgrund technischer Probleme ohne Grafik gelaufen. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Michael Herzog: „Das System gehört niemandem, es ist in dieser Hinsicht unkontrollierbar.“ Trotzdem plädiert er dafür: „Es funktioniert anderswo richtig gut. Außerdem ist das etwas, das Kommune, Händler, Vereine und Privatleute gemeinsam auf die Beine stellen. Für mich ein ziemlicher Coolness-Faktor ...“

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