In einem Mehrfamilienhaus an der Elisabethstraße in Herten soll sich ein Gewaltverbrechen zugetragen haben
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In einem Mehrfamilienhaus an der Elisabethstraße in Herten soll sich ein Gewaltverbrechen zugetragen haben

Prozess in Bochum

Tod einer dreifachen Mutter aus Herten: Mutmaßlicher Täter geht gegen das Urteil vor

  • Werner von Braunschweig
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Ein fürchterliches Gewaltverbrechen an der Elisabethstraße in Herten-Süd sorgte im Juni 2020 für Bestürzung. Ein Mann soll seine Ehefrau, eine dreifache Mutter, massiv geschlagen und dann erwürgt haben. Er geht gegen seine Verurteilung vor.

Update 7. Januar: Nach dem Tod einer dreifachen Mutter an der Elisabethstraße in Herten-Süd will der wegen Totschlags verurteilte Ehemann weiter um einen Freispruch kämpfen. Der 40-Jährige hat die vom Bochumer Schwurgericht am 18. Dezember gegen ihn verhängte Haftstrafe in Höhe von zwölf Jahren nicht akzeptiert und fristgemäß Revision eingelegt. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

Nach Abfassung des schriftlichen Urteils gehen die Akten nun demnächst von Bochum zur Generalstaatsanwaltschaft und zum Bundesgerichtshof (BGH) nach Karlsruhe. Der dort zuständige 4. Senat muss dann nach einer rechtlichen Überprüfung entscheiden, ob das Urteil bestätigt oder wegen möglicher Mängel eine Neuverhandlung angeordnet wird.

Der Angeklagte hatte eine Tötung seiner Ehefrau bis zuletzt bestritten. Er will sie morgens leblos im Bad entdeckt, eine rituelle Waschung vorgenommen und die Leiche danach im Schlafzimmer aufgebahrt haben. Das Bochumer Schwurgericht hatte den Angeklagten jedoch aufgrund eines Indizienbündels (unter anderem belastende DNA-Spuren) sicher als Täter überführt gesehen. Beim Motiv spielte laut Urteil der Umstand eine Rolle, dass der 40-Jährige nach der Trennung das Sorgerecht für die Kinder nicht teilen wollte. Mit einer Entscheidung in der Revisions-Überprüfung ist wohl frühestens im Herbst 2021 zu rechnen.

Update 19. Dezember: Nach dem Tod einer dreifachen Mutter an der Elisabethstraße in Herten-Süd hat das Bochumer Schwurgericht am Freitag (18.12.) gegen den Ehemann (40) zwölf Jahre Haft verhängt. Die Richter hatten am Ende keinerlei Zweifel, dass der 40-Jährige seine Ehefrau Ende Juni nach einem anfänglich verbalen Streit zu Tode gewürgt hat. Das Urteil lautet auf Totschlag.

Anders als die Staatsanwaltschaft sah das Schwurgericht sich nach der Beweisaufnahme außerstande, ein Mordmerkmal, „insbesondere das der niedrigen Beweggründe“ (O-Ton Richter Josef Große Feldhaus), zweifelsfrei festzustellen. Der Angeklagte hatte eine Tötung seiner Ehefrau bis zuletzt bestritten und von einem Schicksalsschlag gesprochen. Er will seine Frau morgens leblos im Bad entdeckt, eine rituelle Waschung vorgenommen und die Leiche danach im Schlafzimmer aufgebahrt haben. „Meine Hände haben ihren Körper nur beim Waschen berührt“, beteuerte der Angeklagte am Freitag noch einmal.

Kinder müssen in der Tatnacht neben toter Mutter schlafen

Die Richter sahen den Mann aufgrund einer Vielzahl von Indizien aber sicher als Täter eines Totschlags überführt: Zum einen habe es nachweislich Streit um die Trennung und das Sorgerecht gegeben. Zum anderen waren auch DNA-Spuren des Ehemannes unter den Fingernägeln der 42-jährigen Mutter sowie Fasern von der Hose des Angeklagten im Gesicht der Frau entdeckt worden - was auf einen Kampf hindeute. Darüber hinaus hatten sich auch bei der Obduktion der Leiche starke Hinweise für einen Erstickungstod ergeben.

Das wohl stärkste Beweismittel war aber wohl eine Spontanaussage eines der Kinder, das seinerzeit einer Polizistin berichtet hatte, dass der Vater die Mutter gewürgt hat. Dass die Kinder in der Tatnacht offenbar auf Anweisung des Angeklagten noch neben der Leiche ihrer Mutter schlafen mussten, nannte Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann in seinem Plädoyer „abstoßend“.

Zum Fundort der Leiche (zwischen Bett und Kleiderschrank) sagte der Ankläger: „Der Angeklagte hat sie abgelegt wie ein Wäschestück.“ Verteidiger Michael Emde hatte einen Freispruch beantragt. Für den Anwalt war besonders der Umstand bedeutsam, dass der (geistig behinderte) Bruder, der seinerzeit auch mit an der Elisabethstraße lebte, kürzlich in einem Heim eine Pflegekraft gewürgt haben soll.

Update 8. Dezember Mit der Vernehmung weiterer Zeugen ist am Montag (7.12.) am Bochumer Schwurgericht der Prozess um die mutmaßliche Ermordung einer dreifachen Mutter an der Elisabethstraße fortgesetzt worden.

„Sie und die Kinder wurden von ihm geschlagen“, erinnerte sich die Schwägerin (33) der Verstorbenen im Zeugenstand an die Erzählungen des mutmaßlichen Gewaltopfers. Demnach habe der Mann auch verboten, dass die Kinder in den Kindergarten gehen. Zeitweise soll der Angeklagte die Mutter und ihre Kinder in der Wohnung eingesperrt haben.

Notärztin entdeckt mutmaßliche Würgemale

Eine nach dem Tod der Frau alarmierte Notärztin hatte unter dem akkurat angelegten Hals-/Kopftuch am Kehlkopf eine kleine Wunde entdeckt. „Ich dachte, es handelt sich um Würgemale. Mir war klar, dass da etwas nicht stimmt“, hatte die Ärztin bei der Polizei erklärt.

Ausführlich berichtet die Hertener Allgemeine in ihrer Druckausgabe/ePaper am 8. Dezember.

Update 30. November 17 Uhr: Der erste Verhandlungstag ist vorbei. Die Anklage beschreibt weiterhin einen kaltblütigen Mord – der Angeklagte dagegen einen Schicksalsschlag. „Unsere Ehe war gut“, beteuerte der aus Syrien stammende Mann beim Auftakt vor dem Bochumer Schwurgericht.

Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann wirft dem 40-jährigen Kaufmann, der 2015 mit seiner Familie als Flüchtling nach Herten gekommen war, vor, die dreifache Mutter aus gekränkter Ehre geschlagen und zu Tode gewürgt zu haben. Das Paar lebte laut Anklage spätestens seit Februar 2020 bereits räumlich getrennt. Zu diesem Zeitpunkt war die spätere Verstorbene mit den drei gemeinsamen Kindern (zwei Mädchen und ein Junge im Alter von bis fünf Jahren) nach Dortmund in eine eigene Wohnung gezogen.

Der 40-Jährige ließ den Mordvorwurf der Staatsanwaltschaft nur wenige Sekunden unkommentiert. „Meine Frau ist durch einen Schlaganfall oder Herzinfarkt gestorben“, ließ der selbstbewusst auftretende Angeklagte einen Dolmetscher übersetzen.

Fünf weitere Verhandlungstage sind angesetzt

Ob und inwiefern zwei geistig behinderte Geschwister des Angeklagten, die zur fraglichen Zeit ebenfalls in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Elisabethstraße in Herten-Süd anwesend waren, als mögliche Tatzeugen infrage kommen, wollen die Bochumer Richter noch klären.

Die Anklage lautet auf Mord aus niedrigen Beweggründen. Im Falle einer Verurteilung droht lebenslange Haft. Für den Mordprozess sind vorerst noch fünf weitere Verhandlungstage bis zum 16. Dezember anberaumt.

Mehr zum ersten Verhandlungstag lesen Sie in der Dienstagsausgabe (1.12.) der Hertener Allgemeinen Zeitung und im ePaper.

Update 30. November, 12:30 Uhr: Ein erster Zwischenbericht direkt aus dem Gerichtssaal, wo aktuell die Vehandlung läuft: Der angeklagte 40-Jährige bestreitet eine Gewalttat. Er sagte: „Ich lehne die ganze Anklageschrift ab, das nehme ich nicht hin. Meine Frau ist durch einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt gestorben. Das ist Schicksal.“

Der 40-Jährige will seine Frau morgens früh leblos auf dem Fußboden im Badezimmer gefunden haben. Die Frau war am Nachmittag zuvor mit den drei Kindern zu ihm nach Herten gekommen und hatte auch dort übernachtet. Und angeblich auch über Brustkrämpfe geklagt.

Angeklagter behauptet: „Waschung in der Badewanne“

Der Angeklagte will seine Frau nach dem Entdecken entkleidet und entsprechend einem arabischen Brauch in der Badewanne gewaschen haben. Dann will er ihre Anziehsachen gewaschen, im Trockner getrocknet und sie der Frau wieder angezogen haben. Dann will er die tote Frau im Schlafzimmer abgelegt und zugedeckt haben.

Unser Vorbericht zum Prozessauftakt am 30. November 2020: Die Tat ereignete sich am Montagnachmittag, 29. Juni 2020, in einem Mehrfamilienhaus an der Elisabethstraße in Herten-Süd. Der damals 39-jährige und inzwischen 40-jährige Angeklagte soll seine 42-jährige Frau in der Wohnung massiv geschlagen haben, bis sie sich nicht mehr wehrte. Dann soll er sie erwürgt haben.

Streit um Trennung und Sorgerecht

Als Motiv heißt es in der Anklage, der Mann habe sich in seiner Ehre verletzt gefühlt, weil die Frau sich von ihm trennen wollte. Auch um das geteilte Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder, zwei und fünf Jahre alt, soll es Streit gegeben haben.

Auf engem Raum mit Kindern und zwei behinderten Menschen

In der Wohnung lebten nach bisherigen Erkenntnissen außer dem Ehepaar insgesamt drei Kinder: ein Mädchen von sechs Jahren und die erwähnten beiden Jungen im Alter von heute fünf und zwei Jahren. Des Weiteren waren dort zwei behinderte Menschen zu Hause, bei denen es sich um die Geschwister des Tatverdächtigen handelt.  Sie alle verloren durch das Gewaltverbrechen ihre gewohnten Bindungen und das Zuhause. Die große, aus Syrien stammende Familie hatte zurückgezogen auf beengten Verhältnisssen in der Mietwohnung gelebt.

Bei Verurteilung droht lebenslangee Haft

Der Tatverdächtige wurde nach dem Verbrechen noch am selben Tag festgenommen. Er sitzt seither in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem Mann Mord vor. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Unsere frühere Berichterstattung:

Update 1. Juli 2020: Nach dem gewaltsamen Tod einer 42 Jahre alten Frau in Herten sitzt der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Ein Richter habe einen Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

Unser Bericht vom 30. Juni 2020: Am Montag (29.6.) gegen 14.48 Uhr, kam es auf der Elisabethstraße in Herten zu einem polizeilichen Einsatz, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft. In dem Mehrfamilienhaus fanden die Einsatzkräfte den Leichnam einer 42-jährigen Frau auf. "Weitergehende Ermittlungen führten dann dazu, dass diese durch die Einwirkung eines Dritten schuldhaft zu Tode gekommen ist", heißt es in der Erklärung.

39-Jähriger aus Herten festgenommen

Es wurde eine Ermittlungskommission eingesetzt. Polizeibeamte nahmen einen 39-jährigen, in Herten wohnenden Tatverdächtigen vorläufig fest. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine Beziehungstat.

Untersuchungshaftbefehl wegen des Vorwurfes des Mordes gestellt

Gegen den Mann wurde heute (30.6.) ein Antrag der Staatsanwaltschaft Bochum auf Erlass eines Untersuchungshaftbefehls wegen des Vorwurfes des Mordes beim Amtsgericht Recklinghausen gestellt. Über den Antrag ist aktuell noch nicht entschieden.

Die Ermittlungen dauern an. Wir halten Sie an dieser Stelle weiter darüber auf dem Laufenden.

Zeugen beobachten Festnahme eines Mannes in Herten

Das hatten wir bisher berichtet: In einem Mehrfamilienhaus an der Elisabethstraße in Herten ist nach Informationen der Hertener Allgemeinen Zeitung am Montag-Nachmittag (29.6.) eine Frau zu Tode gekommen. Als Tatverdächtiger gilt offenbar der Ehemann. Zeugen haben die Festnahme eines Mannes beobachtet.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte die Polizei den Sachverhalt im Grundsatz. 

Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft Bochum

Auch am Abend stand noch ein Wagen der Polizei in der Elisabethstraße. Zahlreiche Menschen beobachteten das Tun von der anderen Straßenseite aus.

Der Fall aus Herten liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft in Bochum. Bisher war noch kein Sprecher zu erreichen.

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