Stefan Günther, der eine Autowerkstatt in Herten-Bertlich führt, wurde gekündigt.
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Stefan Günther, der eine Autowerkstatt in Herten-Bertlich führt, wurde gekündigt.

Mitarbeiter in Sorge

Nach Real-Schließung: Betrieb erhält Kündigung, Inhaber fühlt sich im Stich gelassen

  • Carola Wagner
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Dem Inhaber einer Autowerkstatt am alten Real-Markt in Herten-Bertlich wurde gekündigt. Er und seine Mitarbeiter machen sich Sorgen.

Reparatur und Service rund ums Auto bietet Stefan Günther seit 15 Jahren in seiner Werkstatt neben dem Real-Markt am Hoppenwall in Bertlich an. Damals war er mit dem Betrieb von Gelsenkirchen nach Herten gezogen. Als vor fünf Jahren die insolvente Gardinenfirma Haase ihren Laden räumte, mieteten der 54-Jährige und seine Frau Gabriele Pfaff auch diese Räume an. Sie betreibt dort einen Autohandel.

Neben Sohn Kevin Günther (33) arbeiten fünf Mitarbeiter in der Werkstatt. Der Laden brummt: „Wir haben ungefähr 2300 Kunden und einen Jahresumsatz von rund 2 Millionen Euro“, sagt Stefan Günther. Er beschreibt ein gesundes Unternehmen – kein Grund also, den Laden aufzugeben. Doch wie es aussieht, gehen hier am 30. Juni die Lampen aus. Stefan Günter bekam die Kündigung.

Eigentumsverhältnisse haben sich geändert

„Es ist ein Trauerspiel“, sagt der Geschäftsmann. Dass sich die Eigentumsverhältnisse ändern würden, war klar. Im Juni 2020 hatte das deutsch-russische Konsortium „X+bricks AG“ und „SCP Group“ die angeschlagene Warenhauskette Real vom Metro-Konzern gekauft und zerschlagen. 

Wenig später stand die Schließung der Bertlicher Filiale fest. Für die marode Immobilie hatte sich kein Nachfolger gefunden. Ein Debakel für die Bertlicher Bürger, die nun ohne Lebensmittelmarkt dastehen. Mittlerweile hat ein Immobilienentwickler aus dem Kreis Recklinghausen das Areal erworben, um es zu überplanen. Es besteht Hoffnung, dass sich ein neuer Supermarkt ansiedelt, zudem Wohnhäuser und eine Kita. „Ein Glücksfall für Bertlich und seine Bürger“, sagt Stadtbaurätin Janine Feldmann. Sie ist froh, dass sich das Blatt so rasch zum Guten zu wenden scheint.

Kleine Betriebe rings um Real ziehen den Kürzeren

Freilich nicht für Stefan Günther und einige weitere Betriebe im Dunstkreis von Real, die durch den Verkauf ihre Standorte verloren haben und sich neue Räume suchen müssen. Günther wollte den Komplex, in dem sich seine Werkstatt und der Autohandel befinden, selbst kaufen. Doch seine Verhandlungen mit der „X+bricks AG“ endeten, als ein Abnehmer für das gesamte Areal gefunden war.

„Ist es den Beteiligten egal, was aus den Menschen wird, die hier ihren Arbeitsplatz haben?“, fragt sich der Werkstattbetreiber. „Was hier geplant ist und dass die Verhandlungen vor dem Abschluss stehen, wissen wir aus der Zeitung. Niemand hielt es für nötig, uns zu informieren – dabei geht es um unsere Existenz.“

Mitarbeiter machen sich Sorgen

In der Werkstatt läuft die Arbeit wie immer – noch. Die Mitarbeiter machen sich Gedanken. „Ich hoffe, dass es irgendwie weiter geht mit dem Betrieb“, sagt Kfz-Mechatroniker Mario Zierenberg (41). Sein Kollege Sebastian Olechowski (37) ist verärgert und spricht den „Anzugträgern“, die das Geschäft managen, soziale Verantwortung ab: „Die lassen uns hier am langen Arm verhungern und geben uns keine Informationen. Dabei wissen alle längst Bescheid.“ Junior-Chef Kevin Günther (33) ist skeptisch. Er möchte den Betrieb irgendwann übernehmen und hofft auf eine Lösung. Wie es aussieht, kann die nur in einem neuen Standort bestehen. Ob sich der auf Hertener Stadtgebiet findet, sei fraglich. „Wir werden der Stadt Herten wohl den Rücken kehren.“

Baurätin Janine Feldmann bedauert, dass Unternehmen wie die Autowerkstatt durch den Verkauf des Areals und dessen Neugestaltung ins Hintertreffen geraten. „Ich verstehe die Enttäuschung.“ Man müsse jedoch das große Ganze im Auge behalten. Die Entwicklung sei für den gesamten Stadtteil und seine Bürger von Vorteil.

Den Verlierern des Prozesses biete die Stadtverwaltung Hilfe an. Wirtschaftsförderer Michael Blume habe bereits Kontakt zu Stefan Günther aufgenommen und ihm zwei neue Standorte – einen in Westerholt, einen in Hassel – unterbreitet. Janine Feldmann stellt klar: „Mir ist ganz und gar nicht gleichgültig, was aus dem Betrieb und seinen Mitarbeitern wird.

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