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Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Annabell Czajkowski präsentiert die Geburtstagstorte.

Barbara-Zentrum

Ökumene hat hier eine Erfolgsgeschichte

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PASCHENBERG - Zehn Jahre Barbara-Zentrum boten Anlass für ein Fest im Zeichen der Ökumene mit 250 Gästen. Die Kleinste war an diesem Tag die Größte: Baby Charlotte – fünf Monate alt – wurde im Rahmen des ökumenischen Festgottesdienstes getauft. Wie passend, sind doch ihre Eltern Julia Lackmann und Christian Assig (beide 36) ein ökumenisches Ehepaar: die Mutter katholisch, der Vater evangelisch, Charlotte und ihr Bruder Maximilian (2) nun evangelisch. Im Familienleben sei das kein Problem, beteuern die Eheleute. „Unsere Kernwerte sind ja gleich.“

So gut, wie es im Privaten bei Familie Assig/Lackmann klappt, so reibungslos funktioniert das ökumenische Miteinander auch im Barbarazentrum, das vor zehn Jahren auf dem Paschenberg gebaut wurde. Dabei war es zunächst nicht der Wunsch nach Nähe, der Katholiken und Protestanten den Bund des gemeinschaftlichen Miteinanders eingehen ließ. Vielmehr mussten sich beide christlichen Gemeinden der Tatsache stellen, dass die Zahl ihrer Anhänger auf dem muslimisch geprägten Paschenberg immer kleiner wurde. So gab man die evangelische Lutherkirche auf, riss die katholische St.-Barbara-Kirche bis auf deren Glockenturm ab und errichtete an ihrer Stelle ein neuartiges Konstrukt, das neben einem Pflegezentrum für Demenzkranke einen Gottesdienstraum für beide Gemeinden beinhaltet.

Taufbecken vor der Zerstörung gerettet

Einer, der sich an den schmerzlichen Moment des Abrisses gut erinnert, ist Hans-Dieter Sander. Er feierte just am Festtag sein 84. Wiegenfest und lebt seit zwei Jahren selbst in der Caritas-Wohngemeinschaft St. Barbara. „Früher war ich im Kirchenvorstand von St. Barbara“, erzählt der alte Herr. Er ist der Retter des marmornen Taufbeckens. „Das hing damals beim Abriss schon am Haken des Baggers und sollte zertrümmert werden.“ Im letzten Moment konnte Sander den Frevel verhindern – heute steht das frühere Taufbecken als sanft plätschernder Brunnen im Innenhof des Barbarazentrums.

Alltägliche und intensive Ökumene

Dass es so gut klappen würde mit der Ökumene auf dem Paschenberg, hatten die Kirchenoberen beider Konfessionen einst bezweifelt. Ihre Zustimmung zu diesem Projekt zu erlangen, war für die Akteure vor Ort nicht leicht. Heute lobt Superintendentin Katrin Göckenjan das Zentrum als Ort alltäglicher und intensiver Ökumene. Weihbischof Rolf Lohmann findet gar, dass der christliche Glaube durch das Miteinander besondere Strahlkraft gewonnen habe. Der katholische Pfarrer Norbert Mertens, der mit den evangelischen Geistlichen Ulrike Baldermann und Bernhard Stahl den Gottesdienst für 250 Besucher zelebrierte, sagt es schlichter: Man sei oft depressiver Stimmung gewesen, habe sich jedoch erfolgreich zusammengerauft. „Heute sind wir das einzige Projekt im Bistum, wo alle Seite an Seite so zusammenstehen.“

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