Brandserie Westerholter Bahnhof

Ein dritter Feuerteufel war mit im Bunde

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HERTEN-WESTERHOLT - Ein ehemaliger Hertener Jugendfeuerwehrmann hat zugegeben, am alten Bahnhof Feuer gelegt zu haben – in seinem Geständnis steckte jede Menge Zündstoff. Jetzt ist es raus: Im Prozess um die Serie von Bränden im und am alten Westerholter Bahnhof hat der jüngere Angeklagte am Freitag vor dem Bochumer Landgericht als Erster sein Schweigen gebrochen.

Der 20-jährige Westerholter, von 2010 bis 2011 bei der Hertener Jugendfeuerwehr, gab nicht nur zu, bei allen drei Bahnhofs-Bränden seine Finger im Spiel gehabt zu haben. In seinem Geständnis offenbarte er auch eine Art Lebenslüge, indem er einräumte, bis zuletzt seinem Umfeld etwas vorgespielt und quasi ein Doppelleben als erfahrener Feuerwehrmann geführt zu haben. Mit der Benennung eines öffentlich bislang unbekannten dritten Feuerwehrmanns als Mittäter ließ der 20-Jährige außerdem eine „Bombe“ platzen. Abgeklärt, ruhig und gefasst stand der 20-Jährige den Richtern Rede und Antwort. Nach einem Jahr bei der Jugendfeuerwehr habe es ihn nie losgelassen, Feuerwehrmann zu werden. Anstatt das Ziel anzustreben, habe er sich nach außen hin einfach als Feuerwehrmann ausgegeben. Über das Internet will sich der 20-Jährige Ausrüstungsgegenstände (Jacke, Stiefel, Helm, Gasmaske) besorgt haben. Außerdem hatte er einen „Pager“, über den die Feuerwehr ihre Leute bei Bränden alarmiert. Den Code für den Hertener Alarm, so der 20-Jährige, habe ihm das mitangeklagte Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr besorgt. Mit dem Kommissaranwärter (25) verband den 20-Jährigen nach eigenen Angaben seit der Jugendfeuerwehr eine Freundschaft. Im Sommer 2017 chattete das Duo nächtelang via WhatsApp über Brände, Einsätze und mehr. Anfangs sei Brandstiftung für beide „Spinnerei“ gewesen.

„Der Bekloppte war wieder unterwegs“

Später habe er seinem Freund nach Bränden die Nachricht „Der Bekloppte war wieder unterwegs“ geschrieben. Bei den Brandlegungen am alten Westerholter Bahnhof sei der Mitangeklagte nie dabei gewesen. In allen drei Feuernächten sei er mit einem befreundeten Feuerwehrmann (30) aus Hamm unterwegs gewesen. Das erste Feuer am 9. Oktober 2017 habe dieser Feuerwehrmann sogar angesteckt. Das zweite und dritte Feuer (18. Oktober und 14. November) habe dann wiederum er gelegt. Das Bahnhofgebäude will der Angeklagte mit dem Hammer Feuerwehrmann davor stets nach den dort hausenden zwei Obdachlosen abgesucht haben. „Wir haben gerufen, gehupt, es kam nichts. Hätten wir gewusst, dass die doch da waren, hätten wir es nie gemacht.“ Wie im Prozess bekannt wurde, wird gegen den Feuerwehrmann aus Hamm ebenfalls ein Ermittlungsverfahren geführt. Er befindet sich nach wie vor auf freiem Fuß. Mit Blick auf den mitangeklagten Hertener Feuerwehrmann sagte der 20-Jährige: „Ich wusste, dass er gerne mehr Einsätze in Westerholt gehabt hätte. Ich will sagen, dass ich das mit den Bränden schon ein bisschen aus Freundschaft getan habe.“

Der 25-jährige Angeklagte schwieg auch am zweiten Prozesstag. Gegen den 20-Jährigen lautet die Anklage unter anderem auf Mordversuch.

Rubriklistenbild: © Archiv

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