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Etwa 80 Chorsängerinnen und -sänger aus Herten und Recklinghausen ? allesamt Laien ? und vier Profis als Solisten gestalteten die von Elke Cernysev geleitete Aufführung in der Hertener Erlöserkirche.

Erlöserkirche

Ein Ritterschlag für Chorsänger

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HERTEN - Ein halbes Jahr lang musste das Publikum auf die Fortsetzung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach seit September warten. Diese gelang am Sonntag in der Erlöserkirche perfekt.

Sie gilt als Inbegriff der katholischen Kirchenmusik: Die Messe, in der die wichtigsten Texte eines jeden Gottesdienstes vertont sind. Dabei stammt die Messkomposition, die als die bedeutendste und kunstvollste gilt, ausgerechnet von dem wohl wichtigsten evangelischen Kirchenmusik-Komponisten.

Johann Sebastian Bach arbeitete über einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren an den einzelnen Teilen seiner h-Moll-Messe, fasste sie erst kurz vor seinem Tod zur vollständigen Messe zusammen und erlebte selbst wohl nie eine Gesamtaufführung.

Zweiter Teil musste verschoben werden

Diese Kombination von Musik aus verschiedenen Phasen seines Lebens – bis hin zu Musikstilen, die damals schon als veraltet galten – macht bis heute für viele Sänger, Chöre, Orchester und Dirigenten den Reiz dieses Werks aus.

Dieser Herausforderung nahmen sich im vergangenen Jahr auch die Hertener Kantorei und die Altstadtkantorei Recklinghausen an. Die beiden Chöre, geleitet von Elke Cernysev und unterstützt von Orchestermusikern der Neuen Philharmonie Westfalen, verteilten die Messe auf zwei Konzerte.

Im vergangenen September führten sie das „Kyrie“ und „Gloria“ in der Christuskirche Recklinghausen auf, der Rest, also das Glaubensbekenntnis und die Abendmahlsliturgie, hätten im Dezember in der Erlöserkirche Herten folgen sollen. Dieses Konzert musste Kirchenmusikdirektorin Elke Cernysev aus gesundheitlichen Gründen jedoch verschieben. Am Sonntag wurde es nachgeholt.

Erfahrene Solisten

Beide Chöre und dazu einige Projektsänger ließen die geballte Energie von etwa 80 Chorstimmen in der Kirche erklingen. Das Ensemble brachte die Kraft und Abwechslung der Komposition bestens zur Geltung. Vier erfahrene Solisten komplettierten das Ensemble: Tina Bier (Soloauftritt: „Ich glaube an den Herrn Jesus Christus“), Claudia Darius („Lamm Gottes“), Hendrik Lücke („Gelobt sei er, der kommt“) und Christoph Bier („Ich glaube an den Heiligen Geist“).

Vor allem die direkt aufeinander folgenden Sätze über Jesu Geburt und Kreuzigung gestalteten Chor und Orchester wie eine Einheit. Nach dieser so ruhigen wie schmerzlichen Passage feierte das gesamte Orchester, einschließlich Trompeten und Pauken, Jesu Auferstehung – wie eine Erinnerung an die bald bevorstehende Osterzeit.

Großes Lob

„Es war sehr schwer, wenn nicht das schwerste Chorwerk von Bach überhaupt. Man muss alles ganz genau einhalten. Aber wir haben uns alle darauf gefreut und alles mit Begeisterung gesungen“, erinnerte sich die Recklinghäuser Chorsängerin Monika Koch an die Vorbereitung auf dieses Konzert. „Das ist wie eine Meisterprüfung für Sänger. Ich bin schon seit Jahrzehnten Chorsängerin, aber so etwas Großes habe ich noch nie gesungen. Großes Lob auch an unsere Chorleiterin für so viel Engagement und Geduld. Sie kann so gut wie kaum eine andere Kritik in Geschenkpapier verpacken.“

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