Fred Toplak reagiert

Streit ums Ehrenamt im Standesamt

  • schließen

HERTEN - Unter der Überschrift „Kein Jawort mehr vor Uli Paetzel“ berichtete unsere Zeitung am Samstag darüber, dass der Alt-Bürgermeister nicht mehr ehrenamtlicher Standesbeamter sein darf. Ihn aus seiner Funktion zu entlassen, wäre nicht nötig gewesen. Bürgermeister Fred Toplak hat unseren Bericht im Internet angeprangert und dabei die Fakten falsch dargestellt.

Vorgeschichte: Dr. Paetzel, der als Eheschließungsstandesbeamter schon rund 80 Paare getraut hat, erhielt ein Schreiben Toplaks, das ihn am 10. Februar 2017 erreichte. Darin beruft sich der Bürgermeister auf einen Erlass des Innenministers. Dieser besage, dass Eheschließungsstandesbeamte in einem Angestellten- oder Beamtenverhältnis zur Gemeinde stehen müssten. Einen Sonderstatus für ehemalige Bürgermeister gebe es nicht. Daher sei es nicht mehr möglich, dass Uli Paetzel im Namen der Stadt Trauungen durchführe.

Paetzel erhält keine Antwort

Der Alt-Bürgermeister reagierte darauf drei Tage später mit einem Brief an Toplak, in dem er auf die durchaus übliche Möglichkeit verwies, ihn als Ehrenbeamten weiterhin Trauungen übernehmen zu lassen. Er bat um Mitteilung, ob Toplak mit dieser Regelung einverstanden sei, erhielt jedoch keine Antwort. Als unsere Zeitung dann offiziell im Rathaus anfragte, ob Paetzel als Ehrenbeamter weiter trauen solle, wurde dies verneint. Begründung: Die Stadt verfüge über genügend Personal, um die Trauungen zu bewältigen.

Unsere Berichterstattung veranlasste Bürgermeister Toplak zu einem Eintrag auf seiner Seite im Internet-Netzwerk „Facebook“. Darin schreibt er, Dr. Paetzel habe versäumt, mit ihm über das Thema zu sprechen. „Für mich gehört Fragen, bevor ich etwas ausübe, was so nicht automatisch vorgesehen ist, zum respektvollen Umgang“, schreibt Toplak. Er habe nicht abgelehnt, Paetzel weiter zu beschäftigen, sondern sei nie gefragt worden.

Disput auf Facebook

Das ist so nicht korrekt, wie Paetzels Brief an Toplak belegt. Der Bürgermeister wurde gefragt, wenn auch sehr förmlich. Dieses Schreiben fand im Facebook-Post keine Erwähnung. So entstand der Eindruck, dass Paetzel und unsere Zeitung die Unwahrheit verbreiten. Übers Wochenende entwickelte sich ein Disput, in dessen Verlauf sich manche Schreiber in Beschimpfungen und Anschuldigungen gegen den Alt-Bürgermeister und unsere Redaktion ergingen.

Widerruf beurkundet

Heute teilte Fred Toplak auf unsere Anfrage mit, dass er als Antwort auf sein Schreiben statt des Briefes von Paetzel ein Gesprächsgesuch oder einen Anruf erwartet hätte, „wo Herr Dr. U. Paetzel mir erklärt oder fragt, wie ich dazu stehe und was ich mir vorstellen könnte“. Da stattdessen nur ein formales Schreiben eingetroffen sei, in dem unter Fristsetzung ein Bescheid verlangt wird, habe Toplak am 9. März den Widerruf seiner Bestellung beurkundet und für eine Zustellung weitergeleitet. „Dieses Schreiben, einschließlich der Widerrufsurkunde, befindet sich derzeit im förmlichen Zustellungsverfahren“, sagte Anne-Kathrin Lappe, Sprecherin der Stadtverwaltung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Schlägerei bei Vinnum gegen SV Herta 23 - Polizei ermittelt Tatverdächtigen
Schlägerei bei Vinnum gegen SV Herta 23 - Polizei ermittelt Tatverdächtigen
Chemiepark Marl: Hier wird der "intelligente" Kunststoff der Zukunft produziert
Chemiepark Marl: Hier wird der "intelligente" Kunststoff der Zukunft produziert
Schwerer Unfall im Schacht - Sanitäter müssen sofort Verstärkung holen
Schwerer Unfall im Schacht - Sanitäter müssen sofort Verstärkung holen
Das "Wirxel-Haus" in Datteln steht im Internet zum Verkauf - treibt der Investor ein mieses Spiel? 
Das "Wirxel-Haus" in Datteln steht im Internet zum Verkauf - treibt der Investor ein mieses Spiel? 
Unfallflucht im Porsche - Hertener Autoverleiher versteht Suchaktion der Polizei nicht
Unfallflucht im Porsche - Hertener Autoverleiher versteht Suchaktion der Polizei nicht

Kommentare