Geplanter Herta-Verkauf

Gewerkschaft beklagt „Profitgier“ bei Nestle

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HERTEN-LANGENBOCHUM - In Teilen der Gesellschaft sind Fleisch und Wurst inzwischen so verpönt wie Zucker und Nikotin. Das schlägt sich in den Sortimenten der Lebensmittelunternehmen nieder. Unilever stieß bereits 2014 die „Bifi“-Würstchen ab. Rügenwalder setzt stark auf Wurst auf Eiweiß-Basis, die Firma hinter der Geflügelmarke „Wiesenhof“ experimentiert mit Fleischersatz und McDonald’s liebäugelt mit fleischlosen Burger-Frikadellen.

Der Nestlé-Konzern folgt insofern einem Branchen-Trend, wenn er jetzt sein in Herten ansässiges Wurst-Unternehmen Herta zum Kauf anbietet (wir berichteten). Der oberste Chef Mark Schneider will Nestlé auf die Themen Wohlbefinden und Gesundheit ausrichten. Aufschnitt, Fleischwurst und selbst die „Finesse“-Schinkenprodukte für ernährungsbewusste Kunden passen seiner Meinung nach nicht mehr ins Bild. Aus Sicht der 400 Herta-Beschäftigten in Herten ist diese Entwicklung bitter.

Nach jahrelangen Sparmaßnahmen und Schrumpfkuren hatten sie gehofft, dass Ruhe einkehrt. Das Gegenteil ist der Fall. Hier setzt auch die Kritik der Gewerkschaft NGG (Nahrung Genuss Gaststätten) an. „Um absurd hohe Renditen von bis zu 18,5 Prozent zu erzielen, soll ein Unternehmen, das nach jahrelanger Durststrecke erstmals wieder schwarze Zahlen schreibt, offensichtlich meistbietend verkauft werden“, sagt der Vorsitzende des NGG-Landesbezirks Nordrhein-Westfalen, Mohamed Boudih. „Die Braut wurde hübsch gemacht auf Kosten der Beschäftigten: Sie haben es durch den Verzicht auf Tarifleistungen wie Urlaubsgeld und Urlaubstage, mit flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Verlust ihres Arbeitsplatzes erst ermöglicht, dass Herta saniert werden konnte.“

Mohamed Boudih wirft dem Nestlé-Konzern „Kahlschlagpolitik“ und „rücksichtlose Profitgier“ vor. Die NGG wolle um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Boudih fordert, dass Herta – wenn überhaupt – als Ganzes verkauft und nicht aufgeteilt wird in den einzelnen europäischen Ländern. Des Weiteren müssten die Mitbestimmungsstrukturen, die Tarifbindung und der Standort Herten mit seinem 2013 eröffneten Werk gesichert sein. Boudih glaubt, dass schon allein wegen dieser Faktoren mehrere große Fleisch- und Wurstwaren-Unternehmen nicht als Käufer infrage kommen.

Rubriklistenbild: © Martin Pyplatz

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