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Gericht

Kronzeuge hat plötzlich Gedächtnislücken

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HERTEN - Im Prozess gegen einen Hertener Rechtsanwalt, der laut Anklage in zwei Kokaingeschäfte verstrickt sein soll, hat der Kronzeuge ausgesagt. Der ehemalige Mandant (58) des Anwalts, ein verurteilter Kokainhändler, bestätigte zwar die Entgegennahme von 4000 Euro in bar. Er lieferte aber unterm Strich mehr Widersprüchliches als Belastendes.

Bei den Ermittlern hatte der Zeuge noch zu Protokoll gegeben, dass ihn der Anwalt 2015 mit Blick auf einen mitangeklagten Künstler (54) aus Recklinghausen einmal gefragt habe, ob er Lust habe, „jemanden kennenzulernen, der größere Mengen Kokain erwerben wolle“. Vor dem Bochumer Landgericht ruderte der 58-Jährige nun zurück: „Das kann ich nicht bejahen.“ Im Gegensatz zu früheren Belastungen betonte er nun plötzlich auch, dass die Initiative zur Kontaktaufnahme zu dem Kokainkäufer allein von ihm und nicht von dem Anwalt ausgegangen sei.

Auch hinsichtlich des zweiten angeklagten Kokain-Deals in einem Hertener Steakhaus wollte sich der Kronzeuge nicht mehr an seinen belastenden Aussagen messen lassen. Sein Aussageverhalten glich einem Eiertanz. „Vielleicht habe ich das bei der Vernehmung falsch formuliert oder durcheinandergebracht“, hieß es. Der Kronzeuge bestätigte zwar, dass der Anwalt ihm vor knapp vier Jahren einmal 4000 Euro in bar für ein zuvor abgewickeltes Kokaingeschäft (100 Gramm) mit dem zweiten Mitangeklagten, einem finanziell klammen Kleinunternehmer (46) aus Recklinghausen, übergeben habe.

Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt

Auch habe er den Drogenkäufer zuvor in dem Balkan-Restaurant über den Anwalt kennengelernt. Ob dem Juristen damals allerdings bewusst gewesen sei, dass er damit einen Deal einfädele, ließ der Zeuge offen. Für ihn sei nur wichtig gewesen, dass er sein Geld bekommen habe und der Anwalt letztlich – wie ihm angeblich im Steakhaus zugesagt – für den späteren Käufer „geradegestanden“ habe. Das bei den Zollfahndern noch zu Protokoll gegebene, belastende Zitat „Ich habe dem Anwalt gesagt, dass ich nicht auf 100 Gramm sitzen bleiben möchte“ wies der Zeuge als nie so gesagt zurück.

„Komisch. Ihre Erinnerung hakt immer dann, wenn Sie Unangenehmes über die Angeklagten sagen müssten“, bemerkte Richter Thorsten Fülber. Die Anklage gegen den Anwalt lautet auf Beihilfe zum illegalen Drogenhandel. Im Prozess schweigt er. Fortsetzung: 29. Oktober.

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