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Gericht

Schwere Vorwürfe gegen Eltern und Hebamme

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HERTEN - Eine 24-jährige Kindsmutter aus Herten soll ihr neugeborenes Baby kurz nach der Geburt massiv misshandelt haben. Aber nicht nur sie muss sich vor Gericht verantworten.

Zum Prozessauftakt vor dem Bochumer Landgericht beteuerte die Angeklagte am Donnerstag vehement ihre Unschuld: „Ich kann nur sagen, dass ich es definitiv nicht war.“ Auf der Anklagebank vor der 6. Strafkammer sitzen neben der 24-jährigen Mutter auch der inzwischen getrennt von ihr in Selm lebende Vater (24). Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft die damalige Hebamme (65) der Familie wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Beide Mitangeklagten sollen trotz Kenntnis von den Misshandlungen beziehungsweise Verletzungen nicht rechtzeitig eingegriffen und den Säugling so nicht ausreichend geschützt haben.

Das Baby war im November 2016 von den Eltern mit gravierenden Verletzungen in eine Kinderklinik eingeliefert worden. Die Anklage spricht von zahlreichen Knochenbrüchen und listet „neun Ausrissfrakturen am rechten Oberarm, am rechten Ober- und Unterschenkel sowie am linken Unterschenkel“ auf. Obendrein waren mehrere Rippen- und Armbrüche diagnostiziert worden.

Angeklagte weisen Vorwürfe zurück

Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, ihr Baby in den ersten zwei Monaten nach der Geburt mehrfach roh misshandelt zu haben. Tatort soll die damals noch gemeinsam bewohnte Familienwohnung in Herten-Süd gewesen sein. Alle drei Angeklagten wiesen die Vorwürfe zum Auftakt zurück.

Für die Mutter kommt als Erklärung neben dem extrem schwierigen Geburtsvorgang („Mein Sohn war bei der Geburt stecken geblieben. Der Arzt hat dann voll mit dem Ellbogen auf meinem Bauch rumgedrückt“) vor allem eine Bewegungsübung durch die mitangeklagte Hebamme infrage. Dass der Vater das Kind misshandelt habe, kann sich die 24-Jährige „nicht vorstellen“. Bei der Bewegungs-übung durch die Hebamme habe es jedoch erst ein knackendes Geräusch gegeben, dann habe die 65-Jährige gerufen: „Oh, jetzt ist was passiert.“ Als der Säugling wenig später seinen Arm kaum noch bewegt habe, sei man praktisch sofort in die Kinderklinik gefahren.

Verhandlung geht bis Mitte Dezember

Das Jugendamt hatte den Jungen zunächst aus der Familie genommen. Anschließend lebte die Mutter mit dem Kind für 15 Monate in einer beaufsichtigten Mutter- Kind-Einrichtung. Nach Angaben der Mutter geht es dem Zweijährigen, der nun wieder bei ihr ist, heute „super“: „Er lacht und spielt viel und ist auch seit dem Sommer im Kindergarten.“ Die Anklage gegen Mutter und Vater lautet auf Misshandlung von Schutzbefohlenen. Für den Gerichtsprozess sind noch Verhandlungstage bis Mitte Dezember anberaumt.

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