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Gericht spricht Eltern frei

Misshandlung eines Säuglings bleibt ungesühnt

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HERTEN - Freispruch für die Mutter, Freispruch für den Vater: Mit einem Urteil, das die Richter ausdrücklich ein „sehr unbefriedigendes Ergebnis“ nannten, endete gestern am Bochumer Landgericht der Prozess um das Misshandlungs-Schicksal eines nur wenige Wochen alten Säuglings aus Herten.

Für die 6. Strafkammer steht nämlich fest, dass der kleine Junge im Herbst 2016 Verletzungen erlitten hat, die eindeutig auf Gewalteinwirkung zurückzuführen sind. „Auf gut Deutsch heißt das: Das Kind ist ganz sicher misshandelt worden“, sagte Richter Michael Janßen. Die nachweislich erlittenen 14 Knochenbrüche an Armen, Beinen und Rippen bezeichnete der Vorsitzende Richter beim Urteil wörtlich als „grausame Verletzungen“.

Doch auch, wenn der Kreis der möglichen Täter mit Mutter, Vater, Großeltern und Schwägerin letztlich überschaubar gewesen sei, sahen sich die Bochumer Richter „leider“ außerstande, sicher zuordnen zu können, wer konkret „das Kind so schwer misshandelt“ hat. Und auch für eine abgeschwächte Verurteilungsform wegen unterlassener Hilfeleistung oder Körperverletzung durch „Zu-wenig-Tun“, reichte es dem Gericht nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte deswegen für die Mutter eine zweijährige Gefängnisstrafe beantragt.

Junge lebt nach wie vor bei der Mutter

Nichtsdestotrotz nutzte das Gericht die Urteilsbegründung für eine Art Abrechnung mit den aktuellen Gegebenheiten (der heute zweijährige Junge lebt nach wie vor bei der Mutter) und sendete Hinweise an das Hertener Jugendamt. „Wir sind sehr sicher, dass es ein eigenes Familienmitglied gewesen ist“, hieß es. „Wir können nur hoffen, dass das Kind jetzt zur Ruhe kommt.“ Vor allem die Kindsmutter (25) aus Herten und deren eigene Mutter mussten sich Kritik anhören, die im übertragenen Sinne mehreren schallenden Ohrfeigen glich.

Die 25-Jährige wurde „professionelle Lügnerin“ genannt, die von ihr als Erklärungen vorgetragenen Unfallversionen seien „vollkommen ausgeschlossen“. Richter Janßen: „Wir gehen schon davon aus, dass die Angeklagte als Täterin infrage kommt, aber es fehlt eben das letzte entscheidende Bisschen, um ein Urteil darauf stützen zu können.“ Und auch bei der Großmutter sei es keinesfalls abwegig, dass sie für die Verletzungen verantwortlich sei. Und das womöglich nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die angeklagten Eltern, die inzwischen getrennt leben, hatten die Vorwürfe bestritten. Das Verfahren gegen eine ursprünglich mitangeklagte Hebamme (65) wurde Ende 2018 im laufenden Prozess ohne Auflagen eingestellt.

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