Gerichts-Rückblick

Von „Monika“ und dem Verbot zu jubeln

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HERTEN - Fälscher, Brandstifter und ganz viel Dramatik: Auch 2018 konnten sich die für Herten zuständigen Gerichte nicht über „Nachschub“ beklagen. Was uns auf jeden Fall in Erinnerung bleibt – eine kleine Übersicht:

Der Irrtum des Jahres unterlief 2018 eindeutig einem Pass-Fälscher aus Herten-Süd. Der hatte nämlich nicht bemerkt, dass sich unter seinen Kunden auch ein Spitzel der Polizei gemogelt hatte. Was folgte, war klar: Festnahme und Prozess. Das Urteil: vier Jahre und zwei Monate Haft.

Der Ausraster des Jahres passierte diesmal in der Hertener Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Ein 30-jähriger Mann aus Marl hatte plötzlich Tassen, Teekannen und Bänke auf Mitpatienten und Bedienstete geworfen. Alle mussten Deckung suchen. Der Grund: ein Paranoia-Schub. Bestraft wurde der Mann am Ende nicht. Zu krank.

Illustrer Rotlicht-Prozess

Viele Fragen ließ der Prozess um den Tod eines Youtubers offen. Der Kameramann war bei einem Filmeinsatz auf der Ewaldstraße von der Ladefläche eines Lieferwagens gerutscht. Dem Fahrer war später vorgeworfen worden, zu riskant gefahren zu sein. Die Richter sahen jedoch auch eine große Mitschuld bei dem Youtuber. Das Urteil: Freispruch.

Ganz neue Erkenntnisse konnten die Amtsrichter in Gelsenkirchen bei einem illustren Prozess aus dem Rotlicht-Milieu sammeln. Jetzt wissen sie nämlich auch, wer den Süder Straßenstrich vor mehr als 20 Jahren eigentlich gegründet hat: „Monika“, die nach Aussage ihres wegen Bedrohung angeklagten (und freigesprochenen) Mannes nicht nur zahlreiche Stammkunden, sondern auch immer noch unendlich Lust hat.

Den wohl schwersten Gang seines Lebens musste im Herbst ein Hertener Rechtsanwalt antreten. Er musste im Bochumer Landgericht auf der Anklagebank Platz nehmen – und zwar diesmal nicht als Verteidiger. Der Vorwurf: Beihilfe zum Drogenhandel. Was er vehement bestreitet. Wie die Richter den Fall sehen, ist noch nicht klar. Der Prozess dauert an.

„Moralisch auf tiefster Stufe“

Zu viel gejubelt haben 2018 offenbar die Zuschauer im Prozess um eine blutige Macheten-Attacke in einem Hochhaus an der Schützenstraße. Als die beiden Angeklagten aus der U-Haft entlassen wurden, brandete im Saal tosender Beifall auf. Die Richter fanden das allerdings gar nicht in Ordnung. Sie ließen sich von allen Zuschauern die Personalien geben – zwecks Strafzahlung. Die hat es am Ende dann aber doch nicht gegeben.

Das wohl ungewöhnlichste Trio musste diesmal in Bochum auf der Anklagebank Platz nehmen. Neben einer Mutter aus Herten war nicht nur ihr Ex-Partner mit angeklagt, sondern auch gleich noch die Hebamme des Paares. Es ging um Kindesmisshandlung – und im Fall der Hebamme um unterlassene Hilfeleistung. Das war aber nicht zu beweisen. Für Mutter und Vater des Jungen geht der Prozess dagegen weiter.

Die Standpauke des Jahres bekamen 2018 zwei Feuerwehrfreunde zu hören, die nachts am Westerholter Bahnhof drei Brände gelegt hatten. Und die damit zwei Wohnungslose gefährdet hatten, die in dem Gebäude bekanntermaßen schliefen. Die Tat stehe „moralisch auf tiefster Stufe“, so die Richter. Die Urteile: drei Jahre und drei Monate Haft für den einen, zwei Jahre Bewährung für den anderen.

Und zu guter Letzt noch der Fauxpas des Jahres. Für den zeichnete am Bochumer Schwurgericht ausgerechnet eine Verteidigerin verantwortlich. Sie plädierte auf fahrlässige Tötung, obwohl das Opfer gar nicht tot war.

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