Hertener vor Gericht

„Wie eine tickende Zeitbombe“

  • schließen

HERTEN/RECKLINGHAUSEN - Die Eltern sind ratlos, die Richter beschlich ein unheimliches Gefühl: Im Prozess gegen einen 28-jährigen Mann aus Herten hatten am gestrigen Dienstag sogar extra zwei Wachtmeister im Saal Platz genommen – für alle Fälle.

Es war der 30. Juni 2018, als der Angeklagte am Hof Wessels zwei Scheiben eingeschlagen und anschließend Handys und eine Geldkassette (ohne Inhalt, wie sich später herausstellte) mitgenommen hat. Vier Monate zuvor hatte er auf der Martin-Luther-Straße außerdem mit voller Wucht vor ein Auto getreten und sich anschließend eine wilde Rangelei mit der Polizei geliefert. Am Ende waren vier Beamte vor Ort, um ihn abzuführen. Einer wurde sogar leicht verletzt. Der Schaden am Auto: 1500 Euro.

„Ich war wütend“, sagte der 28-Jährige im Prozess. „Wegen meiner ganzen Situation.“ Er habe keinen Job gehabt, von morgens bis abends Marihuana geraucht und jede Menge Alkohol getrunken. Die Blutproben hatten einmal 2,4 Promille und einmal ein Promille ergeben.

Trotzdem scheinen Alkohol und Drogen nicht sein Hauptproblem zu sein. Es gibt auch massive psychische Auffälligkeiten. Davon will der Hertener zwar nichts wissen, im Prozess erzählte er aber trotzdem von der ständigen Angst, vergiftet und überwacht zu werden. „Er glaubt, dass er einen GPS-Sender im Kopf hat“, sagte sein Vater. Außerdem rühre er das Essen seiner Mutter nicht mehr an. Was der 28-Jährige auch bestätigt hat. „Ich habe ein Loch im Zahn“, sagte er den Richtern. „Es könnte sein, dass da was drin ist.“ Er hatte sich sogar schon um einen Röntgen-Termin gekümmert, um seinen Kopf überprüfen zu lassen.

Nach eigenen Angaben würde er sein Elternhaus am liebsten verlassen, was den Vater schon jetzt mit Schrecken erfüllt. „Wenn er eine eigene Wohnung hat, ist er doch wie eine tickende Zeitbombe“, sagte er im Prozess. Die Richter wollen jetzt erst einmal einen Psychiater hinzuziehen, um den 28-Jährigen untersuchen zu lassen. Fakt ist: Der Angeklagte ist bereits siebenfach vorbestraft, war schon als 14-Jähriger wegen Raubes zu drei Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Wegen seiner offenbar latent vorhandenen Aggressivität soll er sich im Gericht inzwischen auch nicht mehr ohne Wachtmeister bewegen dürfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

30-Meter-Baum stürzt in Herten auf ein vorbeifahrendes Auto - jetzt ermittelt die Polizei
30-Meter-Baum stürzt in Herten auf ein vorbeifahrendes Auto - jetzt ermittelt die Polizei
Keine Spieler - Horst-Emscher sagt Spiel bei Vestia Disteln ab
Keine Spieler - Horst-Emscher sagt Spiel bei Vestia Disteln ab
Drei Verletzte bei Unfall in Herten - Autos werden komplett zerstört 
Drei Verletzte bei Unfall in Herten - Autos werden komplett zerstört 
TV-Eklat um Tim Mälzer - Koch vergreift sich gegenüber Zuschauerin im Ton
TV-Eklat um Tim Mälzer - Koch vergreift sich gegenüber Zuschauerin im Ton
Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben
Nach schwerer Krankheit:  Ausnahmemusiker Matthes Fechner ist  gestorben

Kommentare