Kanalsanierung

Woher kommen die 200 Millionen Euro?

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HERTEN - Für die Übernahme des Kanal- und Abwassersystems bietet die Emschergenossenschaft der Stadt Herten 200 Millionen Euro. Damit ließe sich fast die Hälfte der städtischen Schulden tilgen. Doch viele unserer Leser stehen der Sache skeptisch oder kritisch gegenüber.

Vielfach hören wir in der Redaktion die Frage: Woher kommen die 200 Millionen Euro? Manch ein Leser spekuliert, die Emschergenossenschaft habe der Stadt und somit den Bürgern jahrelang überhöhte Abwassergebühren in Rechnung gestellt und sich eine Art „Kriegskasse“ zugelegt.

„Völliger Unsinn!“, betont Thomas Fock, Leiter des Geschäftsbereichs Mitglieder und Recht bei der Emschergenossenschaft, auf Nachfrage unserer Zeitung. Auf die Frage, woher der Wasserverband das Geld nehme, antwortet er schlicht: „Wir nehmen einen Kredit auf.“

Er betont zum wiederholten Mal, dass die Kanal-Übertragung zwischen der Stadt Herten und der Emschergenossenschaft ein vollständig geschlossener Wirtschaftskreis wäre, der keinerlei Verbindung zu den übrigen Aktivitäten der Emschergenossenschaft hätte, insbesondere nicht zum Milliarden-Projekt Emscher-Umbau, das im Übrigen ebenfalls mit Krediten finanziert werde.

Abwassergebühren sollen nicht steigen

Thomas Fock führt aus, dass die Emschergenossenschaft als finanziell solide aufgestellte Körperschaft des öffentlichen Rechts sehr gute Konditionen bei den Banken erhalte. Ganz im Gegensatz zu den überschuldeten Städten im Ruhrgebiet, die von manchen Banken überhaupt keine Kredite mehr erhalten. Im Klartext: Die Emschergenossenschaft will für die 200 Millionen ein langfristiges Darlehen zu einem niedrigen Zins aufnehmen.

In die Tilgung fließt letztlich das Geld der Hertener Gebührenzahler – was aus Sicht von Thomas Fock aber auch völlig normal ist. Denn: Heute kassiert die Stadt Herten die Abwassergebühren der Bürger und finanziert damit das Kanalsystem. Künftig würde die Stadt die Gebühren an die Emschergenossenschaft weiterleiten, die davon dann wiederum den Ausbau und die Instandhaltung des Hertener Kanalsystems bezahlt – und eben auch die Tilgung des Kredits. „Wichtig ist, dass die Abwassergebühren, die die Hertener Bürger zahlen, durch die Übertragung des Kanalnetzes auf keinen Fall steigen“, so Fock.

Kanalsystem flexibler und effizienter steuern

Hintergrund der Kanalübetragung (in der HA vom 3.10. bereits erläutert): Die Emschergenossenschaft will den Zugriff auf das gesamte Kanalnetz vom Gully in der kleinen Siedlungsstraße bis zur großen Kläranlage an der Emscher haben, um das Abwassersystem mit all seinen technischen Anlagen schneller, flexibler, effizienter und kostengünstiger steuern zu können. Das sei nicht zuletzt bei der Bewältigung von Starkregen-Ereignissen nützlich. Heute ist das abwassertechnische System zwischen den Städten und der Emschergenossenschaft aufgeteilt.

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